Kennen Sie den Freiaplatz?

Grüner Kieztreff und Platz zum Spielen im Nibelungenviertel

Zwischen dem S-Bahnhof Lichtenberg und dem Landschaftspark Herzberge liegt das Nibelungenviertel. Es charakterisiert Gründerzeitarchitektur, Reformwohnbauten der 1920er Jahre und Nachkriegswohnbauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Das Nibelungenviertel liegt in Lichtenberg. Der Bezirk hat eine wechselvolle Geschichte, die sich auch an den unterschiedlichen Gestaltungsansätzen und Modernisierungen des Freia­platzes ablesen lässt. Der rechteckige Grünraum liegt zwischen Freiastraße, Wotanstraße, Rüdigerstraße und Siegfriedstraße. 

Freia ist eine Figur in Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring der Nibelungen“. 

Die 50 mal 80 Meter große Parkanlage wird von Wohnbauten umschlossen. So entstand 1926 an der Siegfriedstraße ein großer Wohnkomplex nach den Plänen des Berliner Architekten Grisebach – das Gebäude ist erhalten geblieben, jedoch gibt es vor dem Haus keine Bäume mehr. In der Freiastraße stehen nochmals ältere Gebäude von 1907 – sie stehen unter Denkmalschutz. Während an der Freiastraße großzügige Vorgärten die Wohnhäuser vom Platz trennen, liegen in den anderen Straßen die Häuser direkt an den Straße, wodurch eine gewisse Unruhe entsteht. An der kurzen Seite verkehrt die Straßenbahn und sorgt für Bewegung. Nichtsdestotrotz ist der Freiaplatz eine wichtige Grünfläche im Nibelungen-Kiez. 

Um 1900 entstanden die ersten Mietshäuser, die die vorhandenen Bauflächen maximal ausnutzten. Der Platz blieb anfänglich unbebaut, um den Anwohnern im Notfall als Treffpunkt  zu dienen. Dazu ist es jedoch nie gekommen. Aus der ungestalteten Freifläche wurde ein Schmuckplatz. 1910 tauchte erstmals die Bezeichnung Freyaplatz auf. Freya/Freia war eine nordische Göttin der Liebe und Ehe – außerdem gilt sie als Göttin der Fruchtbarkeit, des Frühlings und des Glücks. Sie ist auch die Anführerin der Walküren auf den Schlachtfeldern. Darüber hinaus ist Freia eine Figur in Richard Wagners Opern­zyklus „Der Ring der Nibelungen“. Hierin ist die Göttin Hüterin der goldenen Äpfel, die den Göttern die ewige Jugend und damit auch die Unsterblichkeit verleihen. Die Oper Wagners spielte bei der Vergabe der Straßennamen im Viertel eine große Rolle, weshalb es auch Wagnerviertel hieß.

Der Freiaplatz erhielt bei seiner ersten Gestaltung heimische Laubgehölze, wie Kastanien, Eichen und Linden. Ein Teil der Fläche wurde als eingezäunter Kinderspielplatz angelegt. Hecken gaben dem Platz eine ordnende Struktur und bildeten den Hintergrund für Springbrunnen und Denkmäler. Während der Teilung Berlins, wurde der Freiaplatz mehrfach umgestaltet. In erster Linie ging es um Modernisierungsarbeiten. Es blieb immer ein Platz für Kinder, Eltern und Senioren – also für alle Bewohner des umliegenden Nibelungen-Kiezes.

Nach der Wiedervereinigung gestaltete man den Freiaplatz teilweise neu. Das circa 1,3 Hektar große Gebiet wurde in unterschiedliche Nutzungszonen aufgeteilt: Wege ließ man verkleinern und zwei Spielplätze für unterschiedliche Altersgruppen anlegen. Hinzu kamen neue Rasenflächen, zusätzliche Bänke und Hecken.

Einmal mehr zeigt sich, dass die innerstädtischen Parks unglaublich wichtige Treffpunkte für die Anwohner sind.

Mehr als ein Jahrzehnt später gehörte der Freia­platz mit zu den städtischen Projekten im Rahmen des Stadtumbau-Gebiets Frankfurter Allee Nord. Nach einer kritischen Bestandsaufnahme wurden Zukunftsvisionen entwickelt. Es begann 2011 mit einem Ideen-Workshop mit Kinder und Jugendlichen und sukzessive konnten sich die Anwohner mit ihren Vorschlägen in den Planungsprozess einbringen. Diesmal ging es für die Gestalter sowohl um die Entschärfung von Nutzungskonflikten, als auch um die Schaffung von attraktiven Grün-und Erholungsräumen für Familien. 

Das Landschaftsarchitekturbüro Thomas Michael Bauermeister schuf einen Platz, dessen Wege diagonal zum umliegenden Straßenraster verlaufen. Somit wurden die Wege wesentlich länger und die Parkanlage wirkt großzügiger. Man ließ zwei Spielplätze zusammengelegen und ergänzte Tischtennisplatten und Wiesen zum Ballspielen. Zurückgebaut wurde der in den späten 1990er Jahren errichtete Pavillon – eine metallene Pergola. Anstelle des Pavillons entstand ein schattiger Treffpunkt mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten. Wichtig war die Wiederherstellung der großen Rasenfläche auf der West-Ost-Achse. Heute wechseln sich geschlossene und offene Grünräume ab. Neue gärtnerische Akzente und der „Lichte Berg“ sorgen für Abwechslung. Zur ruhigen Freiastraße liegt die große Rasenfläche und lädt zum Verweilen ein. Auf der anderen Seite spenden die alten Kastanien wohltuenden Schatten. Bis August 2013 waren die Arbeiten weitgehend abgeschlossen und es erfolgte die feierliche Wiederöffnung. Innerhalb kürzester Zeit wurde der Platz von den Bewohnern angenommen.

Einmal mehr zeigt sich, dass die innerstädtischen Parks unglaublich wichtige Treffpunkte für die Anwohner sind. Ebenso brauchen die Spielplätze, Bänke und Beete eine permanente Pflege und Reparaturen. Der Freiaplatz steigert die Wohnqualität im Nibelungenkiez und vielleicht werden ja auch irgendwann die Straßen verschmälert, damit Kinder einfach in den Park laufen können und Senioren einen sicheren Zugang haben.

Dr. Carsten Schmidt

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