Schloßstraße 92

Wohn- und Geschäftshaus in Berlin-Steglitz

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Schloßstraße 92, Eingang © Markus Löffelhardt

Wenn es die Metapher vom „schmalen Handtuch“ nicht schon gäbe, müsste man sie spätestens jetzt erfinden. Eine 13 m schmale und über 80 m tiefe Baulücke in der Steglitzer Schloßstraße 92 war nicht nur für die Baustellenlogistik eine große Herausforderung, sondern auch für den Entwurf des neuen Wohn- und Geschäftshauses mit 12 Wohnungen und einer großen Einzelhandelsfläche. Der flache Nachkriegszweckbau wurde abgebrochen und mit Hilfe einer kooperativen Planungsbehörde konnte auf engstem Raum ein Vorderhaus mit 6 Wohnungen und ein Gartenhaus mit weiteren 6 Wohnungen errichtet werden. Die zweigeschossige Einzelhandelsfläche im Erd- und Untergeschoss trägt zur Stärkung des Geschäftslebens in der beliebten Steglitzer Einkaufsstraße bei. Eine bekannte Einzelhandelskette hatte sich bereits kurz nach Planungsbeginn die Flächen gesichert.

Das viergeschossige Vorderhaus schließt die Lücke unter Bezugnahme auf die vorhandenen Altbauten. Oberhalb der Traufe wurde ein Dachgeschoss mit geneigtem Ziegeldach errichtet. Die Straßenfassade wurde streng und symmetrisch gegliedert. Um ihr die gewünschte Plastizität zu verleihen, wurde die Mittelachse vom 1. bis zum 3. Obergeschoss durch einen 4-achsigen Erker betont. Die vertikalbetonte filigrane Natursteinfassade wurde aus Waldenbucher Sandstein gefertigt – ein Material, das auch am Kölner Dom, am Münchner Rathaus und am Schloss Neuschwanstein eingesetzt wurde. Die größten der über 800 Werkstücke sind die profilierten Lisenen mit einem Gewicht von ca. 250 kg.

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Schloßstraße 92, Hausflur © Markus Löffelhardt

Die hellen Hoffassaden wurden in Putz ausgeführt und durch feine Gurtgesimse und Fensterfaschen zurückhaltend gegliedert. Durch die sorgfältige Detaillierung sämtlicher Bauteile und die Wahl weniger hochwertiger Materialien entstand ein besonders einheitlicher und wertvoller Gesamteindruck.

Die Wohnungsgrößen der 2- bis 4- Zimmer Mietwohnungen variieren zwischen 55 m² und 123 m². Das Erdgeschoss wurde eingeschossig in den Hof verlängert und erhielt auf dem Dach der Ladenfläche einen großen Dachgarten für die Bewohner.

Als weitere Lückenschließung im ruhigen hinteren Grundstückbereich wurde das fünfgeschossige Gartenhaus errichtet. Dieses verfügt je Etage über eine Wohnung. Die Erschließung erfolgt über Durchgänge im Vorderhaus.

Die Architektur des Büros Patzschke, das auch das 1998 neu errichtete Hotel Adlon entwarf, galt lange als umstritten; mittlerweile betrachtet man sie dagegen als stilprägend. Vieles, was heute ganz selbstverständlich erscheint, wie z.B. der Stadtschlossaufbau, schien vorher undenkbar und ist nun Realität geworden. Über hundert Gebäude hat das Büro in den letzten fünf Jahrzehnten in Berlin gebaut. Diese prägen durch klassische Bezüge mit dezenter Selbstverständlichkeit das Berliner Stadtbild.

Michael Mohn

Typologie:

  • Wohnen und Einzelhandel
  • 3.100 m² Bruttogeschossfläche, Schloßstraße 92, Berlin-Steglitz
  • Bauherr: D&R Investments, NL
  • Architekt: Patzschke PlanungsGmbH
  • Fertigstellung: 2020