Die Politik blockiert mit

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David Eckel, Geschäftsführer Eckel Presse & PR GmbH © Dirk Laessig

Berlin ist in vielerlei Hinsichten einzigartig. So war der Wertzuwachs der Hauptstadt-Immobilien zwischen 2016 auf 2017 mit 20,5 % ein glatter Weltrekord. Doch trotz der boomenden Immobilienbranche zieht die Hauptstadt der wichtigsten europäischen Wirtschaftsnation das Land immer noch nach unten – zumindest, was die Wirtschaftsleistung betrifft, denn die ist immer noch unterdurchschnittlich.

Anders als London oder Paris, deren Länder 11,1 bzw. 14,8 % reicher sind, macht Berlin das Land zumindest ökonomisch ärmer. Weiteres Wachstum ist also eigentlich „alternativlos“, doch die Wachstumsschmerzen sind enorm: Ob U-Bahn-Waggons, Schulen und Kitas, Polizisten und Feuerwehrleute, Büroflächen und Wohnungen – von allem ist zu wenig da. Lieber werden Radwege und Unisex-Toiletten gebaut und ansonsten eine Maxime ausgegeben: Grundstücke werden nur noch an landeseigene Wohnungsgesellschaften veräußert. Daher stehen private Bauvorhaben still. Jüngst traf es sogar ein europaweit einzigartiges Demenzdorf, das ein Investor gemeinsam mit renommierten Experten auf einem landeseigenen Grundstück in Marzahn geplant hatte: Nach zwei Jahren Verhandlungen, Studien und Entwürfen stoppte die landeseigene Berliner Immobilien GmbH das Verfahren. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man: Das Land verkauft nicht an Private – auch dann nicht, wenn diese ein Demenzdorf und einen Kindergarten bauen wollen.

Weiteres Beispiel gefällig? In Friedrichshain-Kreuzberg wird so ziemlich jedes private Bauvorhaben kritisch begleitet – mit dem Ergebnis, dass die Wohneigentumspreise mit die höchsten Zuwachsraten der ganzen Stadt haben. Was der Bezirk dagegen macht? Er nutzt sein Vorkaufsrecht und kauft Privaten die Wohnungen weg, für bislang 200.000 Euro pro Einheit. Dadurch entsteht nicht eine Wohnung mehr. Zudem müssen die Bauherren mit so ziemlich jedem Projekt in den Stadtplanungsausschuss – Ausgang unbekannt.

Viele Entwickler haben darauf keine Lust mehr und orientieren sich neu. In Umlandgemeinden wie Schönefeld, Teltow oder Beelitz empfangen die Bürgermeister die Investoren noch persönlich, mit am Tisch sitzt die zuständige Verwaltung. Das kommt bei den Berlinern gut an: 5.000 bis 10.000 überwiegend junge Hauptstädter ziehen jährlich in den Speckgürtel. In Berlin fehlen derweil 77.000 Wohnungen. Doch drei Viertel der potentiellen Bauflächen gehören übrigens Privaten. Sie weiter zu blockieren, kann sich Berlin eigentlich nicht leisten, wir alle müssen daher zu einem besseren Miteinander finden. Wir Berater können bei einzelnen Projekten zwischen den Positionen vermitteln, doch ohne einen Kurs, der Wachstum als Chance und nicht als Gefahr begreift, wird die Stadt ausgebremst. Dabei wären wir doch so gerne endlich überdurchschnittlich.

David Eckel
Geschäftsführer Eckel Presse & PR GmbH

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