Humboldtforum

Das Humboldtforum – Was für ein Schloss!

Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldtforum

Nach jahrzehntelanger, heftiger Debatte sind in Berlin die Würfel gefallen: Das nach schweren Kriegsschäden aus ideologischen Gründen gesprengte Schloss im Zentrum der Stadt wird wieder aufgebaut. Ein ungewöhnliches Nutzungskonzept für das Schloss brachte den Durchbruch:

Als „Humboldt-Forum“ beherbergt es die außereuropäischen Künste und macht Berlins Mitte zusammen mit der der europäischen Kunst und der Antike gewidmeten Museumsinsel, der wissenschaftlichen Ausstellung der Humboldt-Universität und einer Bibliothek zu einem einzigartigen Ort der Weltkunst, der Weltkultur und der Wissenschaften. Die deutsche Hauptstadt Berlin stellt damit ihre bedeutendste Fläche dem Kennenlernen und dem Dialog der Völker der Welt zu Verfügung. Im Zeitalter der Globalisierung ist dies eine große Geste, mit der Deutschland sich als Teil der internationalen Völkergemeinschaft versteht und in sie einbringt.

Die Bedeutung des Schlosses für Berlin

Das Berliner Schloss, am Ende des Prachtboulevards Unter den Linden gelegen, war der Mittelpunkt der Stadt, Gravitationszentrum und Kristallisationspunkt jedweder Architektur seines Umfeldes. 1443 zunächst als Burg, der „Zwing Cölln“, am Westufer der Spree in der Doppelstadt Berlin-Cölln gegründet, wurde es im 18.Jh. zum barocken Königspalast erweitert. Wolf Jobst Siedler schrieb: „Das Schloss lag nicht in Berlin, Berlin war das Schloss“.

Um diesen wichtigsten Profanbau der Stadt herum entwickelte sich Berlin wie die Jahresringe eines Baumes um seinen Kern. An dem Bild des Schlosses orientierten sich die noch heute existierenden, von den besten Architekten Preußens entworfenen historischen Bauten der Mitte, sie standen in einem intensiven Dialog mit dem Schloss. Zusammen bildeten sie ein Architekturensemble von Weltrang, in den Kunstgeschichten der Welt als „Gesamtkunstwerk Berlin“ gepriesen, von den Berlinern liebevoll „Spreeathen“ genannt.

Nach der Revolution 1918 wurde das Schloss zum Niemandsland. Von verschiedensten Institutionen wie dem Gewerkschaftsbund und der Humboldt-Gesellschaft genutzt, wurde es zu einem völlig unpolitischer Bau.

Die Nationalsozialisten mieden das Schloss, Hitler soll es niemals betreten haben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Riesenbau im Februar 1945 schwer zerstört und brannte fast vollständig aus. Dennoch war seine Substanz besser erhalten als das schon 1943 ebenfalls zerstörte Schloss Charlottenburg, dem man die schweren Kriegsschäden heute nicht mehr ansieht. Das Berliner Schloss musste dennoch politischer Willkür weichen. Walter Ulbricht, Generalsekretär der SED und oberster Machthaber der DDR, befahl 1950 seine Sprengung zugunsten eines riesigen Aufmarschplatzes.

Die Wiederaufbaudebatte

Der nun endgültig beschlossene Wiederaufbau des Schlosses geht auf eine Initiative des Fördervereins Berliner Schloss und seiner Freunde im Jahr 1993 zurück, der damals – ausschließlich privat finanziert – mit der Errichtung einer 1:1 Schlosssimulation am originalen Standort Furore machte. Mit der Errichtung der Simulation kehrte das Schloss jedoch eindringlich in die Erinnerung zurück.

2002 entschied sich schließlich der Deutsche Bundestag mit fast 2/3 der Stimmen den Wiederaufbau des Schlossäußeren mit den drei äußeren Barockfassaden und des Schlüterhofs. Die Ostfassade zur Spree sowie die Westfassade des Schlüterhofs werden modern gestaltet.

Im Juli 2011 gab der Deutsche Bundestag 590 Millionen Euro für den Bau des Schlosses als Humboldtforum frei. Besonders wichtig ist dabei, dass er den bewilligten Baupreis auf der Basis des Baupreisindexes von März 2007 festgestellt hat und entschied, dass alle inflationsbedingten Baupreiserhöhungen automatisch mitfinanziert sind.

Der Bau wurde nun mit ersten Erdarbeiten im Juni 2012 begonnen. Im Februar 2013 wurde der Rohbau beauftragt. Er soll bis Ende 2015 fertiggestellt werden. Die Grundsteinlegung wird im Juni 2013 erfolgen. Mit der Eröffnung Mitte 2019 gerechnet wird.

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