Sonne satt und Perlen am Ufer

Das Seeschlösschen am Müggelsee damals und heute

Der Müggelsee besitzt eine perfekte Form, denn sein natürliches Oval schafft die ideale Vorrausetzung dafür, dass am östlichen Ufer die Sonne aufgeht und im Westen untergeht. Entlang der nördlichen Uferlinie reihen sich die Grundstücke wie glänzende Perlen aneinander. Dahinter schaffen gemischte Wälder eine natürliche Kulisse, die mit den Jahreszeiten ihre Farbstimmung verändert.

Am nördlichen Müggelsee-Ufer liegt Friedrichshagen. Ein Sehnsuchtsort für gestresste Großstädter. Bereits um 1900 pilgerten an den Wochenenden tausende Ausflügler, Sonnenanbeter und Badegäste in diese beschauliche und ländliche Idylle. Sie suchten Erholung von der Arbeit, einen malerischen Weitblick und Spaß am Wasser. Das Glück für wenige Stunden sollte in Erfüllung gehen, denn findige Gastronomen erkannten die Qualitäten der grünen Lage und die Aura des Sees. Die frische Luft war kostenlos, während die Wirtshäuser in den Sommermonaten ein gutes Geschäft machten.

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Seehäuser und Parkanlage damals © KAB GmbH

Bereits um 1890 gab es in Friedrichshagen um die 65 Ausflugslokale und Gaststätten. Dazu zählten die kleinen Lokale ebenso wie die großen Biergärten unmittelbar am Ufer des Müggelsees. In den Wintermonaten kamen vor allem Einheimische, während in den Sommermonaten die Tagesgäste zu den wichtigsten Personenkreisen zählten. In lockerer Atmosphäre saßen Wilmersdorfer neben Bewohnern aus dem Prenzlauer Berg. Es ging unterhaltsam und lustig zu. Dafür sorgten die Gastronomen mit Tanzveranstaltungen und Spieleabenden. Und der Blick über den See ließ den Alltag vergessen.

Womöglich lag einem interessierten Berliner vor seinem ersten Müggelsee-Besuch die Karte Oberspree von 1918 vor und er plante einen Tagesausflug in diese reizvolle Gegend. Von Rahnsdorf kommend gab es am östlichen Müggelseeufer nach der Rahnsdorfer Mühle das Freibad Müggelsee. Etwas weiter kam die Landesanstalt für Binnenfischerei und anschließend das Restaurant Seeschloß. Es gehörte bereits um 1900 zu den noblen Etablissements im Müggelseegebiet, denn in herrlicher Lage, am östlichen Rand von Friedrichshagen, an Wald und unmittelbar am See gelegen, war das Lokal bereits eines der größten und beliebtesten gastronomischen Ausflugsziele.

Im Restaurant Seeschloß konnten die Gäste deftiges Essen und als Erfrischung bayerisches Spatenbräu oder helles Bockbier genießen. Es fanden Familien-Tanzkränchen im großen Tanzsaal, Konzerte mit Land- und Wasserfeuerwerke an der Dampferanlegestelle statt. Auch gab es Zimmer für Übernachtungsgäste. In der Karte von 1918 sind bereits mehrere Routen über den Müggelsee zum Restaurant Seeschloß einzeichnet. Es schlossen westlich das Restaurant Wilhelmsbad, das Gemeindebad und das Restaurant Bad Bellevue sowie der Müggelpark an. In diesem Bereich beginnt die Müggelspree mit dem Wirtshaus Müggelschlößchen mitsamt Steganlage. Entlang der Müggelspree gab es das Wirtshaus Neu-Ahlbeck, den Yachtklub Müggelsee, die Müggelwerft und diverse Ruderklubs.

In den 1920er Jahren war Friedrichshagen mit dem Bahnhof ideal für Tagesausflügler geeignet, denn nur wenige Schritte waren es bis zum Ufer des Müggelsees. Und das Restaurant Seeschloß setzte auf Gäste von der Land- und Wasserseite. Im Jahr 1921 übernahm Curt Schmidt das Seeschloß. Er entstammte einer Berliner Gaststätten-Dynastie und realisierte bis 1929 seine Vision von einem vornehmen Ausflugs-Etablissement. Das Hotel-Restaurant erhielt repräsentative Anbauten und eine zielgerichtete Vermarktung sorgte für eine hohe Bekanntheit des Seeschlößchens, denn immerhin gab es starke Konkurrenz am Wannsee, Tegeler See und entlang der Havel. Das Seeschlößchen am Müggelsee warb mit einer Bewirtung für 600 Personen, großem Parkettsaal, parkartigem Garten und vorzüglicher Küche. Und der Tennis-Club Friedrichshagen lud im Juni 1923 zum Sommerfest in den jetzt als Hotel Seeschlösschen firmierten Amüsiertempel.

Im Jahr 1930 übernahm Gerhard Blaurock das mittlerweile großzügige Anwesen. Unmittelbar vom Müggelsee aus konnten Segler und Freizeitkapitäne an der großen Steganlage festmachen. Vom Wasser aus bot das Gebäudeensemble mit Gartenterrassen und Freilichtbühne einen malerischen Anblick. Auf dem Wasser war ein Schiff mit dem Banner Seeschlösschen platziert, damit Kapitäne hier Pause machen. Die eleganten Gebäude mit großen Fensterflächen und erhöhten Terrassen wurden von Wiesen und alten Bäumen eingefasst.

Auf den angrenzenden Grundstücken waren die Ufer von Trauerweiden gesäumt, die ihre schmalen Blätter in den See tauchten. Blaurock starb 1934 im Alter von 36 Jahren und anschließend wurde das Ensemble versteigert. Der neue Besitzer, die Commerz- und Privatbank e.V. Berlin, nutzte das ehemalige Ausflugslokal mit Hotelbetrieb als Sport- und Erholungsheim für die Kameradschaft der Arbeit in der Bank. Ab 1941 diente das Gebäudeensemble als Genesungsheim für Soldaten, während nach dem Zweiten Weltkrieg der Frauenarzt Dr. Wilhelm Rust in dem ehemaligen Restaurant-Hotelbetrieb eine Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe einrichtete. Im Sanatorium am Müggelsee praktizierte Rust bis 1951. Ab 1954 wurde das Seeschlösschen zum Gästehaus des Zentralkomitees der SED, was bis 1989 dazu führte, dass nur ausgewählte Gäste das Anwesen betreten konnten.

Bis 1989 wurden die Gebäude und Außenanlagen entsprechend dem Zeitgeschmack und den staatlichen Repräsentationswünschen angepasst. Dabei ging das Flair der 1920er Jahre verloren. Trotzdem übernahm 1990 die Belvedere Hotelgesellschaft das Anwesen und führte unter dem Namen Seehotel Friedrichshagen das Restaurant und Hotel in bevorzugter Lage weiter. Es gab eine große Steganlage, die Gebäude wurden hergerichtet und die Gäste konnten den Seeblick genießen. Zwischen See und Grundstück grenzte eine Mauer die Elemente Wasser und Erde voneinander ab. Jedoch sollte es viele Jahre nicht gelingen, an die einstige Bekanntheit anzuknüpfen.

Trotz der ungeahnten Hürden und Schwierigkeiten konnte der heutige Investor das Grundstück 2005 erwerben, da der Voreigentümer, der das Grundstück von der Treuhand erwarb, resigniert aufgegeben hatte. Nun hat der Investor alles dafür gegeben, den alten Glanz des Grundstücks wieder aufleben zu lassen und dies seit nunmehr 15 Jahren. Zur größten Herausforderung gehört die Wiederherstellung der Steganlage. Diese Hürde ist für den Investor mit der Einordnung eines Grundstücks und des Müggelsees als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet nahezu unüberwindbar geworden. In einem nunmehr seit 8 Jahren andauernden Verfahren vor Behörden und Gerichten gab es nur zwischenzeitlich einen Lichtschein im Kampf um die Erhaltung der sanierten Steganlage. 2015 einigten sich die Beteiligten in einem Mediationsverfahren vor dem Verwaltungsgericht Berlin, auf den Rückbau der Ufermauer, der Pflanzung eines Schilfgürtels und eine Begrenzung auf 18 Liegeplätze.

Diesem Kompromiss traten alle Behörden und der Investor bei. Nur der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. waren diese Kompromisse im Jahre 2016 viel zu überzogen. Die Naturschutzverbände sind im Bezug auf Liegeplätze am Müggelsee kompromisslos. Es darf keine Steganlagen mehr geben, auch wenn es an der Stelle der Müggelsee-Residenzen Berlin immer eine Steganlage gab. 60 Bewohner der Müggelsee-Residenzen Berlin sind keine Öffentlichkeit für die Umweltverbände und deshalb nicht zu beachten. Eine Steganlage an dieser Stelle verstößt gegen Europäisches Naturrecht.

Das Oberlandesgericht Berlin-Brandenburg hat in seinem Beschluss vom Januar 2020 unter anderem festgestellt, dass der Steg, die vor dem Grundstück im Müggelsee errichtete Plattform untrennbarer Bestandteil des Grundstücks „Müggelseedamm 288-298“ sind. Auf dieser Grundlage kämpft der Investor weiter um seine Steganlage.

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Die anhängigen Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht Berlin und dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg dauern noch an. Noch sind nicht alle Rechtsmittel erschöpft und der Investor hofft noch immer auf einen einvernehmlichen Kompromiss mit allen Beteiligten.

Quelle: Katrin Brandel und Aribert Giesche: Lokaltermin in Friedrichshagen, Von Gasthäusern und Kneipen am Rande Berlins.

KAB GmbH / EXKLUSIV


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