Wohnen in der Splanemann-Siedlung

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Splanemann-Siedlung © Marsupium, Wikimedia Commons / CC0, lizensiert unter CreativeCommons-Lizens publicdomain/zero/1.0/deed.de (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)

Viel Komfort in der ersten “Platte”

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© Michael G. Schroeder, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, lizensiert unter CreativeCommons-Lizens by-sa/3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Glatte Fassaden, expressionistisch eingezogene Hauseingänge und viel Grün in den Gärten: So präsentiert sich heute die überschaubare Splanemann-Siedlung als ein idyllisches Kleinod inmitten städtischer Urbanität. Vor mehr als 90 Jahren erdachten für ein weitgehend nicht gestaltetes Areal die Architekten Martin Wagner und Wilhelm Primke zwar keine Siedlung im Bauhaus-Look, aber dafür wollte Wagner eine innovative Technik umsetzen: Ein Schnellbausystem mit Betonplatten. So entstand ab 1926, heute südwestlich vom Tierpark gelegen, die “erste Platte Berlins”.

Inspiriert durch Amerika und dem technischen Fortschritt, experimentierten moderne Architekten für den preisgünstigen Wohnungsbau in den 1920er Jahren mit Einfamilienhäuser in Schnellbauweise, vorgefertigten Bauelemente und einer Baustellenorganisation in Anlehnung an eine Produktionsstraße – wie bei der Bauhaussiedlung Dessau-Törten (1926-1928). Zu den führenden Vordenkern gehörte der erste Bauhausdirektor Walter Gropius. Kosten- und Zeitersparnisse waren die beiden Hauptfaktoren, um den Massenwohnungsbau tatsächlich zu realisieren.

In Berlin lenkte der Architekt Martin Wagner, ein ehemaliger Mitarbeiter von Hermann Muthesius, ab 1926 das architektonische und städtebauliche Ruder der Metropole. Nach mehreren Jahren als Stadtbaurat der Stadt Schöneberg und ersten praktischen Erfahrungen, wie zum Beispiel mit dem Kollegen Bruno Taut bei der Hufeisensiedlung, konnte er in der zentralen Baubehörde seine Plänen für den Wohnungsbau umsetzen. Bereits bei der Hufeisensiedlung erprobte Wagner die Auswirkung von Typisierung, Normierung und Rationalisierung auf die Baukosten.

“Das Bauen sollte billiger und rationeller werden. In der von ihm geplanten und von 1926 bis 1930 gebauten „Kriegerheimsiedlung“ in Friedrichsfelde (heute als Splanemann-Siedlung bekannt) wurden die Häuser aus vorgefertigten Wandtafeln montiert – Deutschlands erste Plattenbauten”, schreibt Jens Sethmann. Konkret umfasst die kleine Siedlung Straßenabschnitte der Splanemannstraße, Friedenhorster Straße und Ontarioseestraße. Es entstanden, nach den Plänen von Wagner und Primke, 138 Wohnungen für Soldaten und Hinterbliebene des Ersten Weltkriegs in acht zwei- bis dreigeschossigen Häuserzeilen in Großplattenbauweise, während Keller und Dach in konventioneller Art gebaut wurden. Generell überwiegt der Eindruck einer Gartenstadt.

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Splanemann-Siedlung © Marsupium, Wikimedia Commons / CC0, lizensiert unter CreativeCommons-Lizens publicdomain/zero/1.0/deed.de (https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de)

Über den Bauablauf steht im Baukultur-Bericht 2018/2019 der Bundesstiftung Baukultur: “Vor Ort wurden circa 25 Quadratmeter große und sieben Tonnen schwere Betonplatten hergestellt”. Und über das Ergebnis heißt es: “Mit der Fertigstellung 1930 endete vorerst auch das Experiment für einen effizienten Wohnraum in Serie. Der Grundstücksschnitt und das hohe Gewicht der Platten verhinderten einen kostengünstigen Ablauf”. Auf der anderen Seite boten die Neubauten den Mietern einige Vorteile:
Es gab Mietergärten für den Anbau von Obst, Gemüse und Blumen. Auch entsprachen die Wohnungen dem modernen Leitmotiv: “Licht, Luft und Sonne” , denn jede Wohnung hatte einen Balkon oder eine Loggia. Ferner waren die Zimmer lichtdurchflutet, da die Anordnung und Höhe der Gebäude eine Verschattung verhinderten. Zur Ausstattung der 2- bis 3-Zimmer-Wohnungen gehörten Badezimmer mit WC. Nichts erinnerte an die engen, dunklen Hinterhöfe der typischen Berliner Mietskaserne, in denen sonst Menschen mit geringem Einkommen wohnen mussten. Das Fazit der Bundesstiftung lautet: “Mittlerweile wird die sanierte Siedlung (…) für ihre städtebauliche und architektonische Kleinteiligkeit geschätzt, seit 1981 steht sie unter Denkmalschutz”.

Dr. Carsten Schmidt

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