Wohnhäuser in der Waisenstraße

In Berlin-Mitte, in der Waisenstraße gegenüber der alten Stadtmauer, wo noch vereinzelt mittelalterliche Strukturen aufzufinden sind, befand sich das ca. 520 qm große Baugrundstück. Hier ist dieses Haus entstanden, ein komplexes Raumgefüge, das sich als ein Labyrinth des Lichts versteht, als ein frischer Wind, der diesen Ort grüßt und bereichert, der Neues bringt und dabei Nachteile für sich nutzt, der untypisch ist und dennoch zugehörig.

Die Bebaubarkeit des Grundstückes und Belichtung der Wohnungen stellten sich als eine besondere Herausforderung dar. Nicht zuletzt wegen der komplizierten Grundstücksgeometrie und der sechs- bis siebengeschossigen Gebäude, die es stark eingrenzen. Zusätzliche Rahmenbedingungen entstanden auch durch baurechtliche Vorgaben, Vorstellungen des Landesdenkmalamtes sowie durch den Wunsch des Bauherrn nach maximaler Grundstücksausnutzung. Wie lässt sich die Dichte und die Individualität, die Vielfältigkeit und die zusammengewachsene Kleinteiligkeit mittelalterlicher Struktur mit Höfen und Gassen – wie sie hier einmal vorhanden waren – in eine andere, zeitgemäße Sprache transformieren? Sollte nicht an diesem Ort, an dem die Zeit viele Narben hinterlassen hat, ein Haus entstehen, welches nicht nur Lücken füllt, sondern auch Lücken lässt? Wie lässt sich diese Architektur finden, die einerseits dem Ort verbunden ist, anderseits von ihm losgelöst? Die den Ort spüren lässt, über diesen aber auch hinausschaut?

Entstanden ist ein individuell von innen heraus entwickelter Gebäudekomplex mit einer verschachtelten, dorfähnlichen Struktur. Das Zusammenspiel von Intro- und Extrovertiertheit, Ein- und Ausblicken, Innen- und Außenräumen, Licht- und Schatteneinfällen, schaffen einen eigenen komplexen Kosmos. Der Bau lässt Zwischenräume und Plätze, die im reizüberfluteten Großstadtleben Rückzug und Erholung bieten, Schutz aber auch Begegnungsraum, wenn man möchte. Das Haus lebt mit dem Licht und ändert sich zu jeder Tages- und Jahreszeit durch das Licht. Es ist mit Licht gebaut und das ist immer spürbar. Die weißen, feinkörnig und fugenlos verputzten Wände heben die Grenzen zwischen Innen- und Außenräumen auf und lassen durch die Scharfkantigkeit der Gebäudeecken die einzelnen Baukörper einfach, abstrakt und plastisch erscheinen. Sie verstärken die Wirkung des Lichts und bieten ideale Reflexionsfläche dafür.

Das sechsgeschossige Vorderhaus beherbergt im Untergeschoss eine Tiefgarage, darüber fünf Geschosswohnungen, zwei davon als Maissonette organisiert. Zwei Stadthäuser, fünf- und dreigeschossig, konzipiert als eigenständige vertikale Wohneinheiten sind zusätzlich über einen Innenhof im 1. Obergeschoss erschlossen. In dem Lichthof des fünfgeschossigen Stadthauses befindet sich im dritten Obergeschoss ein Pool, welcher durch das Badezimmer erschlossen ist. Alle Wohnungen sind individuell geplant und gestaltet worden. Sie unterscheiden sich grundsätzlich voneinander und bilden doch zusammen eine Einheit.

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