Arena Berlin

Raum, Raum, Raum

Die Arena Berlin zeigt seit vielen Jahren eindrucksvoll, dass großflächige Areale mit historischer Industriearchitektur niemals aus der Mode kommen.

Im Frühsommer kann man im Badeschiff ruhig seine Bahnen ziehen und am Wochenende brummen die Bässe im Club. Das Areal am westlichen Spreeufer – gelegen zwischen Elsenbrücke und Oberbaumbrücke – wird vom silbernen Molecule Man beschützt. Es gibt insgesamt sieben Bereiche, die sich architektonisch voneinander unterscheiden: Es ist eine Kollage aus unterschiedlich hohen Gebäuden, die jedoch eines verbindet und zwar sind sie Orte der Begegnung.

Das Herzstück bildet die circa 6.500 Quadratmeter überspannende Halle – sie ist 100 Meter lang und 70 Meter breit. Eisen, Backstein und Glas sind die drei Werkstoffe, aus denen der Architekt Franz Ahrens in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre die seinerzeit größte freitragende Halle Europas schuf. In den höchsten Stellen ist der Raum 13 Meter hoch. Als Begründung für den stützenfreien Raum wurde die schnelle effiziente Beweglichkeit der Omnibusse angeführt, denn Auftraggeber war die Allgemeine Berliner Omnibus AG, die dringend Platz für 240 Busse benötigte. Zuvor befand sich auf dem Grundstück eine Gießerei der Firma Beermann und auf der gegenüberliegenden Uferseite der Osthafen – der wichtigste Umschlagplatz für Waren, die ins Stadtzentrum geliefert werden mussten.

Der nördlichste Zipfel von Treptow-Köpenick an der Grenze zu Friedrichshain, Kreuzbergund Neukölln ist seit jeher eine Gegend des Wandels, denn die wachsende Einwohnerzahl Berlins beschleunigte die Neuansiedlung von Unternehmen und den Ausbau der Infrastrukturen. Dies zeigte sich auch darin, dass die Allgemeine Berliner Omnibus AG im Jahr 1928 bereits 580 Omnibusse und 4.350 Beschäftigte hatte, von denen ein Großteil ab 1928 in der neuen Halle am Spreeufer arbeiteten. Zur Eichenstraße wird die Halle von einem viergeschossigen Verwaltungsgebäude mit Büros, Werkstätten und Wohnungen flankiert. Das rote Backsteingebäude, mit großen Atelierfenstern und dezentem Fassadenschmuck, ist ebenso lang wie die Halle. Zwischen dem aufstrebenden Verwaltungsgebäude und der breit gelagerten Halle befand sich die Einfahrt für die Omnibusse. Die eigentliche Fassade der Halle besteht aus fünf großen Torausfahrten. Im unteren Bereich wählte der Architekt eine symmetrische Formensprache, denn zwischen den Toren platzierte der Architekt jeweils zwei schmale Fenster, während das Dach zum Wasser abfällt und somit einen gestalterischen Spannungsbogen bildet. Das Bogenfeld wurde vollflächig mit kleinen Fenstern verglast. Auf der Gebäuderückseite wurde der Bogen gleichförmig ausgebildet, während die Tore unterschiedlich angeordnet sind.

Bis 1933 wurde die Halle als Busdepot und im Zweiten Weltkrieg als Waffenlager genutzt. Nach dem Krieg wurden Flüchtlinge untergebracht und später diente die Halle erneut als Busdepot der BVG. Nach der Wiedervereinigung zog die BVG aus, der Denkmalstatus wurde dem Gebäude verliehen und ein neuer Träger übernahm 1995 das Areal, was nun für Kunst und Kultur genutzt wurde. Nach 72 Jahren ließ man das Gebäude umfangreich sanieren, was jedoch so raffiniert gelungen ist, dass es nicht auffällt. Aber in der Tat baute man in die Oberlichtraupen Photovoltaikelemente ein und Fassaden und Dächer erhielten eine hocheffiziente Dämmung. Darüber hinaus wurde eine neuartige Klappenkonstruktion zur kompletten Verdunkelung entwickelt. So präsentiert sich das Industriedenkmal heute als multifunktional nutzbare Veranstaltungshalle mit urbanem Charme. Und wie vor 90 Jahren stehen am Eingang die massiven Klinkerblöcke mit figurativen Plastiken des Bildhauers Arminius Hasemann.

Zur Arena Berlin gehört das Glashaus, was eine ehemalige Dreherei war. Die verglaste Fassade zeigt zur Spree, so dass man einen freien Blick aufs Wasser genießen kann. Auf dem Wasser liegt das Badeschiff: In einem ehemaligen Containerschiff wurde ein Pool eingebaut. Der Pool hat eine Tiefe von 2,08 Metern und wurde von AMP Arquitectos, Wilk-Salinas Architekten und der Künstlerin Susanne Lorenz projektiert. Der schwimmende Pool ist seit 2004 Teil des Konzeptes und eine der außergewöhnlichsten Badestellen Europas. Er ist über einen Holzsteg mit dem Ufer verbunden, wo man seine Füße in den feinkörnigen Sand vergraben kann. Auf dem Gelände gibt es noch das ehemalige Kesselhaus, was als Arena Club für Techno-Partys genutzt wird, und die Escobar.

Die Arena Berlin ist einer der größten Veranstaltungsorte an der Spree. In den Sommermonaten ist das Badeschiff ein beliebter Treffpunkt. Als nachhaltig saniertes Industriedenkmal ist die ehemalige Omnibushalle eine gelungene Synthese aus industrieller Architektur der 1920er Jahre und moderner Eventkultur.

Dr. Carsten Schmidt

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