Schloss-Atmosphäre im Ballhaus Pankow

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Ballhaus Pankow – Ballsaal © Ballhaus Pankow, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, lizensiert unter CreativeCommons, Lizens by-sa/3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Als “Restaurant Schloss Schönhausen” oder “Schloss Schönhausen” um 1880 herum eröffnet, handelt es sich bei dem Baudenkmal um ein Ausflugslokal, dass einst am Rand der aufstrebenden Metropole Berlin lag. Nur wenige Jahre zuvor war das Deutsche Kaiserreich gegründet worden und in Berlin herrschte Aufbruchsstimmung. Es entstand die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Innerhalb eines Jahrzehnts, von 1871 bis 1880, stieg die Zahl der Einwohner von 826.000 auf 1,12 Millionen Menschen an. Die Millionen-Marke war für Berlins Aufstieg zur Weltmetropole besonders wichtig.

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Ballhaus-Pankow in Berlin-Pankow, Deutschland (Grabbeallee 53 / Ecke Tschaikowskistrasse)
© Florian Bolk, Fotograf, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, lizensiert unter Creative Commons, Lizens by-sa/3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Um 1900 war die Stadt nicht mehr dieselbe wie unmittelbar nach der Reichsgründung im Jahr 1871. Es wurden Großbauten errichtet und die Orte am Stadtrand gewannen an Bedeutung. So auch das beschauliche Pankow. Im Ortsteil Niederschönhausen ließ der Gastronom August Lehder um 1880 ein Ausflugslokal in Holzbauweise errichten, dass zwölf Jahre später um einen massiven zweigeschossigen Ballsaal mit Bühne ergänzt wurde. Laut der Denkmalliste fanden 1901 und 1905 umbauten statt. Ein Architekt kann nicht benannt werden. Trotzdem wurde das Gebäudeensemble nach seiner wechselvollen Geschichte von 1993 bis 1995 umfassend restauriert.

Eine romantische und ländliche Anmutung dominiert das Erscheinungsbild

Umgeben von modernen und historischen Mehrfamilienhäusern, steht das “Ballhaus Pankow” heute in zweiter Reihe zur Grabbeallee. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine Mischbauweise – bestehend aus dem höheren Zentralbau und den angrenzenden niedrigeren Seitenbauten. Eine romantische und ländliche Anmutung dominiert das Erscheinungsbild. Das Motiv das Pavillons wurde bei den Seitenbauten in unterschiedlichen Varianten angewendet, um einen möglichst abwechslungsreichen Eindruck zu erzielen. Teilweise erinnern die mit Fachwerk verzierten Fassaden und großen Fensterflächen an die Pavillons auf den Seebrücken oder an den Strandpromenaden der Ostseebäder oder auch Englands. Ein weiteres lokales Beispiel wäre der Bürgershof in Klein Glienicke. Der Gast sollte geschützt von Wind und Wetter in angenehmer Atmosphäre sitzen können und den Blick in die Landschaft genießen.

Eine Besonderheit beim Ausflugslokal in Pankow war der 1892 errichtete Ballsaal. Vermutlich auch, um sich von anderen Ausflugszielen und Vergnügungsorten abzuheben, ließ der Gastronom August Lehder einen massiven zweigeschossigen Saal errichten. Verpackt in einer sachlichen Hülle, bestehend aus hellen Fassaden und Backstein-Elementen, wurde der Innenraum auf eine hochherrschaftliche und königliche Wirkung ausgerichtet. Der stützenfreie Ballsaal umfasst 411 Quadratmeter. Dazu kommen noch die fast 80 Quadratmeter große Bühne und ein Nebensaal mit 79 Quadratmetern. Beim Festsaal überwiegt eine helle Gestaltung in Pastelltönen mit Stilelementen des Barock und Rokokos. An der Decke haben sich die originalen Malereien erhalten. Auch Stuckelemente konnten entsprechend der ursprünglichen Fassung ergänzt werden und erhielt teilweise eine dezente Vergoldung. In dem gut zehn Meter hohen Saal können bis zu 600 Gäste feiern. Alles strahlt eine vornehme Gediegenheit aus. Es ist damals wie heute ein stilvolles Ambiente für besondere Veranstaltungen und Ereignisse. Ursprünglich als “Schloss Schönhausen” bezeichnet, erinnerte der Namen an die nahegelegene Sommerresidenz von Elisabeth Christine von Preußen – dem Barockschloss “Schloss Schönhausen” in Niederschönhausen.

Um 1900 entstanden zahlreiche Ausflugslokale in Pankow, die jedoch zum größten Teil nicht mehr vorhanden sind. Aus diesem Grund entschied sich 1993 der damalige Eigentümer das Gebäude mit staatlichen Fördermitteln zu sanieren. Heute erinnert das “Ballhaus Pankow” an die Berliner Geselligkeit und ist ein interessanter Zeuge dieser schnelllebigen Kultur.

Dr. phil. Carsten Schmidt

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