Reinickendorf

Ein Streifzug durch den Bezirk

Reinickendorf – ein Bezirk, in dem nicht nur Wälder, Seen und dörfliche Strukturen zum erholsamen Wohnen einladen, sondern auch städtisches Leben zeitgemäß interpretiert möglich ist. Ob zu Fuß, zu Wasser oder aus der Luft, Reinickendorfs Vielfalt kann man auf verschiedene Wege entdecken. Er ist einer der drei Berliner Bezirke, der bei der Verwaltungsreform von 2001 keinen Partner an die Seite gestellt bekommen hat und dies spricht für seine räumliche Ausdehnung und die Vielfältigkeit, die denjenigen erwarten, der beabsichtigt, hier heimisch zu werden. Der im Norden Berlins gelegene und dort auch am brandenburgischen Landkreis Oberhavel angrenzende Bezirk mit seinen rund 250 000 Einwohnern geht im Osten nahtlos in den Bezirk Pankow, im Süden in die Bezirke Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf über und ist im Westen von Spandau weitgehend durch die hier sich teilweise zum See ausdehnende Havel getrennt.

Gebildet durch Eingemeindung wurde der neue Bezirk mit der Entstehung Groß-Berlins im Jahre 1920 nach dem südöstlichsten der sechs zusammengefassten Dörfer und vier Gutsbezirken „Reinickendorf“ benannt. Zu den Ortsteilen Reinickendorf, Tegel, Konradshöhe, Heiligensee, Frohnau, Hermsdorf, Waidmannslust, Lübars und Wittenau ist 1999 der zuvor zu Wittenau zugehörige Ortsteil Märkisches Viertel hinzugekommen. Dieser ist maßgeblich geprägt durch die in den 60er Jahren entstandene Großraumwohnsiedlung, die noch heute bis zu 30 000 Menschen beherbergt. Architektonisch interessante Siedlungsräume finden wir auch im Ortsteil Reinickendorf, denn in den 1920er Jahren entstand hier an der Aroser Allee die sogenannte „Weiße Stadt“, die im Juli 2008 als eine von sechs Siedlungen der Berliner Moderne in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen wurde. Eine weitere ehemalige Ortslage Wittenaus ist Borsigwalde, die erst im letzten Jahr zum eigenständigen Ortsteil des Bezirks erklärt wurde. Seinen Namen verdankt er den Borsigwerken, die dort für ihre Arbeiter Wohnraum schaffen wollten, und das mit einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Konzept, nämlich keine typischen Mietskasernen mit mehreren Hinterhöfen zu bauen, sondern stattdessen attraktive Klinkerbauten mit eigenen Gärten hinter dem Haus, die man heute noch entlang der Räuschstraße entdecken kann.

Die historische Entwicklung des Bezirks spiegelt sich bis in unsere Tage in der Heterogenität des gesamten Bezirks, von typisch urbanen Strukturen, wie wir sie beispielsweise an der Residenzstraße finden, über Siedlungsgebiete in Konradshöhe und Frohnau bis hin zu ländlichen Strukturen wie in Lübars, wieder.

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Entsprechend bewegen sich die Preise für Ein-bzw. Zweifamilienhäuser zum Kauf in einfachen Lagen von 240 000 EUR bis hin zu 350 000 EUR in guter Lage, wobei durchaus auch Spitzenpreise von über 3700 EUR/m² verlangt werden. Beispielhaft für diesen Umstand ist Waidmannslust, dessen städtebauliches Bild sowohl durch Landhäuser und Villen geprägt ist als auch durch die nach dem Mauerbau entstandene „Rollberge Siedlung“ mit ihren Hochhäusern, um der damaligen Wohnungsnot zu begegnen, in der Mietwohnungen mit rund 6 EUR/m² Wfl. pro Monat veranschlagt werden.

Bekannt ist jedem Berliner die Greenwichpromenade, die Uferpromenade am Tegeler See, mit ihren Cafés und Anlegestellen für Ausflugsschiffe, die von hier aus über den See und die anschließende Havel bis zum Wannsee und zur Potsdamer Seenkette fahren. Nach nur wenigen Schritten gelangt der Spaziergänger zum 1908 eröffneten und in seiner Zeit durchaus modernen Tegeler Hafen, der zwar seine Bedeutung mit dem Rückzug industrieller Einrichtungen in der unmittelbaren Umgebung verloren, sich dafür aber, vergleichbar den Londoner Docklands, zu einer begehrten Wohnlage entwickelt hat. Noch in der Vorwendezeit entstanden dort nämlich im Zeitraum von 1984 bis 1988 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA über 300 Wohnungen in mehrgeschossigen, unterschiedlichen postmodernen Bauten unter der Federführung der Architekten Charles W. Moore, John Ruble und Buzz Yudell. Das Motto „Wohnen, Freizeit, Kultur am Tegeler Hafen“ beschreibt treffend das Leben und Lebensgefühl am Hafenbecken mit seiner künstlich angelegten Insel. Einen guten Einblick in den Tegeler Hafen und einen trockenen Übergang über das Tegeler Fließ bietet die sogenannte Sechserbrücke, wenngleich man heutzutage keinen Wegezoll dafür mehr zahlen muss, so wie den damaligen Sechser.

Tegel ist neben einigen lediglich regional bedeutungsvollen Einkaufsstraßen das Shoppingzentrum des Bezirks, sowohl mit dem inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum an der Gorki-Straße als auch den erst vor wenigen Jahren eröffneten Borsig-Hallen. Diese präsentieren in einer großzügigen Industrie-Architektur viele kleine Geschäfte und Boutiquen sowie die Filialen großer Konzerne, zudem vielfältige kulinarische sowie kulturelle Angebote und Freizeiteinrichtungen.

Möchte man hier eine Wohnung zur Miete beziehen, so muss man in Wohnanlagen durchaus bis zu 7 EUR/m² Wfl. rechnen, für Wohnungen in Ein-oder Zweifamilienhäusern sind die Preise um 25% höher. Trägt man sich mit dem Gedanken Wohnungseigentum zu erwerben, so sollte man mit mindestens 1400 EUR/m² Wfl. kalkulieren. Der Preis schwankt selbstverständlich in Abhängigkeit von Wohnungsgröße und Lage.

Positive Assoziationen verbinden sicher viele Berliner ebenfalls mit Tegel, wenn sie an den dort gelegenen Flughafen „Otto Lilienthal“ denken, der einen bis heute in den wohlverdienten Urlaub oder zu wichtigen Geschäftsterminen schickt. Doch die für die dort beheimateten Menschen negativen Assoziationen, ausgelöst durch den Fluglärm, sind auch für diese bald Geschichte. Das Areal des heutigen Flughafen Tegels wurde schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts und während der Weltkriege militärisch genutzt. Im geteilten und besetzten Deutschland nach 1945 zog die französische Schutzmacht nach Reinickendorf in den Norden Berlins. Die gesamte Gegend südlich des Kurt-Schumacher-Platzes wurde so zu einer französischen Stadt mit entsprechenden Siedlungen, kulturellen Einrichtungen und natürlich auch Kasernen. Heute sind die Spuren dieser Zeit weitgehend verweht. Der Flughafen selbst entstand als militärische, alliierte Einrichtung während der Blockade Berlins und dies in für heutige Verhältnisse nahezu unglaublichen 90 Tagen und zudem mit der längsten Start -und Landebahn auf europäischem Boden. Diese moderne Ausstattung führte dazu, dass der Flughafen ab 1960 auch für die zivile Luftfahrt genutzt wurde. Das von den Architekten Gerkan, Mark und Partner zum Ausbau des Flughafens entwickelte Konzept der kurzen Wege, das ab 1965 zur grundlegenden Neukonzeption führte, begeistert Flugfans und insbesondere Geschäftsreisende aus aller Welt auch heute noch. Obwohl schon seit der Wende 1989 der Großflughafen Berlin-Brandenburg im Gespräch und in der Planung ist, wurde Tegel bis heute weiter ausgebaut, um den Bedürfnissen eines gesteigerten Fluggastaufkommens gerecht zu bleiben. Trotz Bürgerinitiativen und Angeboten namhafter Firmen scheint die Schließung Tegels beschlossene Sache. Erst kürzlich wurde der Masterplan TXL aufgestellt, der auf dem Flughafengelände unter anderem Industrie -und Forschungsparks vorsieht.

Aber nicht nur über die Luftwege, sondern auch über die Straßen des Verkehrsnetzes und sogar unterirdisch erreicht man schnell seine Ziele. Reinickendorf verfügt durch eine gute Zugänglichkeit zu allen öffentlichen Verkehrsmitteln sowie durch die Anbindung an die A111 und die Bundesstraße 96 über eine ausgeprägte Infrastruktur.

Für die baulichen Besonderheiten Reinickendorfs ist nicht nur eine nach und nach gewachsene Struktur kennzeichnend, sondern auch an einigen Stellen eine gezielt gesetzte konzeptionelle Planung. Besonders deutlich wird das in Frohnau, das auch gehobensten Wohnansprüchen gerecht wird, dessen Zentrum die nach englischem Vorbild geplanten Anlagen des Zeltinger und Ludolfinger Platzes darstellen. Wer hier direkt am Platz zur Miete in einer mehr als 90m² großen Wohnung im modernisierten Altbau sich beheimaten möchte, muss nach dem Berliner Mietpreisspiegel mit monatlichen Quadratmeterpreisen zwischen 6 EUR und 7,70 EUR rechnen. Er hat dafür natürlich unmittelbaren Blick auf die Gartenkunst des Jugendstils, die aus zwei kastanienbesäumten Plätzen besteht, die durch eine S-Bahn-Brücke verbunden sind und von denen die Wohnstraßen sternförmig abgehen. Dort Eigentum zu erwerben kann durchaus ein größeres Portemonnaie verlangen und im Bereich einer Million liegen. Die liebevoll gepflegten Rasenflächen, Rosenbeete, Wasserbecken und Springbrunnen laden zum Verweilen ein. Wer darüber hinaus auf der Suche nach innerer Ruhe ist, muss sich nur wenige Schritte hin zum in den 1920er Jahren eingerichteten Buddhistischen Haus bewegen, in dem auch heute noch Mönche leben, arbeiten und zur Information und Meditation einladen.

Und genau wie der Buddhismus Einkehr und Ruhe, aber auch die Orientierung auf das alltägliche Leben propagiert, bietet Reinickendorf eben diese Vielfalt an Möglichkeiten, angefangen von der natürlichen Umgebung bis hin zum anziehenden urbanen Leben, die diesen Bezirk so lebenswert machen, sodass die Entscheidung, dort sesshaft zu werden, leicht positiv ausfallen kann.

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