Das Schloss Friedrichsfelde

Der historische Mittelpunkt des Tierparks Berlin

Ursprünglich 1685 als Lustschloss für den Brandenburgischen Generaldirektor der Marine, Benjamin Raule, erbaut, hießen der Ort und das Schloss noch Rosenfelde. Nachdem Kurfürst Friedrich III., der spätere preußische König Friedrich I., den Besitz von Raule beschlagnahmt hatte, benannte er den Ort sowie das Schloss kurzerhand in Friedrichsfelde um und nutzte es als Lustschloss bis 1701.

Schloss-Friedrichsfelde-Festsaal-1-200x300 Das Schloss Friedrichsfelde
Der Festsaal gehört zu den bedeutenden Räumen des Berliner Frühklassizismus. • © Eddy Raschke

Sein Sohn, König Friedrich Wilhelm I., schenkte 1713 das leerstehende Schloss seinem Onkel, dem Markgrafen Albrecht Friedrich von Brandenburg-Schwedt. Dieser baute es auf die bis heute bestehende Größe aus. Als Besitzer folgten ihm sein Sohn, Markgraf Karl von Brandenburg-Schwedt, und später der jüngste Bruder von Friedrich dem Großen, Prinz August Ferdinand von Preußen, der es 1762 erwarb. Dieser vergrößerte den Schlosspark und entfaltete Friedrichsfelde zu einer Residenz. Hier wurde 1772 auch der bekannteste Friedrichsfelder und mit Sicherheit der schillerndste Preußenprinz, sein Sohn, Prinz Louis Ferdinand, geboren. Die Familie zog es dichter nach Berlin und so verkauften sie das Schloss an den Herzog Peter Biron von Kurland, der im Inneren das Schloss im Frühklassizismus umgestaltete, welcher bis heute maßgeblich das Schloss prägt.

Prächtige Feste und ein luxuriöses Leben prägten Friedrichsfelde, welches von Königin Luise von Preußen oft besucht wurde und 1805 war auch der russische Zar Alexander I. zu Gast.

Im Jahr 1800 erwirbt dann Prinzessin Katharina von Holstein-Beck das Schloss, die getrennt von ihrem Ehemann, dem Fürsten Iwan Sergejewitsch von Barjatinsky, lebte. Prächtige Feste und ein luxuriöses Leben prägten Friedrichsfelde, welches von Königin Luise von Preußen oft besucht wurde. 1805 war auch der russische Zar Alexander I. zu Gast; ein Jahr später nimmt allerdings Napoleon I. eine Truppenparade ab und das Schloss wird zum Hauptquartier für französische Truppen. Als 1811 die Prinzessin stirbt, vermacht sie das Schloss ihren Kindern, dem Fürsten Iwan von Barjatinsky und der Gräfin Anna von Tolstoi, die gegen Zahlung einer Pacht den nach der Völkerschlacht von Leipzig gefangengenommenen sächsischen König, Friedrich August I., von 1814 bis 1815 im Schloss wohnen ließen. Damit war das Schloss kurze Zeit zum Gefängnis geworden. Die Kinder der Prinzessin verkauften 1816 dann das Schloss mit den dazugehörigen Gütern an die Familie von Treskow, die bis Mai 1945 Eigentümer vom Schloss blieben. Im Jahr 1821 lässt Karl von Treskow den Schlosspark von Peter Joseph Lenné zu einem Landschaftsgarten umgestalten.

Im Mai 1945 wird das Schloss durch sowjetische Truppen besetzt und in den Folgejahren Wohnort für Flüchtlinge und Vertriebene. Kurze Zeit war es auch Ferienlager und Erholungsheim für Bauarbeiter, bis es 1949 zur Verwaltungsschule umgebaut werden sollte. Der Festsaal gehört zu den bedeutenden Räumen des Berliner Frühklassizismus. Ähnlich wie dem Treppenhaus erging es auch dem Festsaal. Dieser hatte den Krieg unbeschadet überstanden, allerdings sollten die Umbaupläne des Schlosses zu einem Erholungsheim ihn all seiner Stuckaturen und Farbigkeit entreißen. Sicherlich ist es verständlich, dass unmittelbar nach einem derartigen Krieg die Bildnisse römischer Kaiser sowie die Trophäendarstellungen entfernt wurden, dass aber auch die Blattrosetten und Zierbänder aus Stuck sowie die illusionistischen Deckenmalereien entfernt wurden, ist zumindest in der heutigen Zeit nicht mehr nachvollziehbar.

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Die illusionistischen Deckenmalereien, nach dem 2. Weltkrieg entfernt, erstrahlen heute wieder in neuem Licht. • Eddy Raschke

Seit 1955 der Tierpark Berlin eröffnet wurde, ist das Schloss Friedrichsfelde der historische Mittelpunkt des Tierparks Berlin. Das Treppenhaus erhielt im Rahmen der Restaurierung diejenige Gestaltung wieder, welche es Ende des 18. Jh. hatte und präsentiert sich dem Besucher heute im Frühklassizismus. Hierbei ist die Ausmalung, vor allem die marmorierten Wandfelder und die illusionistischen Motive, die Kassettendecke, kannalierte Pilaster und Supraporten über den Türen im Erdgeschoss und Ornamente in der Decke im Obergeschoss, bestimmend. Die illusionistischen Figurennischen auf den Treppenpodesten und die darin enthaltenen Statuen von Athena und Apollo verleihen eine weitere räumliche Wirkung, die dem damaligen Zeitgeschmack des Klassizismus entsprach. Im Obergeschoss stellen die Supraporten und die vierzehn Szenen über den marmorierten Wandflächen Szenen aus der Liebesgeschichte zwischen Dionysos und Ariadne dar.

Heute finden im Schloss regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen statt. Es bildet die ideale Kulisse für Eheschließungen und private Familienfeiern und kann auch für Empfänge und Tagungen angemietet werden. Im Erdgeschoss befindet sich seit 2015 auch eine Ausstellung über die Geschichte des Schlosses Friedrichsfelde.

Dr. Carsten Schmidt

Das Schloss Friedrichsfelde
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