Secret Garden

Aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Ein ehemaliges Varietétheater aus Berlins 20er Jahren in Mitte wird von der Moritz Gruppe denkmalgerecht saniert

Fast 80 Jahre lang lag die Vergnügungsstätte aus Berlins Goldenen 20ern – ursprünglich Fritz Schmidt’s Festsäle – in einem Dornröschenschlaf bis der Immobilien-Projektentwickler Dirk Moritz, Geschäftsführer der Moritz Gruppe GmbH, das Gebäude 2008 in der Gartenstraße per Zufall entdeckte und wieder „zum Leben erweckte“.

Das Haus mit einem großen Innenhof bestehend aus einem hohen Kellergeschoß, einem Erd- sowie zwei Obergeschossen und zwei Treppenhäusern war damals mit ca. 30 t Müll und Unrat übersät. Dazu kam eine große Anzahl von lebenden Tauben, die durch den großzügigen offenen Lichtschacht Tag und Nacht Zugang zu dem Gebäude hatten. Der eigentliche „Festsaal“ befand sich im zweiten Obergeschoss. Die Etage verfügte ursprünglich über eine lichte Raumhöhe von ca. 7 m.

Darüber gespannt eine Kuppelgewölbedecke, die in den Jahren durch Feuchtigkeit der darüber liegenden einfachen Holzbretter-Dach-Konstruktion dann von oben herab gestürzt mitten im Raum lag. Nach einer ausgiebigen Recherche der Geschichte des Hauses und der Räumung des angesammelten Mülls machte sich die Liegenschaft in der Gartenstraße 2011 bereit als SECRET GARDEN eine neue Phase seiner Entwicklung einzuleiten.

„Es gibt viele Definitionen von Liebe und woran sie zu erkennen ist. Das Haus ist für uns eine Form von Liebe, ein Gebäude mit Seele. Das haben wir in unserer Planung respektiert. Die Zukunft des Hauses ist keine einfache Hymne auf die alte Zeit, sondern eine Verbeugung vor dem morbiden Charme der Gegenwart. Fast sich selbst überlassen nehmen wir das Schicksal des Hauses jetzt in die eigene Hand“, kommentiert der Eigentümer und Projektentwickler Dirk Moritz. Seither erarbeitet die Moritz Gruppe wie auch für ihre anderen Immobilienprojekte unterschiedliche zweckmäßige Nutzungskonzepte sowie ein auf das Haus optimal zugeschnittenes und hoch innovatives Architekturkonzept. Aufgrund des Fehlens aller ursprünglichen Bauunterlagen, die durch Brandeinwirkungen vor Jahrzehnten völlig zerstört wurden, mussten alle Konstruktionselemente, wie Decken- und Fußbodenbeschaffenheit einschließlich Keller- und Mauerwerk, noch einmal wie zu Zeiten der Erbauung vollständig ermittelt und im Hinblick auf die neue Nutzung geprüft werden.

Für die Bauantragsgenehmigung wurde das Berliner Architekturbüro Kay Wieland und für das Design bzw. die Visualisierung das international erfolgreiche Büro LAVA – Laboratory for Visionary Architecture hinzugezogen. Mit heutigem Stand sind alle Vorbereitungen für den Sanierungsbeginn getroffen.

Keller

Die Planung sieht für das Kellergeschoss eine Tiefgarage mit fünf Stellplätzen vor. Die Zufahrt erfolgt über eine im Hof angeordnete hoch innovative, voll versenkbare Scherenhubanlage, dessen Baldachinfläche mit dem Hofbelag versehen ist. Somit entsteht eine geschlossene Hofansicht und man erkennt auf den ersten Blick nicht, dass dort eine hydraulische Aufzugsanlage untergebracht ist.

Treppenhaus

Da eines der Bestandstreppenhäuser nicht erhalten werden kann, wird zur Gewährleistung des zweiten Rettungsweges ein neues Treppenhaus als Stahl-Konstruktion in den ehemaligen Lichtschacht in der Süd-West-Ecke des Gebäudes eingebaut. In diesem Bereich wird innen liegend ein Aufzugsystem integriert, welches alle Geschosse erschließt und auch z. T. den Blick auf den Lichtschacht freigeben wird.

Erdgeschoss

Das Erdgeschoss soll ca. 200 qm Gestaltungsspielräume als Arbeits- oder auch als Galerieräume für erfahrene wie junge Unternehmen der Kreativwirtschaft bieten. Hierzu erhält die Fläche den großzügigen direkten Zugang vom Hof, der in den alten Tagen den Gästen allein vorbehalten war.

1. Obergeschoss

Das erste Obergeschoss mit ca. 225 qm soll künftig als Atelier-, Wohn- oder Gewerbefläche genutzt werden. Hier ist eine loftartige Form mit 4 m hohen Räumen geplant, die auch im Hinblick von räumlichen Konzepten sehr viel Gestaltungsfreiheit geben. Die offene Raumwirkung soll insbesondere im Bereich der Süd-Ost-Fenster-Fassade erhalten bleiben, für die im Außenbereich mit Südblickrichtung über die gesamte Länge von 8,5 m eine freihängende und überspannende Terrasse vorgesehen ist.

2. Obergeschoss (ehemaliger Ballsaal)

Das zweite Obergeschoss mit seinem Theaterraum von ca. 300 qm kann ebenso flexibel genutzt werden. Hier wird besonderer Wert darauf gelegt die Raumwirkung des ehemaligen Saales zu erhalten. Es wird daher auf unterteilende Wände verzichtet. Vielmehr soll das Geschoss durch Wohnmöbel zoniert werden. Insbesondere von der Empore bleibt so der gesamte Raum erlebbar. Zwei abgeschlossene Räume mit jeweils ca. 30 qm sollen im Bereich des ehemaligen Treppenhauses entstehen und erhalten in der Bezugnahme zum alten Treppenhaus die alten Stilelemente mit 2 großen nach Westen ausgerichteten Fenstern.

Die Planung sieht vor eine modern gestaltete Sichtbeton-Kassettendecke als neues Element zu installieren. Die technische Herausforderung dabei ist die Bewältigung der frei von Stützen auskommenden Spannweite von insgesamt ca. 12,50 m. Ein prägendes Stilelement in diesem Raum stellt das große originale Wandgemälde als Ölmalerei auf grundierter Industrieleinwand mit einer Gesamtfläche von 12,56 qm dar.

Gegenüber ragen die neu zu gestaltenden 6 m hohen Süd-Fenstern empor. Auch hier wird sich zukünftig eine großzügige lang gezogene Terrasse befinden. Das Öffnen der Fensterlage und das Betreten der Außenfläche werden das ganz besondere Flair dieses Raums und dessen Nutzung noch einmal hervorheben.

3. Obergeschoss (neu)

Die neue Decken-Konstruktion bietet die Möglichkeit den ungenutzten Dachraum zwischen der ehemaligen Kreuzgewölbedecke und der ehemaligen Dachhaut als drittes Obergeschoss zu nutzen. Die Erweiterung durch zwei weitere Geschosse mit ca. 275 qm soll hier auch den Zeitgeist wiedergeben, den die technische Innovation von heute ermöglicht und wie Alt und Neu konzeptionell miteinander harmonieren können.

Das Design vereint die historische Bausubstanz mit modernen, aber zeitlosen Elementen und State-of-the-Art-Technologien. Eine ganz besondere Erfahrung mit dem Gefühl für die ursprüngliche Nutzung kombiniert mit dem modernen Berlin als Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart wird erlebbar gemacht.

Hausfassade & Garten

Die noch ablesbaren Strukturen der Bossierung und der Pilaster / Verzierungen an der Fassade sollen weitestgehend rekonstruiert werden. Hier kann aufgrund der fehlenden Dokumentation der Originalfassaden allerdings nur eine grundsätzliche Fassadengestaltung nachempfunden werden. Flachdachbereiche des Gebäudes werden überwiegend mit einer extensiven Begrünung versehen. In Teilbereichen ist eine Nutzung der Dachfläche für technische Einrichtungen vorgesehen.

Weitere Teile werden mit Oberlichtern zur Beleuchtung der darunter liegenden Bereiche versehen. Für die Bepflanzung des Gartens wurde ein individuell zugeschnittenes Konzept gemäß dem Motto „ökologische Nische“ erarbeitet, welches den Licht- und Bodenverhältnissen der Liegenschaft optimal angepasst ist.

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