Wohnen wird wichtiger

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Unverbindliche Visualisierung, Kokoni One © Ziegert EverEstate GmbH

Wie Corona die Branche verändert hat – und welche Rahmenbedingungen wir jetzt brauchen

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Kyrill Radev © Ziegert EverEstate GmbH

Eines haben alle Krisen gemeinsam: Sie beeinflussen unser Verhalten, und zwingen uns dazu, Prioritäten neu zu bewerten. Schauen wir uns die Monate seit Beginn der Corona-Pandemie an, wird das sehr deutlich. Das Grundbedürfnis der Menschen nach Sicherheit und Gesundheit ist durch die gegenwärtige Situation nachhaltig verstärkt worden und hat dazu geführt, dass die Wohnimmobilie als Rückzugs- und Entfaltungsraum an Bedeutung gewonnen hat. Wir spüren eine Aufbruchstimmung, die sich auch in der Immobiliennachfrage widerspiegelt. Gleichzeitig lassen Entwicklungen wie das flexible Arbeiten im Homeoffice die Ansprüche an das Wohnen wachsen. Klimaschutz und Nachhaltigkeit rücken nicht nur verstärkt auf die politische Agenda, sondern bestimmen zunehmend Konsumentscheidungen, auch bei Immobilieninvestments – aus persönlichen Gründen und aufgrund staatlicher Förderungen. So unsicher die Situation zu Beginn der Pandemie schien war eines damals schon klar: Der Veränderungs- und Entwicklungsschub, den die Gesellschaft seither gemacht hat, ist unumkehrbar.

Wohnen wird eines der zentralen politischen Themen in der kommenden Legislaturperiode sein. Und das ist gut so. Wichtig ist, dabei die richtigen regulatorischen Hebel in Bewegung zu setzen. Die Politik sollte die Eigentumsbildung unterstützen – und nicht weiter verhindern.

Wie wichtig Eigentumsbildung für eine Gesellschaft ist, haben wir in der jüngsten Zeit spürbar erlebt. Auch deshalb ist es wichtig, dass die Politik die Hürden für den Erwerb von Wohneigentum senkt, damit mehr Menschen die Möglichkeit haben, sich eine eigene Wohnung zu leisten, eigenes Vermögen aufzubauen und stärker am Wachstum ihrer Stadt zu partizipieren. Die Einstiegshürden in die Eigentumsbildung müssen gesenkt werden, etwa durch eine reduzierte Grunderwerbsteuer für Erstkäufer und steuerlich absetzbare Anschaffungskosten. Lediglich die Maklercourtage zu senken, reicht nicht aus.

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Unverbindliche Visualisierung, Helmhouse © Ziegert EverEstate GmbH

Der Staat sollte zudem angehalten sein, mehr Bauland zur Verfügung zu stellen, insbesondere im urbanen Raum. In Berlin und anderen Städten ist keine baldige Entspannung des Immobilienmarkts zu erwarten: Das Angebot bleibt zu knapp, und das bei anhaltend hoher Nachfrage. Es existieren noch viele Hürden, die abgebaut werden müssen.

Außerdem sollte der Staat dringend davon Abstand nehmen, neue Experimente mit einem – wie auch immer ausgestalteten Mietendeckel – zu wagen. Das Bundesverfassungsgericht hat in diesem Jahr gerade den Berliner Deckel gekippt, wenn auch nur aus formalen Gründen. Das zentrale Argument ist: Es gibt kein Beispiel für eine gedeihende Stadt mit Mietendeckel. Urbane Prosperität und Mietendeckel schließen sich kategorisch aus.

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Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema in allen Branchen und eine wichtige Aufgabe für die Immobilienwirtschaft

Wir als Ziegert Group befassen uns seit Jahren mit Nachhaltigkeitsthemen. Die Leitfrage, die wir uns dabei stellen ist, wie wir einen nachhaltigen Beitrag leisten und echten Mehrwert schaffen können. Daher werden wir neben konventionellem Bauen nun verstärkt nachhaltige Projekte umsetzen. Das ist ein zentraler Baustein unserer Strategie. Bereits heute setzen wir im konventionellen Neubaubereich auf einen Standard von mindestens KfW-55. Noch in diesem Jahr werden wir ein Projekt in Holzbauweise auf den Markt bringen, mit dem wir neue Maßstäbe in der nachhaltigen Projektentwicklung setzen. Denn erstmals verbinden wir Energieeffizienz, umweltbewussten Holzbau und ein smartes Energiekonzept in einem ganzheitlichen Projekt, namens KOKONI. Es erzeugt beispielsweise seinen eigenen Strom durch Photovoltaik auf den Dächern, Wärme wird durch Geothermie gewonnen, und das verbaute Holz bindet zudem Kohlendioxid. So erreichen wir sogar eine klimapositive Bilanz.

Aber auch hier brauchen wir die richtigen Rahmenbedingungen, damit mehr Nachhaltigkeit überhaupt möglich wird. Es gibt immer noch viel zu viele und viel zu starre Regeln für Fragen des nachhaltigen Gebäudebaus.

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Unverbindliche Visualisierung, Am Generalshof © Ziegert EverEstate GmbH

Deutschland steht vor einer grundsätzlichen Richtungsentscheidung im September

Deutschland steht bei der Bundestagswahl im September vor einer politischen Richtungsentscheidung: Wollen wir auf Fortschritt, Eigeninitiative, Technologie und Verantwortung setzen? Oder wollen wir ideologische Regulierung, Kontrolle unserer Lebens- und Wirtschaftsbereiche mit einer Versorgungsmentalität? Diese Grundsatzfrage betrifft auch den Immobilienmarkt. Konkret muss die Politik nach der Bundestagswahl Folgendes tun, um die dringend notwendige Bautätigkeit anzukurbeln: 1. Die Genehmigungsprozesse für energieeffizienten Neubau beschleunigen, z. B. mithilfe einer Digitalisierung der Prozesse samt digitalem Bauantrag, 2. Die Umwidmung von Fläche von Gewerbe auf Wohnen vereinfachen sowie die bessere Nutzung von Baulücken in Städten und 3. eine bedarfsgerechte und effektivere Bebauung von Grundstücken ermöglichen, um der großen Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden. Dazu zählt auch, dass ein energieeffizienter Dachgeschossausbau leichter umzusetzen sein und gefördert werden sollte.

Wir sind zuversichtlich, dass sich die besseren Argumente gegen kontraproduktive Regulierung – und damit auch gegen einen bundesweiten Mietendeckel – durchsetzen werden, und zwar unabhängig vom Wahlergebnis.

Kyrill Radev, CEO der Ziegert Group www.ziegert-immobilien.de