Das Glienicker Schloss

Weltkulturerbe mit verspieltem Baustil und italienischem Flair

Seit 1990 zählt das Schloss Glienicke und der dazugehörende Landschaftspark zum Weltkulturerbe der UNESCO. Carl von Preußen (1801–1883) war begeistert von der Antike und Italien. Als der Sohn von Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) und Königin Luise (1775–1810) das Gut Glienicke 1824 von Fürst Hardenberg erwarb, hatte er einen Traum von einer italienischen Villa, somit beauftragte er Karl Friedrich Schinkel und Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné, um diesen zu verwirklichen. Die Villa Medici diente hierfür als Vorbild für Schloss Glienicke.

Die Grundsteinlegung für das heutige Schloss Glienicke erfolgte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts durch den Berliner Arzt Johann Jakob Mirow (1700–1776). Der Leiter eines ehemaligen Jagdschlosses erwarb 1747 ein weiter nördlich gelegenes Gelände. Dort ließ er eine Ziegelei und ein Gutshaus errichten, das in den damaligen Dokumenten schon als Schloss betitelt wurde und das Kernstück des heutigen Anwesens Glienicke ist. Aus finanziellen Gründen musste Mirow 1764 das Anwesen zur Versteigerung frei geben. Im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte wechselte die Gutsanlage mehrmals den Besitzer.

Unter dem Besitz von Carl Heinrich August Graf von Lindenau 1786 unterzog sich das Anwesen zahlreicher Umgestaltungen, die bis 1806 andauerten. Die architektonische Gartenanlage wertet das Gebäude zum herrschaftlichen Landsitz auf. Zusätzlich erweiterte er das Gelände mit dem Bau eines Wirtschaftsgebäudes mit Pferdestall und einer Wagenremise.

Prinz Carl von Preußen entwickelte schon in seiner Kindheit eine große Leidenschaft für die Antike und italienische Architektur. Mit dem Erwerb des Gutshauses in Glienicke stand für ihn fest, sich seinen „Traum von Italien“ in Berlin mit direktem Blick auf die Havel zu verwirklichen. Schinkel gestaltete das Landhaus zu einer klassischen Villa um. Zahlreiche Souvenirs schmückten die Gartenanlage und verzierten den Brunnen mit goldenen Löwenfiguren. Insgesamt überquerte Prinz Carl die Alpen elfmal, um seine Entdeckungen in sein Schloss einzubringen. Aus Karthago z. B. mitgebrachte Mosaiken, die den Fußboden der „Kleinen Neugierde“ im Park veredelten. Im Vorhof die berühmte Säule mit dem Löwen aus Venedig von San Marco. Die Räume im Schloss Glienicke sind teilweise mit Einzelstücken von Schinkel ausgestattet und verleihen dem Ganzen eine einzigartige Atmosphäre.

Im Gutshaus führte Schinkel in Hardenbergs Auftrag die unter Rosentreter begonnenen Umbaumaßnahmen fort, indem er auf der Südseite, wie bereits auf der Westseite geschehen, die Betonung auf das Mittelteil legte. Dem Erdgeschoss wurde ein kreisförmiger Anbau vorgesetzt, dem Obergeschoss eine leicht in das Gebäude gezogene, apsidenförmige Nische, das ermöglichte den Bau eines fast kreisförmigen Balkons. Mit der Herausnahme von Querwänden entstand im Erdgeschoss des Südflügels ein völlig neuer, dreiteiliger Raum. Im Winter 1816 kamen die Bauarbeiten zum Abschluss.

Die Schinkel´sche Gestaltung des Eingangsbereiches, zum zwei Stufen tiefer liegenden Gartensaals, ist noch aus der Zeit von Prinz Carl erhalten. Weiße Marmorsäulen umrahmen die massive, zweiflügelige Eichenholztür. Quadratische, dreieckige und rundgeformte weiße und braunrote Steinplatten verzieren den Fußboden des Gartensaals. Ein knapper Quadratmeter im Mittelfeld des Raums zeigt eine Fläche auf, die Umrisse einer geflügelten Frau mit einer Wasserkanne andeuten.

Umbauarbeiten an der Fassade gaben dem Nebengebäude die einfache Art italienischer Häuser. Walmdach aus Zinkblech, Fensteröffnungen mit Fensterläden und einer flach gedeckten Pergola mit massiven Pfeilern wurden teil des „neuen“ Kavaliergebäudes, wie der Gebäudekomplex auch genannt wird. Die Bedeutung der beiden lorbeerbekränzten Jünglinge, in der Mitte der Südfassade, ist bis heute umstritten. Vorbild für die Bronzestatur ist die Ildefonso-Gruppe nach dem Original im Museum del Prado in Madrid. Weitere Verzierungen schmücken das Obergeschoss sowie Gebäudeecken.

Nach Schinkels Vorgaben erstellte Persius Pläne einen fünfgeschossigen Turm mit schmalen Fensteröffnungen und einen Belvedere im obersten Geschoss.

Mit dem Tod von Prinz Carl am 21. Januar 1883 endete die Blütezeit des Glienicker Schlosses und der sich anschließenden Parkanlage. In den folgenden Jahren verlor das prachtvolle Anwesen seinen Glanz und durch Vernachlässigung begann der Verfall. Inzwischen waren auch viele Sammlerstücke verkauft und in alle Himmelsrichtungen verstreut worden. Auf der Suche nach Investoren übergab die Stadt Berlin den verfallenden Schlosskomplex 1950 der Sport-Toto GmbH. 1976 bis 1986 diente das Gutshaus den Vorlesungen der Heimvolkshochschule der Stadt Berlin. Am 1. Jan. 1987 wurde das Gebäude an die Schlösserverwaltung übergeben und nach Abschluss erneuter Renovierungsarbeiten als Schlossmuseum genutzt. In einigen Räumen wurden Schinkels Möbel und Kunstgegenstände ausgestellt, die zum großen Teil aus dem Besitz des Prinzen Carl stammen. Seitdem 1. Jan. 1995 ist das Schloss in der Hand der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Musikliebhaber und Radfahrer. Während der angebotenen Führung erhalten die Teilnehmer Informationen zur Geschichte des Schlosses und der Parkanlage. Am Wochenende finden im Gartensaal regelmäßig Konzerte statt. Die exquisite Speisekarte im hauseigenen Restaurant liest sich wie ein Ausflug quer durch die Gourmetküche. Gerne wird diese Location auch als Hochzeitskulisse genutzt.

Das Glienicker Schloss
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