Am Lokdepot: Anregendes Rot im grauen Berlin

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Natürlich mit Balkon © Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH

Die Moderne wehrte sich gegen die romantischen Schnörkel der Altbauten und brachte kubische Baukörper in die Städte. Dazu kam der weitgehende Verzicht auf Farbe. Glasfassaden in sichtbaren und unsichtbaren Metallrahmen spiegeln lediglich die Umwelt und roher Sichtbeton sorgt für nüchterne Stabilität. Das GSW-Hochhaus brachte erstmals Rotnuancen nach Berlin-Mitte und am Südkreuz erstrahlt jetzt der Neubau Am Lokdepot in einem Kaminrot, denn westlich der Monumentenstraße in Berlin-Schöneberg wurde mit Farbe und Formen experimentiert. Die Wohnbauten sind Teil der städtebaulichen Konversion eines Bahngeländes am südlichen Ende des Parks am Gleisdreieck. 

Die post-industrielle Romantik erhält ein neues Gesicht

Statt einer belanglosen Discounter-Box, wie es 2006 der Plan war, nahmen die Architekten Nils Buschmann und Tom Friedrich vom Büro Robertneun die Herausforderung an und bis 2014 waren drei Häuser fertig. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen und die sukzessive Vervollständigung der architektonischen Vision, denn es sind 16 Einzelgebäude auf einem gemeinsamen Sockel.

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Am Lokdepot © Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH

Hier an der Monumentenstraße ist die Stadt sowohl im Terrain als auch städtebaulich zerklüftet. Dieses Gebiet lebt von Gegensätzen und Unvollendung, seien es die abrupt endenden Gründerzeitbauten an der Eylauer Straße als auch die teilweise ungenutzten Gleisanlagen unmittelbar vor der Häuserfront. Das Straßenniveau von der Monumentenstraße zur kurzen Gasse Am Lokdepot fällt bis zu sieben Meter ab. Dieser Geländeeinschnitt wird jetzt von einem zweigeschossigen Sockelgeschoss gefüllt, damit auf dieser Basis insgesamt sukzessive 16 zusammenhängende Gebäude errichtet werden können – davon wurden vom Büro Robertneun 7 geplant und realisiert und der Rest vereinfachter ausgeführt. 

Farbe und Form bilden spannende Schatten auf der Fassade

In einem ersten Schritt entstanden auf dem Sockel drei Wohnhaustypen in einem Rasterformat. Ein Haus folgt dem Typ Loft, ein anderer Typ setzt auf Außenraum mit zwei Balkonen und einem „Gewächshaus“ mit 4,5m Raumhöhe pro Wohneinheit und der dritte Typ basiert auf der Idee des Maisonettes. In Berlin sind neue Wohnkonzepte – jenseits von Microapartments – gefragter denn je. Das Gebäude ist kein längsrechteckiger Riegel, sondern ein geschwungenes Band, dass sich hervorragend in das Stadtbild integriert. Spektakulär muten die Fassaden an: lange Loggien, weit auskragende Balkone und geschossübergreifende Erker geben dem Gebäude einen ungewöhnlichen Rhythmus. Es entstehen spannende Schatten auf der Fassade, die die formale Lebendigkeit des Neubaus nochmals betonen. Dazu variieren die Flachdächer und betonen somit jeden einzelnen Baukörper.

Vom Zug aus wird nur der rote Baukörper wahrgenommen, jedoch von der Nähe betrachtet gibt es rot eingefärbten Sichtbeton, rote Ziegeln, rot beschichtete Fensterrahmen, Aluminium-Raffstore und rot lackierte Metallteile: Balkone, Geländer, Treppenhaus usw.. Dabei geht es den Architekten darum, die in der Umgebung vorhandenen Rottöne aufzunehmen und in neues Stück Stadt zu übertragen. Jedes Haus wurde nach dem sogenannten Energiestandard Kfw 70 errichtet, was heißt, dass der Jahres-Primärenergiebedarf lediglich 70 Prozent des Energiebedarfs eines vergleichbaren Neubaus beträgt. Wärmeerzeuger für Heizung und Warmwasser der Wohnhäuser ist ein Biogas-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Kraft-Wärmekopplung als Energieträger. Die einzelnen Wohnungen sind mit elektronisch regelbaren Fußbodenheizungen ausgestattet. Eine Speicherung der analog erzeugten Wärme für das Warmwasser leistet ein bivalenter Trinkwasserspeicher, der über zwei integrierte Wärmeüberträger verfügt.

Zentral gelegen unweit des Potsdamer Platzes 

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Blick auf den Potsdamer Platz © Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH

Für den Entwurf des städtebaulich hoch interessanten Gebäudeensembles Am Lokdepot setzten die Architekten von Robertneun auf eine Neuinterpretation einer industriellen Ästhetik. Am Lokdepot versucht aus dem spezifischen Fundus des Gefundenen heraus neue architektonische und städtebauliche Impulse zu geben. Aus der Bahnbrache wurde ein aufregendes Bauprojekt, dass durch die Verbindung zum Stadtraum noch an Attraktivität gewinnt. Bis vor das Gebäude zieht sich der Flaschenhalspark, als Ende des öffentlichen Grünzuges vom Potsdamer Platz bis zum Lokdepot. Das Ensemble ist ein signifikanter Beitrag zum neuen Wohnen und Wohlfühlen in Berlin.

Dr. Carsten Schmidt

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