Reinickendorf

Häuser im Grünen, sportliche Füchse, Erholung am See

Gutbürgerlich wohnen die Reinickendorfer: im freistehenden Einfamilienhaus, in der komfortablen Eigentumswohnung oder in der großzügigen Mietwohnung, mit viel Grün drumherum, Wasser und Wälder sind ganz nah. Reinickendorf ist ein ländlicher Bezirk, der Richtung Berliner Zentrum aber auch quirlig und urban sein kann.

Grün, grüner, Reinickendorf: Der Charakter des Bezirks ist durch Parks, Seen und Wälder geprägt. Gut ein Drittel seiner Fläche besteht daraus. Annähernd dreihundert Hektar werden zudem landwirtschaftlich genutzt, vierzig Hektar stehen sogar unter Naturschutz. Davon profitieren nicht nur erholungssuchende Berliner, sondern auch zahlreiche Biber, die in Reinickendorf heimisch sind. Besonders beeindruckend: die in ganz Berlin bekannten und ebenfalls unter Naturschutz stehenden „Baggerberge“ – bis zu sechzig Meter hohe Sanddünen im Ortssteil Heiligensee.

Reinickendorfer Füchse

Reineke Fuchs ist die Hauptfigur eines Epos, dessen Tradition bis ins Mittelalter zurückreicht. Und im Wappen des schon immer sehr ländlichen Reinickendorfs findet sich ein großer roter Fuchs. Was liegt also näher, als den Namen der früheren Gemeinde und des heutigen Bezirks auf diesen Fuchs zurückzuführen? Das sollte man meinen, tatsächlich gründete aber wohl der niedersächsische Bauer Reinhardt im Jahr 1230 ein Dorf, das damals Reinhardts Dorf, auf Plattdeutsch Renekentorp, genannt wurde. Daraus hat sich dann der Name Reinickendorf entwickelt. Was die Bewohner aber nicht davon abgehalten hat, sich positiv auf den schlauen „Reineke Fuchs“ zu beziehen und ihn prominent in ihr Stadtwappen aufzunehmen. Bis heute stehen die Reinickendorfer zu ihrem Wappentier, ein gutes Beispiel dafür sind „Die Füchse Berlin“ – die deutschlandweit bekannte Profihandball-Abteilung des Reinickendorfer Sportvereins.

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Villen-Kolonien, Berliner Moderne und das erste Hochhaus Berlins

Nach 1920 wurden die Landgemeinden Reinickendorf, Wittenau, Tegel, Heiligensee, Hermsdorf, Lübars und Rosenthal mit mehreren Gutsbezirken zum Großbezirk Reinickendorf zusammengeschlossen. Heute wohnen mehr als 260.000 Reinickendorfer in elf Ortsteilen: Reinickendorf, Tegel, Konradshöhe, Heiligensee, Frohnau, Hermsdorf, Waidmannslust, Lübars, Wittenau, Märkisches Viertel und Borsigwalde. Durchschnittlich 2.949 Einwohnern leben pro Quadratkilometer im Bezirk Reinickendorf – das ist der drittniedrigste Wert aller Berliner Bezirke.

Reinickendorf ist einer der drei Berliner Bezirke, die bei der Verwaltungsreform im Jahr 2001 mit keinem anderen Bezirk fusioniert wurden (anders als beispielsweise Treptow-Köpenick oder Steglitz-Zehlendorf). Der im Norden Berlins gelegene und dort an den brandenburgischen Landkreis Oberhavel grenzende Bezirk geht im Osten in den Bezirk Pankow, im Süden in die Bezirke Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf über und ist im Westen von Spandau durch die sich zum See ausdehnende Havel getrennt.

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Märkisches Viertel am Abend © photowahn / Fotolia.com

Im Jahr 1999 ist der zuvor zu Wittenau gehörende Ortsteil Märkisches Viertel hinzugekommen. Er wird durch eine in den 1960er Jahren entstandene Hochhaussiedlung geprägt, in der heute mehr als 30.000 Menschen wohnen. Architektonisch interessante Siedlungen finden sich auch im Ortsteil Reinickendorf, nach dem der ganze Bezirk benannt ist: in den 1920er Jahren entstand an der Aroser Allee die „Weiße Stadt“, die im Jahr 2008 als eine von sechs Siedlungen der „Berliner Moderne“ in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen wurde. Eine weitere ehemalige Ortslage Wittenaus ist Borsigwalde, die erst im Jahr 2012 zum eigenständigen Ortsteil des Bezirks erklärt wurde. Seinen Namen verdankt der Ortsteil den Borsigwerken, die dort für ihre Arbeiter Wohnraum geschaffen haben, und das mit einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Konzept: statt der sonst für Berlin so typischen Mietskasernen, mit vielen dunklen und feuchten Hinterhöfen, wurden attraktive Klinkerbauten mit eigenen Gärten errichtet. Überragt wird das ehemalige Borsig-Werksgelände vom 1925 eröffneten Borsigturm. Und der war tatsächlich das erste Hochhaus Berlins.

Tegel: Erholung am See und Berlins beliebtester Flughafen

Sommer, Sonne, Segeln – auf dem Tegeler See: Jeder Berliner kennt und schätzt die herrliche Uferpromenade am Tegeler See, mit ihren zahlreichen Cafés und Anlegestellen für Ausflugsschiffe, die von hier aus über den Tegeler See und die Havel bis zum Wannsee und weiter zur Potsdamer Seenkette fahren. Ganz in der Nähe liegt der im Jahr 1908 eröffnete Tegeler Hafen, der seine ursprüngliche Bedeutung mit dem Rückzug der Industrie verloren hat, heute dafür aber sehr begehrte Wohnungen bietet. Noch in der Vorwendezeit entstanden dort von 1984 bis 1988 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA über 300 Wohnungen in mehrgeschossigen, postmodernen Bauten. Das Motto „Wohnen, Freizeit, Kultur am Tegeler Hafen“ trifft das Lebensgefühl am Hafenbecken mit seiner künstlich angelegten Insel hervorragend. Der Ortsteil Tegel ist auch das Shoppingzentrum von Reinickendorf: besonders beliebt sind das Einkaufszentrum an der Gorki-Straße und die Borsig-Hallen. Letztere präsentieren in einer ansprechenden Industrie-Architektur viele kleine Fachgeschäfte, trendige Boutiquen und Filialen bekannter Marken. Restaurants bieten vielfältige kulinarische Genüsse aus aller Welt.

Reinickendorf-Flughafen Reinickendorf
Flughafen Tegel © mr172 / flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0

TXL – dieses Kürzel ist nicht nur in Berlin berühmt. TXL leuchtet immer dann auf Anzeigetafeln weltweit auf, wenn es um Flüge geht, die vom Berliner Flughafen Tegel kommen oder zu ihm abfliegen. Der Flughafen wird von seinen deutschen und internationalen Fluggästen gleichermaßen für die innenstadtnahe Lage und günstige Verkehrsanbindung geschätzt.
Das Areal des heutigen Flughafen Tegel wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts militärisch genutzt. Im nach 1945 geteilten Deutschland zogen die Franzosen nach Reinickendorf. Die gesamte Gegend südlich des Kurt-Schumacher-Platzes wurde so zu einer französischen Stadt mit kulturellen Einrichtungen und Kasernen. Heute sind die Spuren dieser Zeit weitgehend verweht. Der Flughafen selbst entstand als alliierte Einrichtung während der Blockade Berlins in erstaunlichen 90 Tagen, mit der längsten Start- und Landebahn Europas. Die moderne Technik und Infrastruktur führten dazu, dass der Flughafen ab 1960 auch für die zivile Luftfahrt genutzt wurde. Das von den Architekten Gerkan, Mark und Partner zum Ausbau des Flughafens entwickelte Konzept der kurzen Wege, das ab dem Jahr 1965 zur grundlegenden Neukonzeption führte, begeistert Flugfans, und ganz besonders Geschäftsreisende aus aller Welt auch heute noch.

Obwohl schon seit der Wende 1989 der Großflughafen Berlin-Brandenburg „BER“ in der Planung ist, wurde Tegel bis heute weiter ausgebaut, um dem ständig steigenden Fluggastaufkommen gerecht zu werden. Und da derzeit nicht abzusehen ist, ob und wann der geplante BER-Hauptstadtflughafen fertig wird, dürfte TXL auch in den nächsten Jahren noch am Flugnetz bleiben. Sehr zur Freude der Fluggäste.

Frohnau: Gründerzeitwohnungen und Jugendstil-Parks

Besonders deutlich wird die gelungene Arbeit der Stadtplaner in Frohnau, das hohen Wohnansprüchen gerecht wird, und keinen Vergleich mit Zehlendorf, Wannsee oder Charlottenburg scheuen braucht. Das Frohnauer Zentrum wurde nach englischem Vorbild geplant und die Altbauten rund um den Zeltinger und Ludolfinger Platz genügen höchsten Ansprüchen. Wer hier direkt am Platz in einer großen Gründerzeitwohnung im modernisierten Altbau wohnt, der zahlt auch entsprechende Mieten oder Kaufpreise. Dafür werden die Bewohner dieser Anlagen allerdings auch mit einem unverbaubaren Blick auf die Gartenkunst des Jugendstils, zwei kastaniengesäumte Plätze, von denen die Wohnstraßen sternförmig abgehen, belohnt. Liebevoll gepflegte Rasenflächen, Rosenbeete, Wasserbecken und Springbrunnen laden dort zum Verweilen ein.

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Die Weiße Stadt in Reinickendorf © Dirk Ingo Franke (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wikipedia_knorke_reinickendorf_weisse_stadt_10.06.2012_15-55-53.jpg), „Wikipedia knorke reinickendorf weisse stadt 10.06.2012 15-55-53“, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/legalcode

Gut leben in Reinickendorf

Reinickendorf ist nicht nur über den Luftweg, sondern auch über die Straßen des Verkehrsnetzes, die Anbindung an die Autobahn A111 und die Bundesstraße 96, sowie zahlreiche S-Bahn-, U-Bahn- und Bus-Linien gut zu erreichen. Wohnen im Grünen, am See und im Naturschutzgebiet erholen, mit dem Flugzeug bequem Ziele in aller Welt erreichen oder mit dem öffentlichen Nahverkehr schnell in ganz Berlin unterwegs sein – es gibt viele Argumente, die dafür sprechen, ein Haus oder eine Wohnung in Reinickendorf zu beziehen.

Bastian Behrens

 

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