Das Klosterviertel

Ein Streifzug durch das kurfürstliche Quartier Anno 1688 / 2014

Für Berlin verkünden Hoteliers, Galeristen und Fashion Victims permanent neue hotspots und the place to be. Dies ist kein Geheimtipp und auch kein Insiderwissen, sondern lediglich eine gut gemeinte Empfehlung für eine Chance auf bürgerliches Wohnen mit Nachbarn, von denen man sich eine Tasse Mehl ausleihen kann. Generell führt heute die Klosterstraße im Bogen zum Roten Rathaus und in die andere Richtung blickt man nach 150 Metern auf die Spree. Nur wenige Meter liegen zwischen der eigenen Wohnungstür und dem lebendigen Alexanderplatz, Kulturgeschichte auf der Museumsinsel und ausgiebiger Shoppingtour.

Kein Niemandsland mehr

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Rund ums Klosterviertel • Tafel an der alten Stadtmauer • © Günter Schneider

Das lange Zeit als Niemandsland hinter dem Berliner Stadthaus liegende Gebiet, einschließlich die Klosterstraße, brauchte fast zwei Jahrzehnte bis jetzt eine architektonische Verdichtung, an der 1703 geweihten Parochialkirche, innerstädtisches Wohnen neu definiert. Das Klosterviertel ist fast so alt wie Berlin. Es war einst die vornehmste Straße Alt-Berlins. Unter seinen Pflastersteinen liegen mehr als 700 Jahre Gründungs- und Urbanisierungsgeschichte. Den Namen bekam die Straße vom Franziskanerkloster – urkundlich erwähnt 1250, welches als sogenanntes Graues/Grawen Kloster bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das bedeutendste erhaltene mittelalterliche Gebäude in Berlin war. Das Gebäudeensemble schloss unmittelbar an die Residenz der Markgrafen an. Sie residierten im Hohen Haus an der Klosterstraße, dessen gotisches Backsteinportal heute im Märkischen Museum besichtigt werden kann. Es war bei seiner Errichtung 1310 eines der wenigen steinernen Gebäude der Siedlung Berlin. Aus dem Kloster wurde 1574 ein Gymnasium, der Kurfürst Friedrich Wilhelm der Große war der letzte Bewohner des Hohen Hauses und sukzessive wandelte sich die Klosterstraße erst zur vornehmen Wohngegend und an der Wende zum 20. Jahrhundert zur Geschäftsstraße. Ernst Bogislaw von Podewils beauftragte 1701 den Architekten Jean de Bodt mit dem Bau eines Palais in der Klosterstraße. Zeitgleich entwarf de Bodt Teile des Potsdamer Stadtschlosses und vollendete das Berlin Zeughaus. Für derer von Podewils entstand in der Klosterstraße ein repräsentatives Wohnhaus im Stil des Barock. Später ließ der Sohn, Heinrich Graf von Podewils, das Innere mit Stuckdecken und opulenten Wandgemälden ausstatten. Somit zählte das Gebäude bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1944 zu den bedeutendsten barocken Wohnbauten Berlins.

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Rund ums Klosterviertel • Die Friedhofskapelle • © Günter Schneider

Auf dem Nachbargrundstück wurde bereits 1695 mit dem Bau der prächtigen Parochialkirche nach den Plänen von Johann Arnold Nering begonnen. Ebenfalls in den Formen des Barock gestaltet, wurde die Vierkonchenhalle als gelungenstes Bauwerk des Baumeisters Nering bewertet. Auch die Kirche wurde Opfer des Zweiten Weltkrieges und der heutige Kirchenbau ist das Ergebnis eines 1991 einsetzenden Wiederaufbaus. Bislang fehlen die betörenden Klänge aus dem Glockenturm, welche einst bei der Bevölkerung den Spitznamen „Singuhr“ trug. Zur Kirche gehört ein Friedhof, welcher zu den ältesten noch erhaltenen Kirchenfriedhöfen Berlins zählt. Dieses eindrucksvolle Stadtbild hielt der hochgeschätzte Künstler Eduard Gaertner in Öl fest. Im späten 19. Jahrhundert wechselte die Straße erneut ihr Gesicht. Es entstand u.a. das repräsentative Geschäftshaus „Gebr. Tietz“ nach den Plänen des Architekten Georg Lewy mit Jugendstilornamenten, dessen Fassade noch heute die Lust an Exotik, dem Überfluss und der Jugend um 1900 atmet. In den Aufbruchsjahren um 1900 entstand auf der gegenüberliegenden Straßenseite der raumgreifende Neubau des Stadthauses. Sein Architekt, Ludwig Hoffmann, schuf einen monumentalen Verwaltungsbau der erahnen lässt wie massive das Expansions- und Repräsentationsstreben der Stadt war. Die Verwaltung der Millionenmetropole gehörte zu den größten bürokratischen und juristischen Herausforderungen dieser Zeit. Jetzt haben hier u. a. der Innensenator und Landeskonservator seinen Sitz.

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