Bauzeitverschiebung bei Schlechtwetter

Bauzeitverschiebung bei schlechtem Wetter
MichaelGaida / Pixabay

In Zeiten niedriger Bauzinsen, voller Auftragsbücher der Bauunternehmen und insgesamt einem Boomen der Baubranche, stellen Bauzeitprobleme die Vertragsparteien vor besondere Herausforderungen.

Hinzu kommt noch der massive Fachkräftemangel der Branche.

Bauboom trifft auf Fachkräftemangel

Dieses „explosive Gemisch“ aus Boom und Personalmangel bereitet Bauherren oft Ärger und Kopfzerbrechen. Der Bau schreitet einfach nicht voran und zieht sich endlos in die Länge. Ein geplanter Umzug und möglicherweise eine gekündigte Mietwohnung geraten zur Zerreißprobe.

Bauunternehmen sind sehr kreativ bei der Begründung von Bauverzögerungen. So geraten Werbeversprechen in der Vertragsanbahnung zu angeblichen Bauzeitgarantien nicht selten zur Makulatur. Einer dieser großen Einwände der Bauunternehmen gegen eine fristgerechte Fertigstellung ist oft das Wetter.

Wetter muss oft für Bauverzögerungen herhalten.

Der Auftraggeber muss aber wissen, dass wetterbedingte Risiken nur in äußerst seltenen Fällen tatsächlich zu einer Bauzeitverlängerungen führen.

Konnte der Bauunternehmer mit dem Wetter rechnen?

Dies ist die alles entscheidende Frage. Es dürfte auf der Hand liegen, dass es im Winter friert und/oder schneit und im Herbst und Frühjahr viel regnet. Frost im Winter ist nichts Außergewöhnliches.

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Als ungewöhnlich werden nur solche Wetterverhältnisse angesehen, die von den klimatischen Mittelwerten der letzten 10 bis 20 Jahre
signifikant abweichen.

So ist beispielsweise ein Wolkenbruch außergewöhnlich, mit dem angesichts seiner Stärke auf der Baustelle im Durchschnitt nur alle 20 Jahre zu rechnen ist. Nicht völlig außergewöhnliche Niederschlagsmengen stellen keine Behinderung dar.

Lang anhaltende Kälteperioden, wie z.B. der Winter 1995/1996 oder der Winter 1978/79 in Norddeutschland stellen in der Tat außergewöhnliche Witterungsverhältnisse dar und führen zu einer Verlängerung der Ausführungsfrist wegen höherer Gewalt.

Auch Überschwemmungen, wie das Jahrhunderthochwasser an der Elbe und ihren Nebenflüssen sowie an der Oder 2002 erweisen sich als außergewöhnliche Ereignisse, auf die sich eine Bauzeitverlängerung stützen lässt.

Der Bauunternehmer muss bei der Bemessung der Ausführungsfristen berücksichtigen, inwieweit mit Ausfalltagen durch Witterungseinflüsse während der Ausführungszeit normalerweise gerechnet werden muss. Außergewöhnliche Witterungsverhältnisse müssen sich darüber hinaus, soll eine verlängernde Wirkung damit verbunden sein, auf die Baustelle auswirken. Nicht die allgemeine, sondern nur die für die Baustelle wirksam gewordene Witterungslage ist bedeutsam.

Darüber hinaus hat der BGH in einem Urteil vom 20.04.2017 – VII ZR 194/13 entschieden, dass der Bauherr – mangels anderweitiger vertraglicher Vereinbarungen – nicht für einen Wetterschutz Sorge tragen muss. Der Bauherr/Auftraggeber ist also nicht verpflichtet, während der Dauer des Herstellungsprozesses außergewöhnlich und ungünstige Witterungseinflüsse auf das Baugrundstück in Form von Frost, Eis und Schnee, mit denen nicht gerechnet werden musste, abzuwehren.

Der Schutz des eigenen Werkes obliegt dem Werkunternehmer bis zur Abnahme. Oft tauchen auch in Bauverträgen Begriffe wie „amtlich anerkannte Schlechtwettertage“ auf. Dies dürfte irreführend sein, denn den Begriff gibt es offiziell gar nicht mehr.

Mein Tipp:

Achten Sie in Ihrem Bauvertrag darauf, dass feste Fertigstellungsfristen vereinbart sind. Wichtig ist auch, dass diese Fristen nicht an zu viele Voraussetzungen geknüpft werden. In einigen standardisierten Bauverträgen umtriebiger Hausbaufirmen (oder Lizenznehmer) ist die Baufrist, mit der geworben wird, an derart viele und umfangreiche Voraussetzungen geknüpft, dass der Bauunternehmer immer einen Weg findet, diese zu unterwandern.

Dieser Rechtsartikel stammt von:

Andreas Jurisch
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

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Bauzeitverschiebung bei Schlechtwetter
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