Mercedes-Benz Arena in Friedrichshain

Architektur-Mercedes Benz Arena-Außenansicht
Mercedes-Benz-Arena – Außenansicht © Anschutz Entertainment Group

Leuchtende Moderne

Das Berliner Architekturbüro GBP Architekten schuf auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke eine moderne Multifunktionshalle mit 16.500 Sitzplätzen, 59 Business-Suiten mit Blick in die Arena und modernster Technik, die vom Eishockeyspiel bis hin zum Rockkonzert ein perfektes Eventerlebnis garantieren. Für Berlin und die City-Ost ist die Gebäudehülle ein wichtiger Faktor, denn nur wenige Meter von der Spree entfernt, gehört die Mercedes-Benz Arena mit zu den wichtigen Neubauten zwischen Oberbaumbrücke und Alexanderplatz.

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Mercedes-Benz-Arena – Seitenansicht © Anschutz Entertainment Group

Als „Architecture parlante“ wurden im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert Gebäude bezeichnet, deren äußere Form die Funktion zum Ausdruck bringt. In gewisser Weise könnte die Mercedes-Benz Arena als „sprechende Architektur“ bezeichnet werden. Gleichzeitig zeigt sie Merkmale einer in ersten Linie zweckdienlichen Funktionsarchitektur. Dieser Spagat wird augenfällig bei der Betrachtung der Fassaden.

Zur Spree hin wurde vom Sockelgeschoss bis zum Dachabschluss eine halbrunde Form, ähnlich eines Amphitheaters, gewählt. Der vierteilig geschichtete Fassadenaufbau besteht aus den zurückgesetzten Eingängen im Erdgeschoss, einem kräftigen geschlossenen horizontalen Fassadenband, dem vollständig verglasten Bereich dessen vertikale Streben die Trichterform unterstützten sowie einem ebenfalls zurückgesetzten Dach, welches wie ein runder Sonnenschirm für Schatten auf der obersten Terrasse sorgt und gleichzeitig den einladenden Eindruck unterstreicht.

Die spreeseitige Fassade entfaltet erst in den Abendstunden und bei Dunkelheit ihre volle Wirkung, denn dann sorgt die Innenbeleuchtung für einen Aquariumeffekt und zieht die Blicke in das Gebäude. Deutlich treten die Treppenaufgänge und einzelne Ebenen hervor. Alles wirkt leicht und transparent. Auch andere Veranstaltungsgebäude in Berlin spielen mit dem Aquariumeffekt. Die bekanntesten Beispiele finden sich bei Gebäuden aus den 1950er und 1960er Jahre wie dem Konzertsaal der Universität der Künste an der Hardenbergstraße oder dem Kino International an der Karl-Marx-Allee.

Wesentlich weniger spektakulär sind die anderen Fassaden der Mercedes-Benz Arena. Die Seitenfassaden treten leicht aus dem Gebäudekörper hervor. Der Übergang von der Schaufassade zur Seitenfassade erfolgt über Terrassen im unteren Bereich und einem verglasten oberen Bereich. Dahinter sitzt ein dreieckiger Keil, der diesem gestalterisch wichtigen Bereich eine gewisse Spannung und Dynamik verleiht. Die eigentliche Nebenfassade besteht aus drei vertikalen Fensterbändern die von zwei großen Wandflächen begrenzt werden. Im unteren Bereich erhielt die Fassade eine Verkleidung mit dunklen Steinplatten, während der obere Bereich in hell ausgeführt wurde. Somit entsteht ein schwebender Effekt, der für eine visuelle Leichtigkeit sorgt. Das gestalterische Hauptmotiv der rückseitigen Fassade bilden horizontale Bänder in Form von bodentiefen Fenstern und sich überschneidenden Wandflächen, die für ein spannungsreiches Gesamtbild sorgen.

Im Inneren ging es sowohl um einen optimalen Besucherstrom als auch attraktive Aufenthaltsräume in den Pausen. Der schönste Aufenthaltsbereich befindet sich in der verglasten Lobby zur Spree. Es verbinden sich Innenraum und Stadtraum zu einem fließenden Kontinuum. Von der obersten Etagen kann der Weitblick genossen werden. Im Gebäude sorgen acht Rolltreppen und acht Personenaufzüge für ein reibungsloses und schnelles Zurücklegen der Strecken.

Von der Dimension her würde das Brandenburger Tor in den Saal der Mercedes-Benz Arena passen. Ansonsten gibt es die Möglichkeit ein Eishockeyfeld mit einer Spielfläche 60 x 30 m und ein Basketballfeld, bestehend aus 424 Platten, zu nutzen. Die beiden Hauptsportvereine sind die Eisbären Berlin und Alba Berlin, die regelmäßig in der Mercedes-Benz Arena Wettkämpfe austragen.

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Mercedes-Benz-Arena – Innen © Anschutz Entertainment Group

In den vergangenen Jahren hat sich rund um die Mercedes-Benz Arena ein neues Viertel etabliert. An der Spree lockt die East Side Gallery die Touristen an, neben der Mercedes-Benz Arena entstand die East Side Mall und zur anderen Seite hochwertige Neubau-Wohnungen. Hier ist ein gemischtes Quartier für ein internationales Publikum im Herzen der City entstanden.

Dr. Carsten Schmidt