Arbeiten, Wohnen und Leben gemeinsam denken

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Terrasse © Covivio / Sauerbruch Hutton

Norman Weichhardt ist bei Covivio als Head of Development Office Deutschland für große Neubauvorhaben wie das Hochhausprojekt am Berliner Alexanderplatz oder das Partheufer in Leipzig verantwortlich. Im Interview mit dem Magazin „Exklusiv Immobilien in Berlin“ erklärt er, welche Antworten der Mixed-Use-Ansatz von Covivio auf die aktuellen Herausforderungen des modernen, urbanen Lebens gibt.

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Norman Weichhardt ist bei Covivio
Head of Development Office Deutschland
© Covivio / Farbtonwerk

Eine Vermischung unterschiedlicher Immobilienklassen war lange Zeit unpopulär. Woher kommt bei Ihnen der Antrieb, hierbei alte Muster aufzubrechen, beispielsweise bei Ihrem Alexanderplatz-Projekt?

Norman Weichhardt: In vielen Städten weltweit wurde lange genug zu einseitig gebaut. Dort die Wohnviertel, da die Büro- und Gewerbezonen. Das ist nicht mehr zeitgemäß, nicht zuletzt deshalb, da wir Wege verkürzen und Autoverkehr eindämmen wollen. Durch Monokulturen wird eine Stadt auch nicht belebt, sondern teilt sich schlimmstenfalls in Schlafstätten und abends ausgestorbene Bürowüsten. Bei unserem Hochhausprojekt am Alexanderplatz stehen dagegen Vielfalt statt Mononutzung, die urbane und erlebbare Stadt für Bewohner, Nutzer und Besucher im Vordergrund der Planung. Der Grundgedanke der Community, der Gemeinschaft ist das Leitbild der Entwicklung und wir möchten vernetzte Räume für sehr unterschiedliche Zielgruppen schaffen. Wir begreifen unser Mixed-Use-Hochhausprojekt am Alexanderplatz als vertikales und lebendiges Quartier an einem historisch einzigartigen Ort in Berlin. Für die Planung können wir auf unsere Erfahrungswerte aus anderen europäischen Großstädten zurückgreifen. Mit „Vitae“ entwickeln wir beispielsweise in Mailand ein innovatives Mixed-Use-Projekt, das natürlich Büros, aber auch ein Molekular- und Onkologie-Forschungslabor, einen kleinen Lebensmittelladen, „Urban Farming“, Dienstleistungsangebote wie ein Fitnessstudio, ein Business Center und Tagungsräume, sowie Gästezimmer für die Wissenschaftler vereint. Dieses Projekt hat auch den Wettbewerb „Reinventing cities“ gewonnen, eine internationale Ausschreibung für Immobilienprojekte, die eine CO2-neutrale Stadtentwicklung vorantreiben.

Das heißt, Sie kombinieren am Alexanderplatz Büros, Wohnungen und Einzelhandel?

Weichhardt: Das ist richtig, wird in der Beschreibung unserem Bauvorhaben aber noch nicht vollständig gerecht. Unser Alexanderplatz-Projekt schafft Räume für Vernetzung, sowohl digital als auch in Form von physischen Plattformen. Unsere Community-Area mit knapp 1.000 m² wird ein Herzstück des Projekts. Sie wird ergänzt um den ca. 2.500 m² großen Outdoor-Bereich auf dem gesamten Sockelgebäude mit Flächen für gemeinsames Arbeiten und Treffen, Bereiche der Ruhe sowie für Gastronomie, Sport und Events. In diesen genannten Bereichen bringen wir die Öffentlichkeit sowie unsere Mieter und Kunden in einem aktiven Netzwerk zusammen. Auch das benachbarte Park Inn Hotel, das ebenfalls im Besitz von Covivio steht, wird in der Entwicklung mitgedacht und soll für die Nutzer des neuen Projekts einen Mehrwert bieten.

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Berlin Alexanderplatz © Michael Bußmann / Pixabay.com

In Berlin leben bekanntlich nicht nur Hochhaus-Freunde. Was sagen Sie denen, um sie von Ihrem Bauvorhaben am Alexanderplatz zu überzeugen?

Weichhardt: Allgemein zum Thema Bauen in die Höhe möchte ich Folgendes vorwegschicken: Hochhäuser sind eine Möglichkeit, eine städtische Ausdehnung zu reduzieren und somit Grünraum zu erhalten. Der verstorbene Architekt Jan Rave hat es mit seinem Ausspruch ‚Umweltschutz durch Stadt‘ sehr gut auf den Punkt gebracht. Die klassische Zersiedelung von Großstädten hinein in die Peripherie hat einen viel stärkeren negativen Effekt auf unsere Ökologie als die Verdichtung der Stadt.

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Berlin Alexanderplatz © Michael Bußmann / Pixabay.com

Der Berliner Alexanderplatz ist ein Ort, an dem dieses Mehr an Dichte durch nachhaltig geplante Hochhausbauten mehrere Funktionen erfüllt: Aus städteplanerischer Sicht wird durch unser Gebäude der Platz an dieser Stelle klar gefasst und als solcher wieder erkennbar. Zentral ist für Covivio, den Alexanderplatz durch die Öffnung des Gebäudes sowie die Schaffung eines gastronomischen Angebotes für alle Nutzer auch in den Außenflächen attraktiv zu gestalten und so Positives zur Aufenthaltsqualität am „Alex“ beizutragen. In der Tat passen Hochhäuser nicht an jede Stelle der Stadt, aber am „Alex“ sind sie richtig. Die Agglomeration, also das Zusammenspiel mehrerer Hochhäuser rund um das existierende Park Inn, das mit seinen 130 Metern eine klare Landmarke setzt, ist an dieser Stelle richtig. Der rund 25 Jahre alte Kollhoff-Plan für den Alexanderplatz wird intelligent weiterentwickelt. Wir befinden uns im Herzen der Stadt, der neuen und gleichermaßen historischen Mitte Berlins. Mit bester Infrastruktur, unter anderem der Shuttle-Anbindung an den zukünftigen Hauptstadtflughafen BER, entsteht hier die neue Mitte der Stadt.

Wie gestaltet man Büro-Arbeitswelten zukunftsfähig in Zeiten von Home-Office?

Weichhardt: Durch die immer schneller voranschreitende Digitalisierung in einer zunehmend komplexeren Welt werden etablierte Strukturen aufgebrochen. Dieser Transformationsprozess verändert die Anforderungen an den physischen Arbeitsplatz grundlegend. So gewinnt das mobile, ortsungebundene Arbeiten ebenso an Bedeutung wie der persönliche, optimal auf den Nutzer abgestimmte Arbeitsplatz und Gemeinschaftsräume, die zum kreativen Austausch anregen. Gewünscht werden anpassungsfähige Flächen und ein Mix aus abtrennbaren Workspaces, Meetingräumen und gemütlichen Ruhezonen. Die Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit werden fließender; dies spiegeln auch die Anforderungen der Nutzer wider.

Im Vordergrund stehen die Gemeinschaft und der gemeinsame Schaffungsprozess. Optimale Erreichbarkeit durch Zentralität und Anbindung an den Nahverkehr, volle Serviceorientierung, Zugang zu Grünflächen und eine ausgeprägte Vernetzung mit der Stadt und der Gemeinschaft.

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Blick auf den Alexanderplatz © Covivio / Sauerbruch Hutton

Weiterhin wird die Rolle des Gebäudes als soziale Plattform in Zeiten der Corona-Pandemie und mit Sicherheit auch für die Zeit danach noch bestärkt. Gerade die Community Flächen bieten Raum und Möglichkeit, Hygiene-Abstandsregelungen einzuhalten. In der Umsetzung von Projekten bedeutet dies: Multi-Site-Konzepte, mehr gemeinschaftliche und kreative Räume und damit alle Aspekte, die das Prinzip Office auch in Zukunft unverzichtbar machen. Auch große internationale Vermittler wie CBRE teilen unsere Einschätzung. Anstatt isoliert in Arbeitswelten zu denken und zu planen, müssen wir uns stärker an Lebenswelten orientieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

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