Neukölln

Neukölln

Im Wandel der Zeit

Kein Bezirk vereint so viele Gegensätze wie Neukölln, von dem dicht bebauten multikulturellen Ortsteil Neukölln bis zum von Einfamilienhäusern und Grün dominierten Britz. Der Bezirk Neukölln ist so vielseitig wie seine Bewohner, die ihn prägen.

„Rixdorfer Fassbrause“, „Alt – Rixdorfer Weihnachtsmarkt“ oder „Rixdorfer Grundschule“, der Name des Dorfes aus dem Neukölln hervorging ist bis heute erhalten geblieben. Die Gründung geschah laut Urkunde um 1200 durch die Tempelritter. 1737 gestattete Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung böhmischer Exulanten in Rixdorf. Diese siedelten entlang der heutigen Richardstraße und erhielten 1797 mit Böhmisch-Rixdorf ihre eigene Verwaltung. Die letzten erhaltenen Zeugnisse der Siedlung sind der „Böhmische Gottesacker“, die „historische Schmiede“, die „Bethlehemskirche“ auf dem Richardplatz und der „Comenius-Garten“ an der Richardstraße. 1912 wurde Rixdorf unter Kaiser Wilhelm II. zu Neukölln umbenannt und 1920 zusammen mit Britz, Buckow und Rudow zum 14. Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin. 2001 wurde mit der Verwaltungsreform der Bezirk Neukölln zum achten Verwaltungsbezirk von Berlin. Mit 325.716 Einwohnern (Stand: Dez. 2014) umfasst dieser die Ortsteile Neukölln, Britz, Buckow, Rudow und Gropiusstadt. Unterscheiden Sie also stets zwischen dem Bezirk Neukölln und dessen Ortsteil Neukölln. Im Folgenden möchten wir Ihnen vor allem den Ortsteil Neukölln vorstellen.

Einen großen Teil Neuköllns nimmt der Volkspark Hasenheide im Nordwesten des Bezirkes ein. Dieser ist nur durch den Columbiadamm vom Tempelhofer Flugfeld getrennt und bietet mit diesem den Anwohnern Neuköllns viel Platz zum Aktivwerden und Entspannen. Im Süden wird Neukölln durch die Stadtautobahn A100 begrenzt, über die man schnell die Flughäfen Tegel und Schönefeld oder auch den großen Müggelsee erreicht. Östlich von Neukölln befinden sich die Bezirke Alt-Treptow, Plänterwald und Baumschulenweg (alle zu Treptow-Köpenick gehörend). Diese Stadtteile sowie das Neuköllner Gebiet nordöstlich des Hermannplatzes sind besonders beliebt bei Studenten, Nachtaktiven und Künstlern jeder Fasson.

Mit der Ringbahn, den U-Bahnlinien 7 und 8 und zahlreichen Buslinien ist das öffentliche Nahverkehrsnetz gut ausgebaut. Die ersten Anlaufpunkte zum Shoppen sind die Neukölln Arcaden sowie das Areal rund um den Hermannplatz. Darüber hinaus säumen zahlreiche Modeboutiquen, Designerläden, Plattenläden sowie Cafés und Restaurants die Straßen (Nord-) Neuköllns.

Neukoelln-03 Neukölln
Liebevoll sanierte Altbauten an der Karl-Marx-Straße © Christopher Barz

Die Gegend um den U-Bahnhof Karl-Marx-Straße bietet hervorragende Möglichkeiten für einen Sonntagsspaziergang. Starten Sie im Park Lessinghöhe und durchqueren sodann die Thomashöhe auf dem Weg zum Körnerpark. Von dort aus geht´s zur östlichen Seite der Karl-Marx-Straße zum Richardplatz. Hier können Sie im Biergarten der Villa Rixdorf verweilen oder zur Weihnachtszeit von den Leckereien des Weihnachtsmarktes am Richardplatz kosten. Das gesamte Gebiet erinnert mit seinen Gründerzeitaltbauten, Kopfsteinpflastern und romantischen Straßenlaternen sehr an das Böhmische Dorf aus der Vergangenheit. Beenden Sie Ihre Tour Idealerweise mit einem Besuch des Comenius Gartens. Er gehört zu den gepflegtesten öffentlichen Grünanlagen Berlins und das ohne ein einziges Verbotsschild. Darüber hinaus stammt er noch aus der Zeit, als die Böhmischen Exulanten sich hier niederließen. Nähere Informationen und Anregungen zu den grünen Seiten Neuköllns finden Sie unter www.gartenkulturpfad-neukoelln.de.

Wenn Sie gerne heimatliche Veranstaltungen besuchen, kommen Sie um den Heimathafen – Neukölln in der Karl-Marx-Straße nicht herum. Hier treffen alle künstlerischen Genres aufeinander, sei es Poetry-Slam, Schulprojekte oder Theateraufführungen. Neben dem Freiluftkino im Volkspark Hasenheide, bietet Neukölln auch das jährliche „48 Stunden Neukölln“ Festival. Dieses Kunstfestival verbindet über zwei Tage Menschen egal welcher Herkunft und welchen Alters und gehört seit 1999 zu den etablierten Festivals Berlins.

Östlich des Flugfeldes Tempelhof, zwischen den U-Bahnhöfen Boddinstraße und Leinestraße, rund um den Herrfurthplatz, befindet sich der Schillerkiez. Er ist einer von vielen äußerst beliebten Kiezen des kultigen Berlins. Durch die Stilllegung des Flughafens Tempelhof im Jahr 2008, eröffneten sich viele Möglichkeiten für den Neuköllner Immobilienmarkt. Die Gegend um die grüne Schillerpromenade gewann deutlich an Interesse bei Liebhabern von grünen Berliner Altbaukiezen. Das Schillerpalais hat sich zu einer Art Künstlerkolonie entwickelt. Wo früher die ein oder andere Eckkneipe die Straßen zierte, haben heute vornehmlich Cafés, Szenebars und Galerien ihre Pforten geöffnet. Mit dem Schillerkiez wurde die Entwicklung zu einer Mittelschichtsgesellschaft in den begehrten Wohnlagen Berlins wieder einmal vorangetrieben. Noch vor fünf Jahren wurde ein Gewerbeleerstand beklagt. Die Gebäudesanierungen, die Preise für Hähnchen, Risotto und Spätzle und die multikulturellen Neuberliner zeugen hingegen von einem aufstrebenden Kiez mit zunehmenden Wohnraumbedarf.

Es wäre falsch zu behaupten, dass in Neukölln keine sozialen Probleme zu bewältigen wären. Allerdings lohnt es sich, diesen Umstand einmal genau zu hinterfragen. Es gehörte neben Wedding und Kreuzberg zu den ab 1961 von Gastarbeitern frequentiertesten Stadtteilen West-Berlins. Von der BRD wurden sie angeworben, um in der Elektro- und feinmechanischen Industrie für Unternehmen wie AEG, Siemens und Telefunken zu arbeiten. Statt wie vorgesehen nach einiger Zeit die Stadt wieder zu verlassen und in ihr Heimatland zurückzukehren, gewöhnten sich die Gastarbeiter an das Leben in Berlin und wurden sesshaft. Die damaligen Neu-Berliner beherrschten jedoch in der Regel nicht die deutsche Sprache. Dies war auch kaum nötig, da nahezu jeder im näheren Wohnumfeld ihrer Muttersprache mächtig war. Die Schulen waren sichtlich mit den Sprachbarrieren der immigrierten Schüler überfordert. Darüber hinaus gab es keine Kindergartenplätze und das Leben der Kinder spielte sich zuhause und auf der Straße ab. Es kam zwangsweise zu einem Integrationsproblem, welches gelöst werden musste.

Die Quartiersmanagements, die Bezirksverwaltung, aber auch Eltern und sozial Engagierte setzen sich seit vielen Jahren für eine nachhaltige Problembewältigung in verschiedenen sozialen Brennpunkten ein. Die Erfolge sind eindeutig erkennbar. Neukölln fällt zwar immer wieder durch Negativ – Schlagzeilen auf; betrachtet man aber die Kriminalitätsstatistik anderer Bezirke Berlins, liegt insbesondere Nord-Neukölln in Bezug auf die Häufigkeitszahl sogar hinter dem Forst Grunewald, dem Gebiet um den Alexanderplatz, dem Regierungsviertel und Tiergarten-Süd (Quelle: Kriminalitätsatlas Berlin 2013). Ein weiteres Indiz für eine wirkungsvolle Sozialpolitik sind die steigenden Einwohnerzahlen. Denn nicht nur im Schillerkiez, sondern in ganz Neukölln (einschließlich Gropiusstadt, Britz, Buckow und Rudow) stieg die Anzahl der Einwohner seit 2006 stetig. Nachdem in den Jahren von 2001 bis 2006 die Bevölkerung sogar um etwa 0,7 % von 303.881 auf 301.733 Einwohner abnahm, stieg sie von 2006 bis 2014 (Stichtag 31.12.2014) um nahezu 8 % auf 325.716 Einwohner. Gleichzeitig ist der relative Anteil von Ausländern auf etwa dem gleichen Niveau wie im Jahr 2006 geblieben. Einige Projektentwickler haben die Chance bereits ergriffen und in ein aufstrebendes Neukölln investiert. Im Durchschnitt liegt der Preis pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung im Ortsteil Neukölln derzeit bei 2310 EUR und damit gute 1200 EUR unter dem Berliner Durchschnitt von 3577 EUR je qm (Stand: September 2015).

Im Gegensatz zum Norden Neuköllns gestaltet sich das Stadtbild in den Ortsteilen südlich der Stadtautobahn – Britz, Buckow, Gropiusstadt und Rudow – eher ruhig. Hier wohnen überwiegend Familien in Einfamilienhäusern in erholsamer und grüner Umgebung. Der Britzer Garten bietet genügend Möglichkeiten, einen ganzen Tag entspannt in der Natur mit Freunden und der Familie zu verbringen. Auch das Schloss Britz und die Britzer Mühle gelten als weitere Highlights für Ausflüge in diesem Ortsteil. Von den Negativ – Schlagzeilen Nord-Neuköllns ist hier nichts zu spüren. Möchten Sie in Britz ein Haus erwerben, müssen Sie dafür aktuell im Durchschnitt 3219 EUR je qm aufbringen. Beim Erwerb einer Eigentumswohnung sind es zurzeit im Durchschnitt 3167 EUR pro qm. Je südlicher Sie sich orientieren, desto günstiger wird es. In Rudow sind die Kaufpreise mit durchschnittlich 2750 EUR pro qm für eine Eigentumswohnung und 2614 EUR je qm bei Häusern im Vergleich zu den zentralen Lagen recht günstig.

Neukölln kann mit den böhmischen Siedlern und den Gastarbeitern der Nachkriegszeit seine eigene interessante und prägnante Geschichte erzählen. Es fügt sich architektonisch und kulturell in das Berliner Stadtbild ein. Schließlich bietet es inmitten des Multikulti-Großstadttrubels oder auch im idyllischen Süden Immobilien zu erschwinglichen Preisen mit guter Perspektive.

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