Haus Cumberland – 100 Jahre Up and Down mit Stil

Haus Cumberland Straßenansicht
Das äußere Erscheinungsbild ist dem Wilhelminischen Reformstil - mit einer sparsam ornamentierten Fassade - zuzuordnen. • © Andreas Höft
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Haus Cumberland • Fassade • © Andreas Höft

Zwischen Olivaer Platz und Bleibtreustraße ist der Kurfürstendamm am Schönsten. Die hochherrschaftlichen Altbauten sind perfekt saniert und Chanel, Hermès und Bottega Veneta repräsentieren sich – wie in Rom oder Paris – mit einer vornehmen Zurückhaltung. So fällt auch das Haus Cumberland kaum auf. Dabei sind die Dimensionen des Altbaus durchaus spektakulär. Am Kurfürstendamm ist die symmetrische Erkerfassade 60 Meter breit und das Gebäude erstreckt sich bis zur Lietzenburger Straße auf einem 10.200 Quadratmeter großen Grundstück. Es ist dreimal so groß wie ein durchschnittliches Berliner Mietshaus.

Der Architekt des Altbaus, Robert Leibnitz, hatte 1910 vom Bankier und Investor Fedor Berg den Auftrag erhalten ein Boarding-Palast zu errichten. Hierbei handelte es sich um die luxuriöseste Wohnform um 1900 in New York und Paris. Es waren mehrzimmerige Suiten als temporärer Wohnsitz in der Stadt in 1-A-Lage. Die Wohnungen waren möbliert und Personal stand zur Verfügung, so dass man ein komfortables Leben führen konnte. In der Stadt Berlin ging das Konzept nicht ganz auf, denn 1913 musste das Unternehmen – noch vor der offiziellen Eröffnung des Hauses – Konkurs anmelden. In einer Erklärung vom 10. Juli 1913 hieß es: „wie vorauszusehen war … ist ein Hotel mit 600 Zimmern in dieser Gegend von Berlin unrentabel … (weshalb) ein Teil des Riesengebäudes, und zwar die nach der Lietzenburger Straße zu gelegene Hälfte, zu Wohnungen umgebaut wird.“ Das äußere Erscheinungsbild ist dem Wilhelminischen Reformstil – mit einer sparsam ornamentierten Fassade – zuzuordnen. Die Gäste wurden mit einem Rausch aus Stuck, Marmor, gewölbten stuckverzierten Decken und riesigen Kronleuchtern empfangen. Die Ausstattung erinnert an das New Yorker Plaza Hotel am Central Park. Die Innenausstattung hatte internationales Luxusniveau. In 6 Meter hohen Räumen konnte das Frühstück eingenommen und in der American Bar und der Wandelhalle eine gediegene Atmosphäre genossen werden. Ebenso wie in Amerika wurden alle Stile – vom hellen Klassizismus bis zum schweren Barock – umgesetzt, um Illusionen und Stimmungen zu erzeugen. Das Konzert-Café, das Bierlokal und der Grillroom lagen am Kurfürstendamm. Wie in Paris waren die drei Innenhöfe aufwendig angelegte Schmuckkästchen.

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Haus Cumberland • Fassade • © Andreas Höft

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Haus unter dem Namen Cumberland als Luxushotel betrieben. 1936 zog die Oberfinanzkasse Berlin-Brandenburg ein. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten Ämter der Finanzverwaltung das Gebäude. Stuckdecken, Deckengemälde und Edelholzvertäflungen blieben erhalten, jedoch war die Ausstattung gefangen in einer unangemessenen Nutzung. Hier sollte die beste Gesellschaft verkehren, Bälle gefeiert und ein mondäner Lebensstil zelebriert und nicht Akten über die Flure geschoben werden.

2002 waren die Pläne für das Gebäude noch ungewiss. Der dreifache Denkmalschutz – Ensemble, Einzeldenkmal und Gartendenkmal – begrenzte die Nutzung: Hotel, gehobenes Shoppingcenter oder ein gewöhnliches Shoppingcenter. Zum Glück wurde keines davon realisiert. Es entstanden luxuriöse Eigentumswohnungen mit hochwertigen Materialien, großen Fenstern und viel Licht. Im Erdgeschoss zogen internationale Luxusmarken ein. Wer das alte Haus Cumberland nochmal sehen möchte, dem sei der Film The Bourne Supremacy (Die Bourne Verschwörung) mit Matt Damon zu empfehlen. Allen anderen kann nur der Rat gegeben werden, genießen Sie einen guten Café im Grosz und atmen die Stimmung der Belle Époque.

Haus Cumberland – 100 Jahre Up and Down mit Stil
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