JOH3

Ein Augenschmaus Moderner Architektur

Schmale Lamellen berühren und umtasten den 7-geschossigen Baukörper und erschaffen vom Straßenniveau bis unter den Dachpanzer durch unterschiedliche Längen und Krümmungen eine organische Struktur.

Dieser Effekt, ähnlich einer Vorhangfassade, setzt das Berliner Büro Jürgen Mayer H. um den Kubus und kreiert somit transzendente Räume, spielt mit Sichtbarkeit und Intimität und betont gleichzeitig die Eleganz der verwendeten Materialien. Der Entwurf wurde erstmals 2008 präsentiert und das Bauwerk ist jetzt vollendet.

In direkter Nachbarschaft zur Museumsinsel, neben der denkmalgeschützten Kalkscheune, erdachten die Architekten eine Apartmenthaus in einer Baulücke, dass bereits vor Baubeginn von der Fachpresse hochgelobt wurde. Es basiert auf einer Neuinterpretation des klassischen Berliner Wohnhauses mit Vorder- und Hinterhaus in Blockrandbebauung. Auffälligstes Merkmal des Gebäudes ist die dreidimensional gewölbte Lamellenfassade aus CNC-gefrästem Aluminium. Diese Haut wird vor die eigentliche Glasfassade gesetzt und soll so die Bewohner vor allzu aufdringlichen Einblicken schützen und gleichzeitig von Innen nach Außen eine freie Sicht auf die Stadt eröffnen.

Die Formen spielen mit Assoziationen an Wolken, Wohnhöhlen in einem Hang und organischen Zellen ebenso wie man an Gaudis Wohnhäusern in Barcelona denken kann. Der organische Neubau überragt das angrenzende klassizistische Nachbargebäude und die unterschiedlichen Wohntypen und Grundrisse sowie der gärtnerisch gestaltete Innenhof legen Wert auf Individualität und Qualität. Geschwungene Terrassen, filigrane Bäume, bewachsene und plastisch gestaltete Nachbarfassaden runden das Gesamtkunstwerk im Außenbereich ab.

Im Erdgeschoss sind auf der Straßenseite Gewerbeeinheiten vorgesehen. Die darüberliegenden großen Wohneinheiten haben einen Blick auf die schmale Johannisstraße und in den begrünten Gartenhof. Das rund 4.200 Quadratmeter (BGF) große Wohnhaus ist für 21 Eigentumswohnungen mit Größen zwischen 50 und 250 Quadratmetern entworfen. Die Wohnungen orientieren sich in Nord-Süd-Ausrichtung. Die Raumhöhen variieren von 3,20 bis zu 5,80 Metern in den Galeriebereichen. Die angebotenen Wohneinheiten gliedern sich in Townhouses mit privatem Garten, klassische Apartments oder Penthouses mit Blick über die neue und alte Friedrichstadt.

Alle Wohnungen verfügen über eine Terrasse und die Grundrisse sind Kompositionen aus Licht und Schatten, spielen mit unterschiedlichen Raumhöhen und fließenden Räumen. Nicht der rechte Winkel ist die bestimmende Form sondern spitze und stumpfe Winkel die den fließenden Innenraum öffnen und schließen. In einigen Wohnbereichen gibt es Wohnkuhlen, die sich wiederum in den darunter liegenden Wohnungen in der Decke ausdrücken. Große Fensterflächen geben den Blick auf die Stadt frei und inszenieren luxuriöse Großzügigkeit.

Der Entwurf stammt aus dem Architekturbüro Jürgen Mayer H.. Mayer studierte in Stuttgart und den Vereinigten Staaten von Amerika Architektur bevor er 1996 sein eigenes Büro in der Hauptstadt gründete. Am Anfang seiner Ausbildung stand der Wunsch begehbare Skulpturen zu schaffen. Heute beschäftigt sich Mayer mit Architektur, Design und neuen Materialien. Seine Gebäude sind Kunstwerke

ie stets Grundformen, organische und eckige, in große Strukturen übersetzen. Das Wechselspiel von offenen und geschlossen Flächen ebenso wie der Gegensatz von glatten und rauen Baumaterialien wecken Assoziationen und machen Lust die Gebäude zu erfühlen.

Mayers Projekte werden weltweit realisiert. Zu den herausragenden Arbeiten zählen der Entwurf für die Neugestaltung einer Plaza im spanischen Sevilla „Metropol Parasol“, in Mestia (Georgien) das Gerichtsgebäude und in Nordborg ein Gebäude für Danfoss Universe. Die Handschrift dieser Entwürfe orientiert sich an den Meistern der Moderne wie Pier Luigi Nervi und Marcel Breuer und zeigen einen eigenen Duktus. Dieser tritt bei dem jüngsten Entwurf „Volt Berlin“, für eine Erlebnis-Mall nahe dem Alexanderplatz, deutlich hervor. Dieser zeichnet sich durch eine technisch, maskuline und zugleich rhythmische Formensprache aus.

Mayer gilt als Trendsetter und hatte bereits für sein erstes Bauprojekt eines Stadthauses in Ostfildern den Mies-van-der-Rohe Nachwuchspreis erhalten. Für das Apartmenthaus JOH3 erhielt das Büro den Architekturpreis 2013. Man kann viel erwarten und gespannt sein wie dieses innovative Büro die Hauptstadt mit einer hochästhetischen Formensprache prägen wird.

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