Wohnungswirtschaft unter Corona-Einfluss

Beautiful modern homes. Luxury townhouses
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  • Weiterhin Forderungsausfälle befürchtet.
  • Rückkehr zur betrieblichen Normalität verlangsamt sich.
  • Personalabbau unverändert kein Thema.

Bereits zu Beginn der Corona-Krise schätzte Aengevelt das Wohninvestmentsegment angesichts weiter steigender Bevölkerung und vor allem Haushaltszahlen als weitgehend robust und krisenresistent ein.

Aengevelt wollte es genauer wissen und befragt seit Sommer 2020 halbjährlich Experten aus allen Bereichen der Wohnungswirtschaft zu den Auswirkungen auf ihr Unternehmen, zuletzt aktuell im Winter 2021/2022. Das Ergebnis: Ein markanter Teil der Befragungsteilnehmer rechnet weiterhin mit wirtschaftlichen Einbußen und insbesondere einer Verlangsamung der Umsatzdynamik. Allerdings erwarten deutlich weniger als noch im Sommer 2020 Forderungsausfälle. Dafür geht ein wieder größerer Anteil im Vergleich zur Befragung im Sommer 2021 davon aus, dass eine Rückkehr zur betrieblichen Normalität länger dauert. Mit größeren strukturellen Auswirkungen auf ihr Unternehmen rechnen unverändert nur wenige.

Differenzierte Auswirkungen

Unter der Fragestellung “Wie schätzen Sie den Einfluss der Corona-Krise auf Ihr Unternehmen ein?“ konnten die Teilnehmer aus einem Spektrum möglicher Auswirkungen für ihr Unternehmen wählen, wobei Mehrfachantworten möglich waren. Dazu zählten u.a.:

  • Verlangsamung der Umsatzdynamik
  • Forderungsausfälle
  • Reduzierung des Neugeschäfts
  • Erhöhter Kostenaufwand durch bislang nicht kalkulierte Restart-Investitionen
  • Verlust von Stammkunden
  • Personalabbau
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Nachdem im Sommer 2021 rd. ein Drittel der Befragungsteilnehmer (34 %) von einer abgeschwächten Umsatzdynamik ausging (Winter 2020/2021: 52 %;
Sommer 2020: 60 %), erhöhte sich der Anteil in der Winterbefragung 2021/2022 wieder auf 46 %. Dagegen ist die Zahl derer, die mit Forderungsausfällen rechnen, weiter von 32 % (Sommer 2021 und Winter 2020/2021) auf nun 30 % gesunken. Im Sommer 2020 lag die Quote mit 52 % noch deutlich höher. Kontinuierlich weiter gesunken ist der Anteil der Befragungsteilnehmer, die eine Reduzierung des Neugeschäfts erwarten: Waren es im Sommer 2020 50 %, im Winter 2020/2021 40 % und im Sommer 2021 28 %, sind es aktuell nur noch 5 %.

Auch ist die Einschätzung der Befragungsteilnehmer hinsichtlich eines Personalabbaus in ihrem Unternehmen bleibt positiv: Wie im Sommer 2020 und Winter 2020/2021 rechnen lediglich 4 % damit; lediglich im Sommer 2021 waren es mit 2 % noch weniger. Mit dem Verlust von Stammkunden rechnet sogar nur 1 % (Sommer 2021: 2 %, Winter 2020/2021: 6 %; Sommer 2020: 4 %). Mit zunehmender “Corona-Erfahrung“ steigt dagegen der Anteil der Befragungsteilnehmer, die von einem erhöhten Kostenaufwand durch bislang nicht kalkulierte Restart-Investitionen ausgehen, und erreicht mit aktuell 27 % den höchsten Stand seit Befragungsstart (Sommer 2021: 11 %, Winter 2020/2021: 23 %; Sommer 2020: 18 %).  

Normalisierung des Geschäftsbetriebs verlangsamt sich

In einer weiteren Frage wurde um die Einschätzung gebeten, wie lange es dauert, bis sich der Geschäftsbetrieb in den Unternehmen der Befragungsteilnehmer wieder normalisiert.

Ergebnis: Gaben im Sommer 2021 noch 41 % an, dass dies bereits geschehen ist, waren es in der Winterbefragung 2021/2022 nur noch 31 %. Der Anteil derer, die dies in weniger als sechs Monaten erwarten, ist von 21 % im Sommer 2021 auf aktuell 13 % gesunken. Und während im Sommer 2021 lediglich 11 % davon ausgingen, dass es länger als zwölf Monate dauern wird, sind es nun 25 %.

Fazit:

Nach wie vor rechnet ein signifikanter Teil der Befragten ungeachtet der Robustheit der Wohnimmobilienmärkte mit mittel- bis längerfristigen Auswirkungen von Corona, z.B. in Form von Forderungsausfällen und einer verlangsamten Umsatzdynamik.

Die Auswirkungen werden indessen – wie bereits in den vorangegangenen Befragungen – auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht als existenzbedrohend betrachtet. Deshalb werden unverändert kaum strukturelle Auswirkungen für Unternehmen erwartet.

Allerdings spiegelt die Befragung wider, dass sich die Rückkehr zur Normalisiert offenbar verlangsamt. Mit zunehmender Dauer der Pandemie und den damit verbundenen Erfahrungen steigt zudem die Erwartung erhöhter Kosten, u.a. für Restart-Investitionen.

Dazu Lara Zautys, Analystin von Aengevelt Research: „Die Wohnungswirtschaft ist sehr krisenresilient. Die erneute Aengevelt-Umfrage belegt indessen, dass auch sie sich nicht vollständig der Pandemie entziehen kann, sondern wie andere Branchen und Bereiche auch von Auswirkungen betroffen ist. Entscheidend ist aber, dass die Wohnungswirtschaft handlungsfähig bleibt. Und genau das bestätigt unsere Umfrage mit anhaltend geringen Werten hinsichtlich erwarteter struktureller Veränderungen wie Personalabbau etc.“

Aengevelt Immobilien GmbH & Co. KG

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