Das Olympiastadion

Ab 2025 reine Fußballarena?

Es ist groß, historisch nicht unbelastet und doch die Zukunft für den Berliner Fußballverein Hertha BSC: Das Olympiastadion am Rand der City West. Bereits im Jahr 1916 sollte Berlin der Austragungsort der Olympischen Spiele sein. Im Jahr 1931, vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurden die XI. Olympischen Sommerspiele vom Internationalen Olympischen Komitee nach Berlin vergeben.

Der Architekt Werner March erhielt den Auftrag, das „Deutsche Stadion“ (Architekt war sein Vater Otto March) mit seinen Platzkapazitäten für nur 30.000 Zuschauer zu einem gigantisch-repräsentativen, olympiatauglichen Stadion umzubauen. Er schuf ein neues Gebäude im Stil des modernen Rationalismus mit antiken Reminiszenzen. In die Planungen griffen Adolf Hitler und Albert Speer ein. Hitler soll die von March vorgesehenen Glaswände abgelehnt und dafür auf Stein bestanden haben. In dem neuen Stadion hatten circa 75.000 Zuschauer Platz. Bei der Planung und Gestaltung des Berliner Olympiastadions waren vor allem die antiken Vorbilder und die Beständigkeit der Steine ausschlaggebend. Der Eindruck eines scheinbar durchgängig steinernen Baus trügt jedoch – was für den Außenbereich gilt, entpuppt sich im Innern des Stadions als Stahlbetonkonstruktion. Diese ist partiell mit Travertin und Muschelkalk verkleidet worden. Direkt im Anschluss an die zweijährigen Bauarbeiten – von 1934 an beginnend – wurde das Olympiastadion am 1. August 1936 eröffnet. Das Stadion war Teil des umliegenden Olympiageländes bzw. Reichssportfeldes – dazu gehörte u.a. das Schwimmstadion mit 7.600 Plätzen, das Maifeld und der 78 Meter hohe Glockenturm. Als architektonisches Meisterwerk gilt seither die geringe Außenhöhe des Stadions mit nur 16,5 Metern. Erreicht wurde dieses Kunststück durch die Grundsteinlegung des weiten Ovals in einer natürlichen Mulde. Aus diesem Grund liegt das Spielfeld zwölf Meter unter dem Niveau des Eingangs.

Das Olympiastadion blieb von den Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges weitestgehend verschont und ging im Jahr 1949 in den Besitz der Stadt Berlin über. Für die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 1974 setzte man dem Stadion eine eher dürftige Dachkonstruktion auf, eine Flutlichtanlage war bereits im Vorfeld installiert worden. 1998 beschloss der Berliner Senat, das Stadion denkmalgerecht sanieren zu lassen und beauftragte damit das Architektenteam von Gerkan, Marg und Partner (gmp). Nach mehrjähriger Sanierung präsentierte sich das Stadion als eine moderne Arena, die die gegenläufigen Bedürfnisse von Multifunktionalität und reiner Fußballnutzung behutsam und denkmalgerecht in Einklang bringt. 

Den entscheidendsten Eingriff markierte das neue Dach, das nicht nur im Innern den Raumeindruck veränderte, sondern den Charakter der ganzen Anlage transformiert. Mit der Öffnung zum Glockenturm als städtebaulichem Fluchtpunkt respektiert es Bezüge und Blickachsen der historischen Gesamtanlage. Doch die leichte Konstruktion relativiert auch die politisch motivierte steinerne Schwere des Altbaus. Zum Stadioninnenraum zeigt sich das Dach glatt und geschlossen. Von außen betrachtet, legt sich das Dach als dünne Kante über den Bestand – und verbessert dessen Proportionen. Mancher Fan mag die schmalen Stützen im Oberrang bedauern, doch nur so konnten die städtebaulich wichtige Öffnung am Marathontor realisiert werden. 

Zukünftig könnte das Stadion erneut umgebaut werden, denn Hertha BSC plant die Transformation in ein reines Fußballstadion. Der Unterring der Tribünen soll bis an das abgesenkte Spielfeld herangezogen und die Tribünen sollen steiler gestaltet werden. Ferner könnte die größte Videoleinwand entstehen, was jedoch bedeutet, dass die Besucherplätze sich auf 55.000 reduzieren würden. Hertha BSC hat eine Machbarkeitsstudie vom Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner (gmp) für einen Umbau anfertigen lassen.

Vom regierenden Bürgermeister Michael Müller und dem Innensenator Andreas Geisel heißt es in einer gemeinsamen Erklärung: „Ein Umbau des Olympiastadions ist tatsächlich möglich. Erste Entwürfe zeigen, dass das Olympiastadion als Fußballarena eine einzigartige spektakuläre Spielstätte sein kann. Ein modernes Stadion mit neuen, steileren Tribünen nah an den Spielfeldrand gezogen. Für ein emotionales Spielerlebnis.“ Vermutlich wird es bis 2025 dauern, bis das Stadion erneut in neuem Glanz erstrahlt.

Dr. Carsten Schmidt

Das Olympiastadion
5 (100%) 1