Treptow-Köpenick

Zwischen Seen, Wald und Hauptstadtflair:

Ein Spaziergang durch Treptow-Köpenick

Der größte Bezirk der deutschen Hauptstadt präsentiert sich keineswegs so hektisch wie andere Berliner Stadtteile. Treptow-Köpenick ist unter Einheimischen vor allem als naturnahe und idyllische Gegend bekannt. Hier können vom Großstadttrubel geplagte Seelen besonders schnell heimisch werden. Es überwiegen mittlere und gehobene Wohnlagen in nicht selten wasser- und naturnaher Lage.

Es scheint fast, als ob manche Lagen in Treptow-Köpenick noch als Geheimtipp gelten.

Einfamilien- oder Doppelhäuser werden als Bestandsimmobilien in dem Ostberliner Bezirk im Durchschnitt für circa 2.400 Euro pro Quadratmeter verkauft. Wer sich für Neubauhäuser interessiert, sollte im Schnitt mit etwa 2.180 Euro pro Quadratmeter rechnen. Im Vergleich zum ähnlich natur- und wassernahen Steglitz-Zehlendorf sind das mitunter deutlich günstigere Preise. Ähnliches gilt für Eigentumswohnungen: Diese kosten im Altbestand durchschnittlich circa 2.010 Euro, im Neubau etwa 3.340 Euro je Quadratmeter. Es scheint fast, als ob manche Lagen in Treptow-Köpenick noch als Geheimtipp gelten. Das überrascht: Denn der östlichste und zugleich südlichste Bezirk der Spreemetropole grenzt direkt an Brandenburg und weist die größte Wald- sowie Wasserfläche von Berlin auf. Von Berlin Mitte sind viele Ortsteile schnell zu erreichen. S-Bahn-Fahrer benötigen bis Köpenick rund 45 bis 60 Minuten, Autofahrer sollten mit 30 bis 40 Minuten rechnen.

Was den Westberlinern der Wannssee ist, ist den Ostberlinern der Müggelsee

Wer am Wochenende naturnahe Erholung sucht, bekommt hier viel geboten: Noch populärer als das beliebte Westberliner Strandbad Wannsee ist in Berlin das Strandbad Müggelsee. Hier, am Ufer des größten Sees der Hauptstadt, finden sich über das Jahr verteilt rund 100.000 große und kleine Ausflügler ein. Hier locken außerdem viele Gelegenheiten zum Bootsfahren, Restaurants und Wanderwege. Einen Abstecher ist vor allem das Fischerdorf Rahnsdorf zwischen den Ortsteilen Friedrichshagen und Erkner wert. Seine Ursprünge reichen bis ins Jahr 1375 zurück, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zählt es zu den beliebten Ausflugsorten zahlreicher Berliner. So mancher Wochenurlauber nennt hier ein Urlaubsgrundstück sein eigen, das er mit einer Bootsfahrt durch die zahlreichen großen und kleinen Wasserarme erreicht. Nicht weit entfernt, inmitten eines kleinen Spree-Deltas befindet sich die Siedlung Neu-Venedig. Sie wurde in den 1920er Jahren auf sumpfigen Gelände als Neubauprojekt entworfen, dazu wurden die hier gelegenen Spreewiesen entwässert. Zehn Auto- sowie drei Fußgängerbrücken ermöglichen den Weg über insgesamt fünf Kanäle, der Lagunenweg und die Rialtobrücke erinnern an das italienische Vorbild Venedig. Leider gibt es für zahlreiche der malerischen Immobilien am Wasser hier kein Dauerwohnrecht, da die Grundstücke offiziell als Flutgelände Berlin vor Hochwasser schützen sollen.

Doch wenige Kilometer westlich, am westlichen Ufer des Müggelsees, finden sich zahlreiche attraktive Immobilien. In der historischen Altstadt von Köpenick, oft einfach ebenso wie die älteste Straße im Ortsteil „Alt-Köpenick“ genannt, lässt sich ein Stück Berlin des 18. und 19. Jahrhunderts entdecken. Die meisten Gebäude wurden im Gründerzeitstil errichtet, hier finden sich zahlreiche attraktive Bestandsimmobilien. Im Schnitt sollten Käufer von Neubau-Wohnungen in Köpenick mit etwa 3.100 Euro pro Quadratmeter rechnen. Zu den einen Abstecher lohnenden Sehenswürdigkeiten gehört hier das im Friderizianischen Rokokostil gebaute Andersonsches Palais und das Schloss Köpenick mit seinem Barockgarten auf der Schlossinsel. Einst als Jagdschloss von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg um 1558 errichtet, dient es heute als Sitz eines sehenswerten Kunstgewerbemuseums. Zu den ganz besonderen Immobilien in Köpenick zählt das im Stil märkischer Backsteingotik gestaltete Rathaus: Hier hat die Geschichte vom wohl berühmtesten Sohn Treptow-Köpenicks ihren Ursprung: Der aus Ostpreußen stammende Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt, später bekannt geworden als „Hauptmann von Köpenick“ verhaftete hier als Offizier verkleidet 1906 den Bürgermeister der damaligen Stadt Cöpenick und stahl die Stadtkasse. „Ein unerhörter Gaunerstreich, der stark an die russischen Banküberfälle erinnert und gleichzeitig wie ein lustiger Operettenstoff anmutet, hat gestern Nachmittag die Stadt Köpenick in Aufregung versetzt“, schrieb damals schmunzelnd die „Vossische Zeitung“. Der gewitzte Schuhmacher und „Räuberhauptmann“, unterstützt von naiv-gutgläubigen Soldaten, wurde weltweit bekannt.

Schlendern und Einkaufen in Friedrichshagen

Auch der benachbarte Ortsteil Friedrichshagen hat eine bewegte Geschichte: Gegründet wurde das ehemalige Kolonistendorf als Wohn- und Arbeitssitz für Baumwollspinner aus Schlesien und Böhmen. Heute ist es vor allem die in zwei Jahrhunderten entstandene Bölschestraße mit ihrem bunten Mix aus zwei Jahrhunderten Architekturgeschichte, die zu den wichtigsten Attraktionen von Friedrichshagen zählt. Einen Besuch lohnt das hier jeden Mai stattfindende Bölschefest – Schausteller, Verkaufsstände, Live-Musik und ein Trödelmarkt begeistern Jung und Alt. Eine Wohnung im Neubau kostet in Friedrichshagen durchschnittlich etwa 3.900 Euro pro Quadratmeter.

Müggelheim: Ländliches Flair im Osten Berlins

Ländliches Flair besitzt dagegen das an der gegenüberliegenden Seite des Müggelsees gelegene Müggelheim. Hier finden sich, ähnlich wie in Rahnsdorf, noch günstigere Wohnlagen an der Grenze zu Brandenburg. Im dörflich geprägten Ortsteil Müggelheim dominieren alte Bauernhäuser sowie Einfamilienhäuser. Wer hier eine Neubau-Wohnung erwerben will, sollte mit circa 3.350 Euro je Quadratmeter im Durchschnitt kalkulieren. Das gilt auch für die benachbarten Ortsteile Schmöckwitz und Grünau. Während das ehemalige Fischerdorf Schmöckwitz vor allem als Naherholungsziel beliebt ist, lohnt in Bohnsdorf vor allem die Gartenstadt Falkenberg einen Besuch. Das auch als „Tuschkastensiedlung“ bekannte Wohnensemble, entworfen vom bekannten deutschen Stadtplaner Bruno Taut sowie dem Berliner Gartenarchitekt Ludwig Lesser, besticht durch seine abwechslungsreiche Farbgestaltung. Es sollte sich damals von der eintönigen Reihenhausarchitektur vieler Berliner Kieze abheben und zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Direkt benachbart zur Gartensiedlung ist Alt-Glienicke: Hier befinden sich für Berlin Treptow-Köpenick eher untypische, ab 1987 errichtete Neubau-Siedlungen, aber auch zahlreiche Einfamilienhäuser in ruhiger Lage. Während des Kalten Krieges existierte hier sogar ein Spionagetunnel, mit dessen Hilfe Briten und US-Amerikaner in den 1950er Jahren unter dem Codenamen „Operation Gold“ die sowjetische Nachrichtenübermittlung nach Moskau abhörten.

Adlershof: Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien

Geprägt vom Berlin der Gegenwart ist dagegen der Ortsteil Adlershof. Der südliche Teil von Adlershof ist auch als „Stadt für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien“ (WISTA) bekannt. Laut dem Stand vom Ende des Jahres 2014 sind hier 1.001 Unternehmen mit circa 16.000 Mitarbeitern ansässig. Zugleich beherbergt die WISTA sechs Institute der Humbolt-Universität zu Berlin sowie zehn außeruniversitäre wissenschaftliche Einrichtungen. Rund sieben Kilometer entfernt liegt die Baustelle des seit 2006 im Entstehen begriffenen Flughafens Berlin Brandenburg. Auf dem Gelände „Wohnen am Campus“ entstehen zahlreiche attraktive Neubauprojekte – wenn sie nicht bereits fertiggestellt wurden. Westlich vom Natur- und Landschaftspark „Flugfeld Johannisthal“ wurden bereits 360 Einfamilienhäuser in ruhigem und idyllischem Umfeld errichtet. Neubau-Wohnungen kosten in Berlin Adlershof im Schnitt etwa 3.290 Euro je Quadratmeter. Weiter nordwestlich befinden sich Ober- und Niederschöneweide. Oberschöneweide gilt als einer der wichtigsten Fabrikquartiere Deutschlands. Zu verdanken ist das vor allem dem einstigen großen Elektrokonzern AEG, der Ende des 19. Jahrhunderts hier viele Werke errichtete und in die Infrastruktur des Ortsteils investierte.

Größtenteils unberührt von der Industrialisierung ist dagegen der Volkspark Wuhlheide, der zwischen 1919 und 1932 als Waldgebiet errichtet wurde. Besonders für Familien interessant ist der Modellpark Berlin-Brandenburg: Hier können Besucher über 60 originalgetreue Modelle bekannter Berliner und Brandenburger Sehenswürdigkeiten bestaunen. Eine weitere Attraktion ist die seit 1956 betriebene Anlage der Parkeisenbahn. Im Sommer lockt vor allem die „Berliner Kindl-Bühne Wuhlheide“, die als zweitgrößte Freilichtbühne Berlins gilt und in der schon zahlreiche prominente Bands und Sänger Konzerte gaben, darunter auch „Metallica“, „Wir sind Helden“, Robbie Williams und Xavier Naidoo. Im Vergleich zu Oberschöneweide ist das südlich gelegene Niederschöneweide deutlich ruhiger. Wer hier wohnen möchte, findet durchaus preisgünstige Bestandsimmobilien im Altbau. Wohnungen im Neubau kosten dagegen in Oberschöneweide durchschnittlich 3.070 Euro, in Niederschöneweide 3.760 Euro je Quadratmeter.

Alt-Treptow: Wohnen am Puls der Hauptstadt

Noch näher am Puls der Hauptstadt liegt das im äußersten Nordwesten liegende, an den Bezirk Berlin Friedrichshain-Kreuzberg angrenzende, Alt-Treptow. Hier befindet sich – direkt an der Spree – mit den sogenannten „Treptowers“ das höchste, 32 Etagen umfassende Bürogebäude Berlins. Die Bars und Kneipen von Neukölln, Friedrichshain und Kreuzberg sind von hier aus nur wenige Minuten zu Fuß entfernt. Zum abendlichen Ausgehen empfiehlt sich auch das Veranstaltungsgelände „Arena Berlin“. Hier finden sich einige Bars und auf dem Spreedampfer MS Hoppetosse ein unter jungen Leuten beliebter Nachtclub inklusive Restaurant. Gute Gelegenheiten zum Spazieren bietet dagegen der nahegelegene Treptower Park. Hier, in der zweitgrößten öffentlichen Parkanlage der Hauptstadt, finden sich schöne, im englischen Stil gestaltete Haine, Wiesen, Alleen und Rabatten. Von weitem erkennbar ist das von der sowjetischen Besatzungsmacht 1949 fertiggestellte Sowjetische Ehrenmal.

Wenige Minuten entfernt befindet sich mit der 1896 gegründeten Archenhold-Sternwarte die größte und älteste Volkssternwarte Deutschlands. Im Sommer bieten sich, ausgehend vom Treptower Park, insbesondere eine Boots- oder Schifffahrt entlang der Spree sowie entspanntes Sonnen auf den zahlreichen Liegewiesen an. Bei den Preisen für Wohneigentum macht sich die Nähe zum begehrten Friedrichshain bereits bemerkbar. Immobilien zum Wohnen kosten hier im Durchschnitt um die 4.800 Euro pro Quadratmeter – eine Investition, die sich zweifelsohne lohnen dürfte. Doch auch in weiteren Ortsteilen, darunter Johannisthal, Baumschulenweg und Plänterwald, lässt es sich zentral und zugleich naturnah wohnen. Ohne Zweifel: Treptow-Köpenick bietet für jeden Geschmack etwas!

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