Baron von Bossner über Wohnen & Arbeiten in Berlin

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“Baron von Bossner“ – dieser klingende Name steht für einen Mann, der eine Marke ist. Eine ziemlich exklusive und bekannte noch dazu. Mit bürgerlichem Namen heißt der „Baron“ Konstantin Loskutnikov und vertreibt als russischer Geschäftsmann mit seiner Marke „Bossner“ von Berlin aus edelste Schokolade, begehrte Zigarren, besondere Weine und exklusive Lifestyleprodukte. Von der Edel-Zigarre aus Nicaragua bis zu den Krokodillederschuhen für 6.000 Euro ist beim „Baron“ viel Außergewöhnliches zu bekommen. Im Interview mit der Chefredakteurin von „Exklusiv Immobilien in Berlin“, Manuela Herrmann, spricht er über den Erfolg der Marke Bossner, das russische Charlottenburg, seine Vorstellungen von gutem Wohnen in Berlin, die Corona-Krise und die Perspektiven seines Unternehmens.

Manuela Herrmann:  Baron von Bossner, vor hundert Jahren flohen nach der Oktoberrevolution viele russische Bürger nach Berlin. Auch heute leben mehr als 20.000 in Deutschlands Hauptstadt. Besonders das mondäne Charlottenburg hat es ihnen angetan. Im Volksmund wird es deshalb auch liebevoll „Charlottengrad“ genannt. Was ist es, was ihnen an Berlin und besonders an Charlottenburg so gefällt?

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Baron von Bossner: Nach der Oktoberrevolution verschlug es Tausende von Russen – Offiziere, Unternehmer, Künstler (darunter waren z.B. Wladimir Nabokov und Wassilij Kandinsky) – sowie einfache Menschen ins Ausland. So wurde Berlin in den 1920er Jahren zu einem der ersten Zentren der russischen Emigration, zu einer Art „Insel“ der russischen Zivilisation in Europa. Schon damals eröffneten Dutzende von russischen Restaurants in der Stadt, Zeitungen und Zeitschriften wurden herausgegeben. In Berlin gab es drei russische Theater sowie mehrere russische Verlage.

Verschiedenen Quellen zufolge leben heute zwischen 2,5 und 5 Millionen russischsprachige Menschen in Deutschland, darunter natürlich Russlanddeutsche, Russen und Einwanderer aus allen ehemaligen Sowjetrepubliken. Erlauben Sie mir bitte Sie zu korrigieren. In Berlin leben heute etwa 220 Tausend russischsprachige Menschen, dabei 15-17 Tausend davon nur in Charlottenburg. Mit 20 Tausend meinen Sie bestimmt Berliner mit russischer Staatsbürgerschaft.

Berlin ist interessant in seiner Vielfalt, jeder Bezirk hat seinen eigenen Charakter. Historisch gesehen ist Charlottenburg eng mit der russischen Kultur verbunden, aber ich denke, dass sich heute aktive, gebildete und gut integrierte russischsprachige Berliner in jedem Bezirk der Stadt wohlfühlen.

Manuela Herrmann: Erklären Sie bitte unseren Lesern, die mit der Berliner Gesellschaft noch nicht so vertraut sind, wie Sie vom Geschäftsmann Konstantin Loskutnikov zum „Baron von Bossner“ geworden sind.

Baron von Bossner: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich habe immer sehr hart gearbeitet. Ich begann meine Kariere als Geschäftsmann zu Zeiten der UdSSR, in den 1970er Jahren in Sankt-Petersburg, damals noch Leningrad. Doch leider wurde das Land, in dem ich geboren wurde, 1991 zerstört und ich musste es verlassen. In 30 Jahren in Deutschland habe ich sicherlich viel erreicht, aber ich kann trotzdem sagen, dass die 1980er Jahre in der Sowjetunion aus kommerzieller Sicht die erfolgreichsten Jahre waren.

Manuela Herrmann: Cognac, Zigarren, Weine, Brieftaschen, Gürtel, Schuhe, Schokolade – die Bossner-Produktpalette umfasst viele unterschiedliche Luxusgüter. Wie würden sie den gemeinsamen Nenner, die Philosophie beschreiben, die allen gemeinsam ist?

Baron von Bossner: Wenn man hart arbeitet, möchte man die Ergebnisse seiner Arbeit auch genießen, sich und seine Freunde mit schönen, hochwertigen Dingen umgeben.

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Manuela Herrmann: Sie kennen viele russische Geschäftsleute, die sich Wohnungen und Häuser in Berlin kaufen. Und da wir ein Immobilien-Magazin sind, interessiert unsere Leser besonders: Was für Immobilien bevorzugen Partner, Freunde und Verwandten in Berlin und wie wohnen sie hier?

Baron von Bossner: Wohlhabendere Russen kaufen Luxuswohnungen, Menschen mit dem durchschnittlichen Einkommen kaufen einfache Wohnungen, und weniger wohlhabende Menschen mieten. Das Gleiche gilt für Russen, die in Russland leben. Ich musste jedoch feststellen, dass es einen Unterschied gibt, den russischsprachige Immobilieneigentümer in Berlin nicht übersehen können, wenn sie die Qualität und das Niveau der Dienstleistungen mit dem vergleichen, was sie in Russland gewohnt sind. Dabei gewinnt Berlin leider nicht. Was ich meine? Wenn zum Beispiel in Moskau, St. Petersburg oder einer anderen großen oder kleineren Stadt Russlands eine Tür kaputt geht, ruft man einen dafür zuständigen Dienstleister an. Innerhalb von 30 Minuten kommt ein Techniker, der die Situation schnell beurteilt und das Problem höchstwahrscheinlich noch am selben Tag löst. Das ist in Berlin nicht möglich. Die Behebung kleinerer Mängel in einer Wohnung dauert manchmal Wochen und Monate, was man natürlich nicht als einen hervorragenden Service bezeichnen kann. Das kann für mich schon mal ein wenig schwierig machen, mich in Berlin wohl zu fühlen. Als Berliner und Immobilienbesitzer hoffe ich doch sehr, dass sich die allgemeine Service- und Instandhaltungssituation der Immobilien so bald wie möglich verbessert.

Manuela Herrmann: Darf man fragen in welchem Bezirk, welchem Kiez von Berlin Sie, Baron von Bossner, leben und was gefällt Ihnen daran besonders?

Baron von Bossner: Viele Jahre wohnte ich am Bundesratufer in Tiergarten und war mit Allem soweit zufrieden.

Manuela Herrmann: Sie engagieren sich im Club der Russisch-Orthodoxen Mäzene. Was machen Sie da genau?

Baron von Bossner: Ich bin nicht nur ein Mitglied des Clubs, ich bin sein Präsident. Unser Club wurde im Jahr 2010 gegründet. Leider ist unsere Gesundheit nicht immer von uns abhängig. Es gibt viele Kinder mit angeborenen Krankheiten auf der Welt. Sie brauchen unsere Hilfe. Wir unterstützen einkommensschwache Familien und übernehmen die Kosten für Herzoperationen bei Kindern. Darüber hinaus beteiligen wir uns an zahlreichen kulturellen und karitativen Projekten im Zusammenhang mit der Restaurierung von Kirchen und Denkmälern, unterstützen das Internationale Russische Filmfestival MIRFF in Marbella. Außerdem haben wir einen eigenen Verlag, der das viersprachige Magazin Clan herausgibt. Jede Ausgabe des Magazins Clan hat zum Thema die Kultur und Geschichte eines bestimmten Landes. Darüber hinaus unterstützt unser Verlag junge Akademiker und veröffentlicht ihre Forschungsarbeiten.

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Manuela Herrmann: Weiterhin unterstützen Sie schon viele Jahre das „Telekompatschka“, ein Theater- und Kinostudio für Kinder. Was verbindet Sie mit dieser Organisation?

Baron von Bossner: Wir unterstützen dieses Theater- und Kinostudio für Kinder schon seit vielen Jahren. Die Kinder lernen die russische Sprache und Kultur auf spielerische und unterhaltsame Weise kennen. Sie führen Theaterstücke auf und nehmen an den Bildungsvideos teil. Wir unterstützen auch Weihnachts- und andere Veranstaltungen des Theaterstudios, machen Geschenke für die Kinder.

Manuela Herrmann: Teilen der deutschen Wirtschaft setzt die Corona-Krise stark zu. Wie läuft Ihr Geschäft? Wie kommen Sie durch die Krise?

Baron von Bossner: Natürlich sind wir von der Corona-Krise genauso betroffen wie alle anderen auch. Es gab eine Zeit, in der unser Büro fast leer war, und nur 2-3 der 25 Mitarbeiter ständig anwesend waren. Jedoch haben wir schon mal die Krise von 1991, dann die von 1998, dann von 2008 überwunden. So werden wir auch diese überstehen.

Manuela Herrmann: Und was planen Sie unternehmerisch in den nächsten Jahren?

Baron von Bossner: Immer arbeiten, nach vorne schauen und frei bleiben.

Manuela Herrmann: Sie können bereits auf eine eindrucksvolle Lebensleistung zurückblicken und haben noch viel vor. Gibt es eine Philosophie im Leben, nach der Sie so erfolgreich handeln und die Sie mit unseren Lesern teilen wollen?

Baron von Bossner: Ich glaube, dass jeder sein eigenes Leben selbst gestaltet. Ich bleibe aktiv und gehe immer weiter und vorwärts.

Baron von Bossner, wir danken Ihnen für das Gespräch!

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