Lichtenberg

Kein Zentrum, aber viele Lebenswelten

Hier trifft farbenfroher Großbau auf vietnamesisches Einkaufsparadies – dem Dong Xuan Center, wechseln sich die schönsten Lost Places ab mit exotischen Tieren im Schlosspark. Die besondere Mischung von Lichtenberg machen die Bewohner, Gebäude und die Geschichte. Lichtenberg grenzt an die Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow – genauer gesagt an den Prenzlauer Berg – und an Marzahn-Hellersdorf. Im letzten Sommer wohnten circa 280.721 Menschen in Lichtenberg, denn hier kann man ganz individuell Wohnen: Gründerzeitvilla, Altbauwohnung, luxuriöser Neubau, DDR-Plattenbau Reformbauten der 1920er Jahre. 

Idyllisch mit Renovierungsbedarf

In Karlshorst sind in den letzten Jahren viele hochwertige Einfamilien- und Reihenhäuser gebaut worden und werden weitere entstehen. Aber auch viel alte Stadtvillen und Reihenhäuser bieten ein ruhiges Wohnen vor den Toren der hektischen Innenstadt. So gehört die Villenkolonie Karlshorst zu den attraktivsten Wohngegenden im Osten Berlins und gilt als das Dahlem des Ostens. Einen besonderen Lebensstil können Sie auf der Trabrennbahn Karlshorst pflegen. 

Ein weiteres interessantes Viertel ist die Waldsiedlung Wuhlheide, erbaut nach den Plänen des Architekten Peter Behrens. Hierbei handelt es sich um eine denkmalgeschützte Reihenhaussiedlung aus den 1920er Jahren, die sich rund um den Hegemeisterweg befindet – auch bekannt als Behrens-Siedlung. Die zweigeschossigen Ein- und Mehrfamilienhäuser mit Garten sind bis heute sehr beliebt. In vielen dieser Gärten stehen sogar noch Stallungen für die Kleintierhaltung.
Wohnen mit Portier oder im Altbau mit Charme

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„An der Rummelsburger Bucht ist unter Einbeziehung vorhandener Gebäude, ein begehrtes Wohngebiet entstanden.“ von Gertrud K. CC BY-NC-SA 2.0

An den Ufern des Rummelsburger Sees wo sich einst Paul und Paula ineinander verliebten, entstanden in den vergangenen Jahren hochwertige Wohnimmobilien – teilweise mit Portier. Die meisten Wohnungen haben Wasserblick und bieten ein Urlaubsfeeling mit Wohlfühlfaktor. Die Rummelsburger Bucht ist sowohl ein begehrter Wohnort als auch ein attraktives Ausflugsziel. Hier spürt man die Schnittstelle zwischen Großstadt und Natur und das Leben entschleunigt sich. Sie bietet bei Sonnenuntergang ganz großes Kino, wenn sich die erhaltenen Industrieschornsteine des Elektrizitäts- und Heizkraftwerks Klingenberg rot einfärben. Am besten lässt sich der Abend im Restaurant Hafenküche genießen. Hier können Sie mit Freunden Frisches vom Grill verzehren und auf die Liebesinsel schauen.

Nördlich der Rummelsburger Bucht liegt die Victoriastadt auch bekannt als Kaskelkiez. Hier werden Sie in eine andere Epoche versetzt, denn fast alle Gebäude aus den 1880er Jahren sind erhalten geblieben und liebevoll saniert worden. Dieser kleine Kiez muss entdeckt werden, denn er ist vollständig von Bahnlinien eingeschlossen. In der dicht bebauten Pfarrstraße stehen die meisten denkmalgeschützten Häuser des Kiezes – mit abwechslungsreichen Stuckfassaden. In den schönen Altbauten wohnen viele junge Familien und Künstler. Ein wenig erinnern die Fassaden an die Potsdamer Innenstadt. 

Etwas leichter zugänglich ist der Weitlingkiez, rund um die Weitlingstraße. Hier trifft Gründerzeit auf den Reformwohnungsbau des „Neuen Bauens“ der 1920er Jahre. Es sind ruhige Wohnstraßen mit vielen Bäumen, die im Sommer angenehmen Schatten spenden. Zu den architektonischen Höhepunkten gehört die Max-Taut-Schule am Nöldnerplatz. Taut hatte 1927 den Wettbewerb für den Neubau mit seinem Konzept: „Drei in einem“ gewonnen. Bis 1932 wurde das Bauwerk errichtet, dann im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und überdauerte 50 Jahre als Ruine. Das Architekturbüro Max Dudler rekonstruierte 2002 bis 2007 die Aula – ausgerichtet für bis zu 800 Personen – und auch die anderen Gebäudeteile wurden saniert. In diesem Teil von Lichtenberg wird Denkmalschutz ganz groß geschrieben, während die Architekturhistoriker für die Großbauten in anderen Teilen des Bezirks für deren gesellschaftliche Anerkennung kämpfen müssen. 

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So z.B. für die erste Plattenbau-Großsiedlung Ost-Berlins, entstanden in den 1970er Jahren im Ortsteil Fennpfuhl. Diese diente als „Übung“ für die späteren Siedlungen in Marzahn oder auch Hohenschönhausen. In den 1970er Jahren entstand die Großsiedlung Frankfurter Allee-Süd, darunter auch das seinerzeit mit 350 Metern längste Wohnhaus Ost-Berlins. Die meisten Großwohnbauten des Stadtteils sind modernisiert, liegen eingebettet in viel Grün und es gibt alle Dinge des täglichen Bedarfs fußläufig zu erreichen. Wer die Wurzeln der praktischen Plattenbauweise ergründen möchte, dem sei ein Besuch der Splanemann-Siedlung am südöstlichen Ende der Sewanstraße empfohlen. Hier entstanden von 1927 bis 1930 die ersten Wohngebäude in Großplattenbauweise in Deutschland. Die Platten wurden vor Ort gegossen und wenige Tage später montiert. Die ein- bis dreistöckigen Häuser wurden um einen kleingärtnerisch genutzten Innenhof gruppiert.

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Im Jahr 1821 lässt Karl von Treskow den Schlosspark zu einem Landschaftsgarten umgestalten. • © Zoo Berlin

Tiere beobachten

Zu den Highlights Lichtenbergs gehört der Tierpark Friedrichsfelde, denn er ist der flächenmäßig größte Zoo Europas. Rund um das Schloss Friedrichsfelde leben wilde Tiere aus der ganzen Welt. Auf rund 160 Hektar Fläche erstreckt sich der Landschaftstierpark mit weiten Gehegen und vielen Tierhäusern. Der Tierpark wurde im Juli 1955 eröffnet. Die Leitung übernahm der Zoologe Heinrich Dathe, der den Tierpark bis 1990 leitete und ausbaute. Zusammen mit dem Zoologischen Garten tummelt sich in den Berliner Zoos eine Artenvielfalt, die nahezu einmalig ist auf der Welt.

Natur und Architektur

Der Bezirk Lichtenberg hat viele schöne Gesichter. Es gibt zahlreiche idyllische Plätze, reizvolle Parks und Seen. Besonders hervorzuheben ist der alte Stadtpark sowie die Gebiete um den Orankesee und den Obersee. Das Strandbad Orankesee – ein populäres Sommerbad sowohl für Bewohner des Bezirks als auch für Besucher aus anderen Teilen Berlins – befindet sich in Alt-Hohenschönhausen und bietet in den Sommermonaten Schwimmvergnügen am Sandstrand, eine 52 Meter lange Wasserrutsche und einen Imbiss. Strandkörbe, Liegen und Liegestühle können ausgeliehen werden. 

Ein ruhiges Plätzchen finden Sie auch im Oberseepark. 1911 erwarb die Gemeinde das 2,4 ha große Gelände am Südufer des Obersees und begann 1913 mit der Anlage des Parks, denn die gutsituierten Bewohner der „Obersee-Landhaus-Kolonie“ verlangten nach einem kultivierten Erholungsbereich in unmittelbarer Umgebung. Formal und landschaftlich gestaltete Bereiche ergänzten einander, Aussichtspunkte, Uferwege und ein engmaschiges Wegenetz prägten das Gesamtbild. Besondere Attraktion war eine Insel, auf der ein Teehäuschen stand, das mit Gondeln zu erreichen war. Anfang der 1960er Jahre erhielt der Park eine neue landschaftliche Prägung. 

Nach dem Parkbesuch sollten Sie das Haus Lemke von Mies van der Rohe an der Oberseestraße 60 besichtigen. Das Wohnhaus entstand in Rekordzeit von August 1932 bis März 1933 und besticht durch seine Schlichtheit. Große Fenster geben den Blick in den Garten frei und das Haus wirkt heute ebenso modern wie damals. Heute dient das Haus als Ausstellungspavillon für Moderne Kunst und ist Anziehungspunkt für Liebhaber der Architektur Mies van der Rohes. 

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„Heute ist das Haus Lemke ein Architekturdenkmal und Ausstellungsraum für Moderne Kunst“ von Manfred BrückelsEigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Technikgeschichte vor Ort erleben

Im Museum Kesselhaus können sich Technikinteressierte über die 100-jährige Industriegeschichte informieren und drei Heizkesselgenerationen an ihrem originalen Einsatzort besichtigen. Auf zwei Ebenen befinden sich ein Doppelflammrohrkessel (1892), drei Schrägrohrwasserkessel (1938) und zwei Kleinwasserrohrkessel (1960).

Das Kesselhaus ist Teil der denkmalgeschützten Anlage des EV Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge. Erbaut von 1889 bis 1893 durch den damaligen Stadtbaurat Hermann Blankenstein, diente es über 100 Jahre zur Versorgung des gesamten Komplexes mit Heizwärme und Warmwasser. 1986 wurde das Krankenhaus an die Fernwärmeversorgung angeschlossen. Das Kesselhaus diente noch einige Jahre als Reserve. 1991 wurde der letzte Kessel stillgelegt. Im Mai 2000 wurde die Sanierung gestartet und am „Tag des offenen Denkmals“ 2003 wurde das Haus feierlich seiner neuen Bestimmung übergeben. 

Nur einen Katzensprung entfernt ist das Don Xuan Center – Berlins größter Asiamarkt. Viele Kunden gehören zur vietnamesischen Gemeinde Berlins, für sie sind die Markthallen ein Stück Heimat geworden. Hier geht man zum Frisör, trifft sich mit Freunden und trinkt gemeinsam Tee. Immer öfter wird der Besuch des Marktes fester Bestandteil touristischer Sightseeing-Touren. Und an den Wochenenden kommen Asien-Fans für ein „fast originales vietnamesisches Erlebnis”. Darüber hinaus hat sich der Markt zu einer festen Anlaufstelle für einen wachsenden Händlerstamm aus ganz Deutschland und europäischen Nachbarländern entwickelt. 

Lichtenberg, der Bezirk wo sich Paul und Paula liebten und  Dr. Dathe die Tierwelt erklärte, ist immer einen Besuch wert. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen unter freiem Himmel. Und wenn Sie den Großstadttrubel vermissen, sind Sie Dank S-Bahn, U-Bahn und Busslinien schnell in der Innenstadt.

Dr. Carsten Schmidt 

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