Fischerkietz

Köpenick mal ohne Hauptmann und Altstadt

Es ist kein Schreibfehler! Der Fischerkietz wird tatsächlich mit tz geschrieben. Warum das so ist? Laut Überlieferungen gibt es den Fischerkietz seit dem 13. Jahrhundert. Es war eine slawische Fischersiedlung, die 1375 als Kytz erwähnt wurde. Fest steht auch, dass im Jahr 1898 der “Kietz” in die Stadt Köpenick eingemeindet wurde. Kommen Sie also mit in den Fischerkietz mit seinen 200 Jahre alten Häusern und seiner beschaulichen Ruhe!

Architektur_Fischerkietz_Frauentog_-_Kietz_-_Berlin-Koep_Juli_2013_-_1339-1219-120 Fischerkietz
© Lotse / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de, Frauentog – Kietz – Berlin-Koep Juli 2013 – 1339-1219-120, CC BY-SA 3.0

Vom Gebiet “Kietz”…

An der Stelle des heutigen Schloss Köpenick stand im Mittelalter eine slawische Burg. Unmittelbar nördlich der Burg schloss eine Siedlung mit Häusern, Markt und Friedhof an – die heutige Altstadt Köpenick. Sie war nur östlich über das Festland zu betreten. Zusätzlich gab es zwei Überfahrten über die Dahme und Spree, so zumindest um 1300. Außerhalb dieser Siedlung existierte ein Gebiet welches als “Kietz” bezeichnet wurde. Es befindet sich unmittelbar an der Dahme, die östlich von der damaligen Burg und dem heutigen Schloss Köpenick eine Bucht bildet.

An der Stelle des heutigen Schloss Köpenick stand im Mittelalter eine slawische Burg

Nachweislich ist auf einer historischen Karte von 1871 die Gegend östlich des heutigen Schlosses Köpenick als “Kietz” bezeichnet. Südlich davon schließt “Das Kietzer Feld” an. Eine weitere Karte von 1776 bezeichnet die heutige Baumgarteninsel ebenso wie das heutige Krusenick als “Kietzer Wiesen”. Somit ist die Bezeichnung “Kietz” ein historischer Begriff und aufs Engste mit Köpenick verbunden.

…zur Straße “Kietz”

Der eigentliche “Kietz” umfasste im Jahr 1776 eine schmale Straße mit weniger als 20 Häusern deren Gärten zur Dahme lagen und auf der anderen Straßenseite standen nochmals um die 15 Häuser. Ein neu angelegter Graben trennte den “Kietz” von Köpenick. Im Jahr 1840 bestand der “Kietz” aus 37 Wohnhäusern. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten hier 415 Personen.

Architektur_Fischerkietz_Seitengebaeude_im_Koepenicker_Kietz-203x300 Fischerkietz
© —Ulrich Waack (Diskussion) 21:57, 1. Mär. 2013 (CET), Seitengebäude im Köpenicker Kietz, CC BY-SA 3.0 DE

Heute stehen an der Straße namens “Kietz” viele der kleinen alten Häuser. Sie wurden in den 1990er Jahren denkmalgerecht saniert, erstrahlen im neuen Glanz und überraschen mit einer freundlich heiteren Farbigkeit. Die ältesten Häuser sind um 1780 oder 1800 entstanden. Es sind eingeschossige Wohnhäuser mit Satteldach, die teilweise mit ihren schlichten Fassaden an die Weberhäuser in Potsdam-Babelsberg erinnern. Einige von ihnen erhielten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine weitere Etage und das Dach wurde ausgebaut. Dazwischen ragen auch größere Wohnhäuser empor, die den Wandel der Gründerzeit zeigen und trotzdem der Idylle zuträglich sind. Parallel zur Straße “Kietz” verläuft die Gartenstraße. Hier siedelten sich im 19. Jahrhundert Handwerker an.

Das malerische Straßenbild muss im Mittelalter etwas ungeordneter und rauer ausgesehen haben. Romantische Vorstellungen sind hier eher fehl am Platz. Die Menschen mussten von der Fischerei leben – also dem Fang und der anschließenden Verarbeitung sowie Konservierung.

Architektur_Fischerkietz_Koepenicker_Kietz_Modell_2013-1369-1249-120-300x138 Fischerkietz
© Lotse / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de, Koepenicker Kietz Modell 2013 – 1369-1249-120, CC BY-SA 3.0

Es gab schmale Gassen zwischen den Häusern, damit auch die Bewohner der Häuser auf der wasserabgewandten Seite die Fischerei ausüben konnten. Zudem gehörten zum Kietz Wiesen, die ebenfalls bewirtschaftet werden mussten. Es war ein hartes und entbehrungsreiches Leben. Nichts ist zu den Aspekten Schule bzw. Bildung und Religion überliefert.

Noch heute führen kleine Gassen bis an die Ufer der Dahme und Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Seit vielen Jahren findet der Kietzer Sommer statt. An einem Tag im Juni öffnen die Anwohner ihre Höfe und Besucher können Kunst und Kultur genießen. Nun kommt doch die Altstadt Köpenick ins Spiel, denn sie ist vom Fischerkietz aus schnell erreicht und immer ein Besuch wert.

Dr. Carsten Schmidt

Tags from the story
,