Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin • Kein Jubel für die Fassade, trotzdem großartig

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Deutsche Oper Berlin © Andreas Präfcke unter CC BY 3.0

Weil es keine Kriterien für gute Architektur gibt, ist für viele Berliner – mit und ohne Kunstsinn – die Fassade der Deutschen Oper einfach unverständlich. Die Fassade lädt nicht ein, sondern schirmt ab. Die kieselsteinbesetzten Betonplatten wirken bei jedem Wetter nüchtern und nahezu belanglos. Ein Stahlgestänge steht vor dem Haus und ragt in den Himmel – natürlich eine Skulptur vom großartigen Hans Uhlmann. Beim gewöhnlichen Flaneur entsteht die Sehnsucht nach etwas Schönem, lieblichen und gefühlvollen.

Die Teilung der Berliner Bühnen war während der Besatzungszeit vor allem für West-Berlin schmerzlich, immerhin lagen im Ostteil das Große Schauspielhaus, die Staatsoper Unter den Linden und die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. West-Berlin wollte für seine Bürger großartige Säle für Musik und Theater schaffen. So entstanden u.a. der Konzertsaal der Hochschule für Musik (1952-54), die Deutsche Oper (1956-60) und die Philharmonie (1960-63).

Heute blickt die Deutsche Oper auf eine über 100-jährige Geschichte zurück und der Nachkriegsneubau, nach den Entwürfen des Architekten Fritz Bornemann, war eine Wiedergeburt. Das Opernhaus war 1912 im neoklassizistischen Stil, nach den Plänen von Heinrich Seeling, entstanden und nahm im Zweiten Weltkrieg großen Schaden. Ein Teil des Altbaus blieb erhalten und so mussten Teile des Bühnentraktes und die hinteren Funktionsgebäude in den Neubau integriert werden. Der Architekt des Neubaus, Jahrgang 1912 und Schüler von Hans Poelzig, gehörte zu den prägenden Architekten West-Berlins. Zu den letzten großen Projekten Bormanns in der Nachkriegsepoche zählte – gemeinsam mit Wils Ebert – das Völkerkundemuseum in Dahlem.

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Deutsche Oper Berlin © Andreas Präfcke unter CC BY 3.0

Die Deutsche Oper – an der Bismarckstraße 35-37 – ist bereits mehr als ein halbes Jahrhundert alt und erfüllt noch immer die Ansprüche einer internationalen Moderne. Bornemann hat bei diesem Gebäude unterschiedliche Konzepte umgesetzt. Kunst und Architektur bilden eine Einheit, der schwebende Hauptkörper – über dunklem Sockel – spielt mit unserer Raumwahrnehmung, gerasterte Transparenz und hermetische Abgeschlossenheit werden zu Spiegeln der Zeit. Ansprüche kann man viele an dieses Gebäude stellen, denn mehr noch als die Fassade fasziniert der Innenraum. Spannende Perspektiven, Bewegung trotz allgegenwärtiger Rechtwinkeligkeit, schwebende Treppen und künstlerische Erhabenheit überzeugen in diesem Gebäude. Der Raum besitzt eine gewisse Stille und ist eine Hommage an eine elegante Moderne, die entkoppelt vom hektischen Alltag ist.

Unmittelbar nach der Fertigstellung der Deutschen Oper wurden Bornemann´s Pläne für das Theater der Freien Volksbühne (1960-63) umgesetzt. Hier kehrte Bornemann seine Überzeugung um, und schuf eine vollkommen transparente Glasfassade. Der Kunstgenuss wird nicht erst auf der Bühne inszeniert, sondern der sprichwörtliche Weg ist das Ziel und verändert die Sinne. Von der ruhigen Schaperstraße geht das Publikum durch den parkähnlich angelegten Garten durch die Kasse und das Foyer bis in den Zuschauerraum, wohingegen bei der Deutschen Oper eher eine urbane Einstimmung das Publikum begleitet. Die Zuschauer steigen an der U-Bahn-Station Deutsche Oper aus und ein überdachter Weg – neben der sechsspurigen Bismarckstraße – führt bis an das Opernhaus. So verschmelzen Architektur und Funktionalität – für sensible Architekturbeobachter – zu einer raffinierten und sinnlichen Einheit.

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