Albert Einstein in Caputh

Einsteinhaus Totale Gartenseite
Einsteinhaus Totale Gartenseite © Hans Bach Potsdam

Architektur und Natur

Etwas versteckt liegt das Sommerhaus von Albert Einstein im kleinen Örtchen Caputh. Am östlichen Ufer des malerischen Templiner Sees gelegen, herrscht hier in den Sommermonaten pure Ferienstimmung. Einsteins Glück in Caputh war kurz aber intensiv. Es kam die Prominenz der Weimarer Republik wie Arnold Zweig, Anna Seghers, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Alfred Kerr und Max Liebermann. Und Einstein, selbst Nichtschwimmer, hatte größte Freude auf dem Wasser mit seinem Segelboot, beim Pilze sammeln in den Wäldern und beim Musizieren.

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© Oursana, Einsteinhaus Caputh, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Für diese Lebensfreude war auch Einsteins neues Domizil verantwortlich, welches selbst wie ein Ozeandampfer in den seichten Hügeln von Caputh ankerte. Es entstand 1929 nach den Plänen des jüdischen Architekten Konrad Wachsmann. Einsteins Vorstellungen und Wünsche flossen mit ein, denn es sollte ein Holzhaus mit weißen französischen Fenstern und dunkelrotem Ziegeldach sein. Nach seinen Vorstellungen wurde auch sein Schreibtisch angefertigt: 130 cm breit, 67 cm tief, 72 cm hoch. Er bot Platz für zwei Zettelkästen und eine Lampe. Mit Vorliebe stapelte Einstein seine Bücher auf dem Boden, während im Bücherregal seine Geige ihren Platz fand.

Wachsmann war keine 30 Jahre alt, als er für Albert Einstein das Sommerhaus in Caputh planen und realisieren durfte. Wie selbstverständlich steht es inmitten der herrlichen Natur mit Ausrichtung zum Templiner See. Geschützt von einem leicht bewaldeten Hügel hinter dem Haus und mit Weitblick von der großen Dachterrasse in die wunderschöne Landschaft bot sich eine idyllische Privatheit fernab der Stadtwohnung im Bayerischen Viertel.

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© Oursana, Einsteinhaus north, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Das zweigeschossige Wohnhaus in Caputh besteht aus dem L-förmigen Erdgeschoss und dem turmartigen ersten Obergeschoss mit Satteldach, welches nur einen Teil der Erdgeschossfläche einnimmt. So entsteht ein gewisses Ungleichgewicht und eine Asymmetrie, die jedoch die wunderbare Situation schafft, dass im ersten Obergeschoss eine große Dachterrasse entstehen konnte. Von hier oben bietet der rund 300 m entfernte Templiner See das schönste Panorama. An den Fassaden wurde das rotbraune Holz horizontal verarbeitet. Die Wände verfügen über eine Wärmedämmung aus Torfplatten und die Zimmerwände erhielten im Gegensatz zur Fassade und den Fluren großflächige Holzplatten.

Weiß gerahmte französische Fenster mit Fensterläden, eine geschützte Veranda als Verlängerung des Wohnzimmers, ein weißes Geländer welches hinauf zur Dachterrasse führt und das Bullaugen-Fenster sprechen sowohl eine moderne europäische Architektursprache als auch die eher phantasievolle Formensprache US-amerikanischer Landhäuser auf Long Island. Einstein war erstmals 1921 nach Amerika gereist und hielt einige Vorlesungen an der Princeton University über die Relativitätstheorie. Er war ein Star und nutzte in den USA und Europa seine Bekanntheit, um mit Spenden die Hebräische Universität in Jerusalem aufzubauen. Sie wurde am 1. April 1925 mit den drei Forschungs-Fakultäten Mikrobiologie, Chemie und Jüdische Studien eröffnet. Einstein erhielt für sein Engagement die Ehrenbürgerschaft Tel Avivs.

Architektur_Einsteinhaus_Caputh_rear_2015 Albert Einstein in Caputh
© Oursana, Einsteinhaus Caputh rear 2015, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

In Caputh fühlte sich Einstein inmitten der Natur frei. Sein Holzhaus mit dem 40 Quadratmeter großen Wohnraum und offenem Kamin versprach in erster Linie Erholung. Im Erdgeschoss hatte seine Frau Elsa ihr Zimmer, Einstein sein Arbeits- und Schlafzimmer und es gab die Küche, Diele, Bad sowie Toilette. Über die offene Treppe ging es in das Obergeschoss, wo es nochmals zwei Zimmer, ein kleines Zimmer für die Hausangestellte und eine Toilette gab. Die großzügigen Terrassen waren von Frühjahr bis in den Herbst eine reine Energiequelle für ihn. Für die ganz heißen Tage ließ sich Einstein noch eine schattige Terrasse im Souterrain mit West-Ausrichtung anlegen. Seine Frau Elsa schrieb an eine Freundin im September 1930: “Albert arbeitet wie kaum je zuvor, er strahlt u. leuchtet. Hat sich die herrlichste Theorie ausgedacht . . . Wenn sie nur wahr bleibt!!!”.

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Einsteinhaus Flur © Hans Bach Potsdam

Auf der Dachterrasse stand der gestreifte Sonnenschirm, auf der Terrasse im Erdgeschoss die Sonnenliege und gleich daneben blühten herrliche Stauden und bildeten einen Blütenteppich. Nur wenige Stufen führten in den Garten, welcher als Ziergarten angelegt wurde. Ein befestigter Weg ging hinunter in den Ort zur Anlegestelle seines Segelschiffes. Was für ein Paradies! In der Nähe des Sommerhauses stand ein Gartenhaus, das Einstein noch im November 1932 erwarb, aber nie nutzte, denn in den nächsten Wochen und Monaten sollten sich die Ereignisse überschlagen und darin ihren Höhepunkt finden, dass der Nobelpreisträger am 4. April 1933 einen Antrag auf Ausbürgerung stellte. Es begann für jüdische Intellektuelle und viele andere das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Und das Haus in Caputh? In den Nachkriegsjahren fast verfallen, wurde das einstige Sommeridyll ab 1979 instandgesetzt. Nach 1989 ging das Haus nach einem langen Restituierungsverfahren an die Hebräische Universität in Jerusalem und wird von Stipendiaten genutzt.

Carsten Schmidt

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