Der Landschafts-Tierpark Berlin

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Die energetisch sanierte Tropenhalle im Alfred-Brehm-Haus desTierparks Berlin-Friedrichsfelde.© Lotse, Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0, lizensiert unter CreativeCommons-Lizensby-sa/4.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de)

Vom Alfred-Brehm-Haus bis zur Möwenfluganlage

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© Tierpark Berlin

Berlin besitzt heute zwei zoologische Gärten, was in erster Linie ein Ergebnis der Teilungsgeschichte ist, denn der Tierpark Berlin, im Bezirk Lichtenberg gelegen, wurde 1954 gegründet und bereits ein Jahr später für die Öffentlichkeit feierlich eröffnet. Er stellte, noch vor dem Mauerbau, eine Alternative in Ost-Berlin zum traditionellen Zoologischen Garten dar.
 
Auf dem Areal des historischen Schlossparks Friedrichsfelde geplant und angelegt, entstand der Tierpark als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Skulpturen und Gartenkunst. Im Mittelpunkt sämtlicher Neubauten standen die Ideen des ersten Direktors Heinrich Dathe: „In Abgrenzung zu traditionellen Zoologischen Gärten, die Tiere nach Arten und Gattungen getrennten halten, in Käfigen oder Freigehegen möglichst gut sichtbar für die Besucher, sollen in Friedrichsfelde Tiere zusammen leben“, so der Architekturexperte Nikolaus Bernau im Buch: Baukunst der Nachkriegsmoderne. Um diese Idee umzusetzen, formten unter Leitung des Architekten Heinz Graffunder, Editha Bendig und Oskar Köster (Grünplanung) aus dem Schlosspark von Peter Joseph Lenné ein 160 Hektar umfassenden Landschafts-Tierpark mit weiten Sichtachsen und verborgen liegenden Gebäuden.

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Alfred-Brehm-Haus, 1956-63 von Heinz Graffunderund Architektenkollektiv (Baudenkmal)© Michael G. Schroeder, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, lizensiertunter CreativeCommons-Lizens by-sa/3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Zu den herausragenden Bauwerken der späten 1950er und frühen 1960er Jahre gehört das vom Architekten Heinz Graffunder erdachte Alfred-Brehm-Haus, welches 1963 eröffnete. Hierbei handelt es sich um einen Flachbau über einem Y-förmigen Grundriss, mit erhöhter Oberlichthalle als Tropenhaus – mit typischen Pflanzen und frei fliegenden Vögeln –, sowie seitlichen Raubtieranlagen und Vitrinen mit tropischen Vogelarten. Es treffen Transparenz, Leichtigkeit, Ingenieurskunst und ein durchdachtes Raumkonzept aufeinander.

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© Tierpark Berlin

Die schmale Hauptfassade, mit Haupteingang, besteht aus unterschiedlich hohen Baukörpern, die additiv miteinander verbunden sind: In der Mitte – seitlich jeweils begrenzt von einem 2-geschossigen und einem eingeschossigen Gebäude – setzt der Architekt den Eingang hinter die Fassadenflucht und zieht den Besucher ins Gebäude. Im Foyer geht der Blick des Besuchers vom Springbrunnen mit Kuppel durch die raumhohen Glasflächen in die zentrale Halle. Sie wird seitlich von den beiden Hauptgängen begrenzt, die scherenförmig auseinander gehen. Die in Rot gehaltenen Decken führen wie ein roter Faden durch das Gebäude. Aufgrund des spiegelgleichen Aufbaus, befindet sich jeweils am Ende des Gangs eine Felsenhalle, deren Sheddächer für zusätzliches Tageslicht sorgen und gleichzeitig als gestalterisches Element dienen. Die Wellenform erzeugt einen filigranen Raumeindruck, während ein Wasserbecken den Besucher von der Felsenanlage trennt.
 
Im Gebäude verschwimmen die Grenzen zwischen Innenraum und umgebender Landschaft – sowohl für den Besucher als auch die Tiere. In der 16 Meter hohen Oberlichthalle wandelt der Besucher über filigran gestaltete Brücken, um den gut 1.100 Quadratmeter umfassenden Raum zu erkunden. Darüber hinaus bot die Dachterrasse einen schönen Blick über das Gelände. Die Tiere in den Felsenhallen konnten zwischen dem breiten Freigehege vor dem Haus und den geschützten Höhlen wechseln. Derzeit wird das Alfred-Brehm-Haus zu einem modernen Regenwaldhaus umgebaut. Anna Buttkus betonte, dass alle Bewohner bessere Lebensbedingungen erhalten: “Allein die Fläche für die Tiger wird sich verdreifachen”. Ein erster Teil der Wiedereröffnung soll noch 2019 erfolgen.

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Große Raubtieranlage der Tiger im Nordwestflügel des Alfred-Brehm-Hauses© Climey Amors, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0, lizensiert unter CreativeCommons-Lizensby-sa/3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de)

Auch im Gebäude verschwimmen die Grenzen zwischen Innenraum und umgebender Landschaft .

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© Tierpark Berlin

Ebenfalls im Jahr 1963 eröffnet die Cafeteria und zeigt eine moderne Architektursprache im International Style. Schon das langgezogene Vordach, mit der in Schreibschrift angebrachten Bezeichnung, ist ein Statement der Moderne. Der langgestreckte Flachbau wurde zur großen Terrasse raumhoch verglast und die asymmetrische Anordnung der Baukörper sorgt für eine abwechslungsreiche Perspektive. Während der vordere Bereich – mit Oberlichtern – die Küche und Essensausgabe beherbergt, waren in der anschließenden Halle die circa 500 Sitzplätze und weiteren Serviceeinrichtungen untergebracht. Im Speisesaal sind Groß- und Kleinaquarien in die Wände eingelassen. Und die Pfeiler mit Keramik aus dem Hause Meissen verkleidet.
 
Ebenfalls ein modernes Kleinod ist der von Karl Foerster im Tierpark gestaltete „Foerstergarten“. Im Jahr 1964 entstand die Idee zu einem Stauden- und Sichtungsgarten, der als „Foerstergarten“ 1974 auf einer Fläche von circa 5.000 Quadratmetern eröffnete. Er war in Zusammenarbeit von Editha Bendig mit Karl Foerster entstanden. Die Idee war: “Wir werden bunte Vögel mit der Farbigkeit der Foersterschen Blumenkinder zusammen komponieren, um den vielen Millionen Tierparkbesuchern so das Schaffen Dr. Karl Foersters vor Augen zu führen”, schrieb Heinrich Dathe.

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© Tierpark Berlin

Nach den dynamischen Anfangsjahren sollte es bis kurz vor dem Mauerfall dauern, dass das Dickhäuterhaus 1989 eröffnete. In der Zwischenzeit entstanden kleine, filigrane Gebäude wie die Möwenfluganlage im Jahr 1984. Darüber hinaus ist der Tierpark auch ein Skulpturengarten, denn es gibt mehr als 100 Plastiken, Brunnen und Wandgestaltungen.

Dr. Carsten Schmidt