Digitalisierung und Optimierung von Prozessqualitäten

BFW Vorstandswahlen 2022 / Portraits
© BFW Landesverband Berlin/Brandenburg e.V. / Claudius Pflug

Wer in diesen Zeiten mit Immobilien zu tun hat, egal, ob im Projektgeschäft bei der Schaffung neuer Flächen oder in der Verwaltung und Instandhaltung, kennt die Herausforderungen der Branche nur zu gut. Steigende Energiekosten, bedingt unter anderem durch den Konflikt in der Ukraine und damit einhergehende Engpässe bei Material sowie der anhaltende Fachkräftemangel, sind nur die Spitze des Eisbergs. Gleichzeitig wachsen mit Voranschreiten der Klimakrise die Anforderungen an moderne, zukunftssichere Gebäude.

Wenn wir in der heutigen volatilen Zeit über Nachhaltigkeit am Bau sprechen, dann geht es dabei nicht nur um Gebäudematerialien, sondern auch um sekundäre Effekte. Ein wichtiges Thema ist dabei die sogenannte „Stadt der kurzen Wege“, in der alle wesentlichen Dinge des Lebens im unmittelbaren Umkreis zu haben oder in maximal 15 Minuten zu erreichen sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: eine bessere Work-Life-Balance ohne nervenaufreibendes Pendeln, aber auch weniger Verkehr, weil das Auto nicht benötigt wird und stattdessen alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden kann.

Ein wesentlicher Hemmschuh bei der Umsetzung derartiger Projekte ist, neben den Kosten, auf jeden Fall der Zeitfaktor. Reibungsverluste bei Genehmigungsprozessen, aufwendige Abstimmungen mit verschiedensten Behörden und nicht zuletzt die fast schon chronisch mangelhafte Stellenbesetzung führen dazu, dass Prozesse unnötig in die Länge gezogen werden. Wir haben dazu im Bündnis für Wohnen vielfältige Verbesserungsvorschläge gemacht, u. a. zu den Themen Digitalisierung und Optimierung von Prozessqualitäten.

Wir sind der festen Überzeugung, dass man jetzt handeln und Veränderungen in allen Bereichen des Wohnungsneubaus, -umbaus oder der Verwaltung schaffen muss. Sonst droht ein Szenario für Berlin und Brandenburg, das keiner möchte: Die immer umfangreicheren Regularien führen dazu, dass der niedrigpreisige Wohnungsbau über hohe Mieten quersubventioniert werden muss. Wir müssen aufpassen, dass die mittleren Mieten – also bei rund 10 EUR/m² – nicht hinten runterfallen und dadurch die Mittelschicht aus den Metropolen abwandert. Übrig bleiben dann irgendwann in den Städten nur noch teure Luxuswohnungen und Wohnungen im unteren Segment für einkommensschwache Haushalte.

Und was wir eigentlich wollen, insbesondere als Projektanten in diesem Segment, ist eine gesunde Stadt mit einer interessanten Mischung aus unterschiedlichen sozialen Hintergründen und Lebensmodellen.

Ihr Christopher Weiß
Vorsitzender des BFW Landesverband Berlin/Brandenburg e.V.

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