Kulturbrauerei

Von der Brauerei zum Kulturstandort

Die im Prenzlauer Berg ansässige „Kulturbrauerei“ zählt heute zu den wichtigsten kulturellen Attraktionen in Berlin. Insgesamt sechs Höfe und 20 Gebäude bieten den Besuchern ein reichhaltiges Angebot – dazu zählen unter anderem die Veranstaltungen der Literaturwerkstatt Berlin, ein Museum zum DDR-Alltag sowie mehrere Theater und Restaurants.

Die Geburtsstunde der heutigen Kulturbrauerei schlug bereits 1842: Damals übernahm der Apotheker und Chemiker August Heinrich Prell aus Kreuzberg vom Brauer Wagner einen Lagerkeller. Dieser befand sich auf dem Gelände der heutigen Kulturbrauerei in der Schönhauser Allee 39. Prell gehörte zu den erfolgreichsten Brauern in Berlin. In Kreuzberg betrieb er bereits eine kleine Brauerei, in der er auch einen Ausschank anbot. Nach Prells Tod kaufte Jobst Schultheiss, der bisher in der Brauereiwirtschaft keinerlei Erfahrung gesammelt hatte, das Unternehmen. Aus der kleinen Berliner Brauerei wurde so 1871 die später sehr erfolgreich gewordene Aktiengesellschaft „Schultheiss’sche Brauerei“. Von dieser Entwicklung profitierte das Gelände auf der Schönhauser Allee früh. Denn neben den Lagerkellern wurde hier ein Bierausschank eröffnet. 1864 verkaufte Schultheiss sein Brauerei-Unternehmen für 210.000 Taler an den Hoflieferanten und Kaufmann Adolf Roesicke. Roesicke erwarb 1867 zwölf Morgen Bauland und erweiterte das Gelände zu einem großen Karree. Zugleich verlegte er den Hauptsitz der Schultheiss’schen Brauerei sowie den gesamten Brauereibetrieb in die Schönhauser Allee. Aus dem kleinen Lagerkeller wurde der Firmensitz einer der wichtigsten Brauereien in Deutschland. In der Franseckistraße, die heute Sredzkistraße heißt, wurde wenige Jahre später ein Sudhaus errichtet. Durch die Einführung des beliebten Flaschenbiers im Jahr 1880 stiegen die Produktions- und Angestelltenzahlen rasch, innerhalb kurzer Zeit wurden neue Flächen benötigt. 1884 wurden die Eiskeller in dringend erforderliche Lagerkeller umgewandelt.

Kulturbrauerei-Karte Kulturbrauerei
© TLG Immobilien

In dieser Zeit entstand das moderne Gesicht der Brauerei: Um das Gelände in der Schönhauser Allee baulich ansprechend und repräsentativ zu gestalten, beauftragte die Schultheiss’sche Brauerei den Architekten Franz Heinrich Schwechten mit Um-, Aus- und Neubau der Brauerei. Für das erweiterte Gelände an der Schönhauser Allee, dessen Fläche infolge eines weiteren Grundstückskaufs durch Roesicke 1887 insgesamt ca. 25.000 Quadratmeter umfasste, entwarf Schwechten unter anderem die Garräume, den Lagerkeller mit den Giebelfronten nach Osten, die nördlich angrenzende Lagerhalle sowie den Brauerei-Ausschank. Letzterer wurde, gemeinsam mit einem angeschlossenen Biergarten, ab 1892 zu einem beliebten Ausflugsziel vieler Berliner. Der Maurermeister A. Rohmer setzte in dieser Zeit auch die Entwürfe für die Flaschenlagerhalle sowie die Ladehalle in der Schönhauser Allee um.

Der Aufstieg der Schultheiß-Brauerei zur weltgrößten Lagerbierbrauerei in den 1920er Jahren erforderte erneut wesentliche Um- und Ausbauten. 1925 wurde eine neue Flaschenbierladehalle errichtet, ein Jahr ließ man Teile der alten Produktionsanlage in Büroräume umbauen. Das alte Kessel- und Maschinenhaus wurde zudem teilweise abgerissen, um es 1929 durch ein neues, mit Hoch- und Tiefbunker versehenes dreigeschossiges Gebäude ersetzen zu können. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Brauerei weitestgehend unbeschadet, bereits 1945 wurde der Brauereibetrieb wieder aufgenommen. Doch die Bierherstellung sollte in der Schönhauser Allee bald zum Erliegen kommen: 1967 wurde der Brauereibetrieb eingestellt, ein Kasino und ein Möbelgroßmarkt zogen ein. Sieben Jahre später stellte man den Brauerei-Komplex aufgrund seiner einzigartigen Architektur schließlich unter Denkmalschutz.

Der Weg zur heutigen Kulturbrauerei wurde nach dem Mauerfall beschritten: 1991 gründeten Kulturschaffende, die das baufällig gewordene Areal vor dem Verfall bewahren wollten, die KulturBrauerei gGmbH. Nach jahrelangen, zähen Diskussionen über eine sinnvolle, wirtschaftliche und zugleich dem Charakter des Industriedenkmals gerecht werdende Nutzung erfolgte 1998 durch den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen der erste Spatenstich für eine umfangreiche Sanierung der einstigen Schultheiß-Brauerei.

Den Architekten Stefan Weiß und Matthias Faust gelang es in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, die verfallenen Gebäude bis 2000 behutsam zu sanieren und den neuen Bedürfnissen anzupassen. Auf dem 25.000 Quadratmeter umfassenden Grundstück entstanden so über 40.000 Quadratmeter Gewerbe-, Ausstellungs- und Bürofläche. Bereits 1999 konnten die ersten Mieter einziehen, darunter ein Supermarkt sowie die Diskothek „Soda Club“. In den folgenden Jahren folgten weitere, zumeist bis heute in der Kulturbrauerei ansässige Mieter. An die wechselhafte Brauerei-Geschichte erinnert bis heute die Originalbeschriftung aus dem 19. Jahrhundert an den Gebäudefassaden.

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