Am Wachstum Berlins teilhaben

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Berlin ist zu beneiden. Die Wirtschaft wächst, die Bevölkerung auch und die Stadt wird Jahr um Jahr attraktiver. Inzwischen wollen sogar Briten Deutsche werden, nur um hier dauerhaft zu leben.

Die neuere Beliebtheit der Stadt ist nicht ohne Herausforderungen für die Berliner: steigende Mieten und Wohnungspreise, volle Straßen, ein überlasteter Nahverkehr, keine ausreichenden Betreuungskapazitäten für Kinder und viel zu wenige Lehrer – allesamt Themen, die durch defizitär arbeitende Politik und Verwaltung noch verstärkt werden. Daher ist kaum zu verstehen, dass die Kommunalisierung privater Wohnungsbestände heute ein populäres Thema ist. Wohnraum kann man nur schaffen, indem man neu baut. Preiswerten Wohnraum, indem man beispielsweise private Bauherren dadurch animiert, dass ein Teil der Bau-/Baunebenkosten von der Steuer abgesetzt werden kann bzw. dass bei den Bauherren, die preiswerten Wohnraum anbieten wollen, von Seiten des Staates auf die Mehrwertsteuer bei den Bau- und Baunebenkosten verzichtet wird.

Berlin hat eine rasant steigende Bevölkerungsentwicklung und gleichzeitig im Vergleich zu anderen Städten einen bescheidenen Wohnungsbaubestand: Von den ca. 1,9 Mio. Wohnungen Berlins sind über 64 Prozent Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus aus der Vorwendezeit bzw. Plattenbauwohnungen, d. h. es sind Wohnungen, die nur eingeschränkt den heutigen Anforderungen an modernes Wohnen entsprechen. 27 Prozent des Wohnungsbestandes in Berlin sind Altbauwohnungen, die vor 1918 errichtet worden sind. Diese Wohnungen haben oft großzügige Grundrisse, hohe Decken und sind meist in gesuchten Kiezlagen zu finden. Die Nachteile sind ein eingeschränktes Parkplatzangebot, eine oft nicht optimale Energiebilanz und eine vergleichsweise große Wohnfläche bezogen auf die Anzahl der Zimmer. Gute Neubauwohnungen, welche im Wesentlichen erst ab 1993/94 in Berlin gebaut wurden, machen lediglich neun Prozent des Wohnungsangebotes aus.

Im Gegensatz zu anderen westdeutschen Städten ist das Angebot an bedarfsgerechten Neubauwohnungen in Berlin also vergleichsweise gering. Umso wichtiger ist es, die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für Neubauprojekte zu verbessern und so die Entstehung neuen Wohnraums zu fördern, der den Bedürfnissen der Wohnungssuchenden gerecht wird – an schöner Architektur und zeitgemäßen Ausstattungen soll es bei unseren Vorhaben nicht fehlen. Zur Freude der Berliner, würden wir in den kommenden Jahren gern mehr Wohnungen in gewohnt hoher Qualität errichten.

Dr. Jürgen Leibfried
Vorstand der BAUWERT Aktiengesellschaft

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